Korruption kostet Österreich 27 Milliarden

  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

Bestechung hemmt das Wirtschaftswachstum erheblich, so Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider. Die Korruption in Österreich steigt

Wien - Korruption steht in Österreich immer noch auf der Tagesordnung und nimmt sogar zu, sagen Experten. Bestechung und Vorteilsannahme fügen der heimischen Wirtschaft 2012 voraussichtlich einen Schaden in Höhe von 27 Milliarden Euro - im Vorjahr belief sich der Wert auf 26 Milliarden Euro, 2010 auf 25 Milliarden Euro, geht aus einer Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität Linz hervor. "Korruption hemmt das Wirtschaftswachstum erheblich."

Ein Anstieg des Korruptionsindexes um einen Indexpunkt reduziere das Wachstum in OECD-Ländern um 1,25 Prozentpunkte. Der Abbau der Steuerbelastung und die Verbesserung des institutionellen Umfeldes könnten Korruption und Schwarzarbeit eindämmen. Die illegalen Geldflüsse werden stark durch das institutionelle und internationale Umfeld (Finanz- und Weltwirtschaftskrise) beeinflusst: Demokratien seien durchschnittlich weniger korrupt als Diktaturen, und Regierungen mit längerer Amtszeit werden tendenziell korrupter. Demgegenüber beschränkt die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze die Korruption.

Österreich schrumpft sein BIP

Dem Index CPI zufolge, den die Organisation Transparency International erstellt, verstärkte sich der Fluss von Schmiergeldern hierzulande im abgelaufenen Jahr von 7,9 auf 7,8 Indexpunkte und wird dies auch heuer weiter tun (7,7 Punkte). "Je höher der Index desto geringer die Korruption", erklärt Schneider. Österreich rangierte dem jüngsten veröffentlichten Korruptionsindex zufolge im Vorjahr auf Platz 16 der am wenigsten korrupten Staaten weltweit - nach Platz 15 im Jahr davor. Die Republik hat bei der Korruptionsbekämpfung gehörigen Aufholbedarf (mehr von OECD-Korruptionsexperten Mark Pieth im derStandard.at-Interview)

Gäbe es keine Korruption, wäre das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2011 um 26 Milliarden Euro höher gewesen. "Gelänge es, die Korruption in Österreich auf das Ausmaß in der Schweiz 2011 zu reduzieren (CPI-Index: 8,8, Rang 8), dann könnte der volkswirtschaftliche Schaden für Österreich um sechs Milliarden Euro verringert werden", hält Schneider fest. In Deutschland sank der Schaden infolge von Korruption 2011 im Jahresabstand von 261 Milliarden auf 250 Milliarden Euro (CPI-Wert: 8,0, Rang 14) und soll heuer auf dem gleichen Wert verharren.

Korruption vergrault ehrliche Firmen

Eine wesentliche Ursache des Schadens infolge von Korruption ist der Studie zufolge vor allem die verminderte Produktivität der Volkswirtschaft. Viele Firmen scheiden aus, die wegen der Bestechungsaktivitäten ihrer Konkurrenten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge nicht zum Zug kommen. Eine weitere Folge sind geringere Investitionen und ein geringeres Wachstum der Volkswirtschaft. Zudem verlassen oft gut Ausgebildete und Spezialisten das Land, wenn die Arbeitsbedingungen nicht mