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Christer Fällman, Initiator des Altersheims: "Wir vertreten Menschen, die oft ihr halbes Leben lang diskriminiert wurden. Schwule, Lesben und Transsexuelle, die in den 1930er- bis 1950er-Jahren geboren wurden, haben ihr Leben lang genug um Toleranz kämpfen müssen. Gerade gesundheitlich schwächer werdende Menschen brauchen das Gefühl von Geborgenheit und Gemeinschaft."
Christer Fällmans langer Kampf mit dem Stockholmer Bürgermeisteramt hat sich gelohnt. Die um ein modernes weltoffenes Antlitz bemühte bürgerliche Stadtregierung hat dem Gesuch seiner Bürgerinitiative stattgegeben, ein Altersheim speziell für Homo- und Transsexuelle einzurichten. Das Altersheim Regenbogen wird im charmanten Stadtteil Vasastan mit seinen Cafés, Restaurants und Galerien entstehen.
"Wir müssen weg von der standardisierten Altenpflege und müssen uns mehr auf die Bedürfnisse spezieller Gruppen, auch anderer Gruppen, anpassen. Menschen sind unterschiedlich, auch alte Menschen", sagt Stadtrat Joakim Larsson von der Regierungspartei Moderaterna. Die ersten Rentner sollen bereits in der zweiten Hälfte 2013 einziehen können.
Großes Interesse
Das Interesse ist groß: "Schon jetzt haben sich mehr als 60 offiziell beworben, 354 haben bereits Interesse angemeldet", sagt Christer Fällman zum STANDARD. "Die Stadt haben wir letztlich auch durch einen Fragebogen in einem populären Schwulen-Lesben-Trans-Forum im Internet überzeugen können. Da war das Interesse an einem Altersheim enorm", sagt er.
Auch bei Micasa, der städtischen Wohnbaugesellschaft für Senioren, freut man sich über den etwas anderen Auftrag. "Wir errichten in Zukunft viele auf unterschiedliche Interessen zugeschnittene Heime. Schon heute haben wir ein Altersheim, in dem nur Finnen wohnen, die einst größte ausländische Mitbürgergruppe. Und auch für ein ungarisches Altersheim gibt es inzwischen großes Interesse", sagt Micasa-Direktor Anders Nordstrand. Auch ein persisches Altersheim betreibt die Wohnungsgesellschaft inzwischen, weil einst viele Einwanderer aus dem Iran nach Stockholm gekommen sind.
Ghettobildung
Kritiker unterstreichen jedoch, dass solche auf bestimmte Minderheiten spezialisierten Altersheime nicht im Sinne einer integrierten Gesellschaft sind. Schon jetzt wohnen im sozialdemokratisch geprägten Schweden arme und reiche Senioren meist in verschiedenen Heimen.
Christer Fällman sieht das nicht so. "Wir vertreten Menschen, die oft ihr halbes Leben lang diskriminiert wurden. Wenn man alt ist, verliert man viele der alten Freunde, wir hatten zudem die Aids-Epidemie in Schweden. Ältere Homosexuelle würden in gewöhnlichen Altersheimen von Altersgenossen ausgegrenzt und diskriminiert. Schwule, Lesben und Transsexuelle, die in den 1930er- bis 1950er-Jahren geboren wurden, haben ihr Leben lang genug um Toleranz kämpfen müssen. Gerade gesundheitlich schwächer werdende Menschen brauchen das Gefühl von Geborgenheit und Gemeinschaft", erklärt Fällman.
Mit Hitler sympathisiert
Integrationsexperten geben ihm recht. Konservative Rentner, die in einer ganz anderen Zeit sozialisiert wurden und oft offen mit Adolf Hitler und dessen Rassenpolitik und Einstellung zur Homosexualität sympathisiert hatten, könne man im hohen Alter kaum noch belehren.
Das sieht auch der 56-jährige Schwule Bosse Andersson so. "Ich kann mir gut vorstellen, in einem solchen Heim zu wohnen, wenn es denn einmal Zeit ist dafür. Es macht keinen Sinn für einen Schwulen, in ein Heim zu ziehen, in dem nur alte Nazis untergebracht sind", sagt er.
Doch auch im Stadtteil Vasastan sind die Homosexuellen nicht unbedingt willkommen. Einige Senioren, die bereits im Gebäudekomplex wohnen, in dem das Altersheim "Regenbogen" entstehen soll, haben ihrem Unmut Luft gemacht. "Diese Leute wollen wir nicht hier haben", sagt ein 70-jähriger Bewohner. (Andre Anwar aus Stockholm, DER STANDARD, 17./18.3.2012)
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individualisierten Gesellschaft. Privat organisiert ist das zweifellos eine gute Sache, auch wenn mich selber so eine Einsortierung eher abstoßen würde. Ich will dann wohl sowohl möglich weiterhin meine Privatsphäre, meine Ruhe, meine Würde, meine gewohnten Sachen, meinen üblichen Tagesrhythmus - wer sich jenseits der Wand aufhält und was er/sie für sexuelle, religiöse Präferenzen hatte, als er auch noch kein hilfloses Häufchen Elend war, ist mir dagegen sicher herzlich egal. Generell haben die meisten öffentlichen Altersheime (die schwedischen kenne ich freilich nicht) und ihre Insassen ganz andere und dringendere Probleme, da liegt trotz ständigen Fortschritten immer noch sehr viel im Argen.
Stimmt schon was du sagst, auf der anderen seite geht auch die öffentliche Hand nach dem simplen prinzip der Nachfrage. Also wenns genug alte gibt die sich so kategorisieren lassen wollen dann spricht auch nix gegen ein derartiges angebot.
Wir leben halt in dem undankbaren zeitalter der erkenntnis wo man erst die unterschiede herausheben muss bevor man wieder alles zusammenmischen kann.
Sexualität und Gesellschaftspolitik eher nicht. Dieses Thema wird an Wichtigkeit in Zukunft wohl vorrangig werden. Die Zeiten, wo man v.a. in niedrigeren sozialen Schichten relativ jung und rüstig ins Altersheim ging, nach einem Leben harter körperlicher Arbeit als Holzknecht etc., sind ja vorbei (vornehm-exklusive Seniorenstifte sind wieder ein anderes Thema). Dass man heute meist so spät wie möglich geht, als eher kurze Zwischenstation zur Vollpflegebedürftigkeit (man kann noch selber essen, aber nicht mehr kochen, evtl. nicht einmal mehr das Essen auf Rädern erwärmen) hat sicher auch mit diesem Bedürfnis nach Selbstbestimmung, Individualität bis zuletzt zu tun, dem die Heime zum Glück langsam, auch baulich, immer mehr Rechnung tragen.
Ich will es ja nicht grundsätzlich ablehnen, sondern nur zur Debatte stellen - wenn das wie hier über eine BürgerInneninitiative angeleiert wird, kann die Kommune etc. sicher mit Recht darauf als einen Bedarf reagieren, aber standardmäßig anbieten, nach vorgegebenen Kriterien, das wäre wohl heikel. Das konkrete Diskriminierungsthema sollte allerdings nur ein Übergangsphänomen sein, wenn die heute jungen Generationen alt sind, wird das ja (hoffentlich!) nicht mehr so nötig sein - als reine Lifestyle-Variante wäre es, öffentlich finanziert, mE eher überflüssig, das kann man privat organisieren.
Ja, ja, schnell noch eine Umerziehungsmaßnahme kurz vor dem Tod. Das bringt's und funktioniert auch super.
Diese Kritiker halte ich genauso für Trollvotteln wie solche, die alte Trinker auf Alkoholentzug setzen wollen.
Die Mentalitätsunterschiede sind grösser, als man sich vorstellen kann. Nach ueber 3 Jahren hab ich noch nicht alles hier durchschaut, aber die Unterschiede sind oft ueberraschend.
Es gibt auch positive Dinge in Ö, die hier in Schweden nie oder nur sehr spät gehen. und SOOOO offen wie alle glauben, dass die Schweden seien (das glauben sie ueberigens selber auch), sind sie bei weitem nicht.
Ich frage mich sowieso schon länger, wieso alle Welt dieses extrem positive Bild von Schweden hat und v.a. wie sie es schaffen, dieses Bild im Zeitalter der Vernetzung so konsequent aufrecht zu erhalten. Wenn man nur ein bisschen an der Oberfläche kratzt, kommen gar grausliche Dinge zum Vorschein. Wie ueberall.
ja das muss man den schweden lassen, ihr land haben sie weltweit exzellent vermarktet. aber ansonsten decken sich meine erfahrungen auch mit ihren.
und zum thema lqbt kann ich nur sagen, dass es in malmö etwa keine regenbogenparade mehr gibt oder dass sie dort kaum sich offen homosexuell zeigende menschen auf der straße finden werden. die zeiten sind vorbei!
"Stockholm plant erstes Altersheim für Homo- und Transsexuelle"
Gibt schon in NY:
http://newsinfo.inquirer.net/155339/ne... ens-center
http://news.yahoo.com/york-open... 44311.html
christopher rice debattierte kürzlich mit seinen facebookianern über gay-hotels in new york. ich habe sie nicht wirklich mitverfolgt, mir kommts seltsam vor.
aber andererseits gibts auch familienfreundliche hotels. heißt das allerdings, dass andere, die nicht damit werben, familienfeindlich oder kinderphob sind?
kA. wenn eine nachfrage da ist, wird sie halt auch befriedigt.
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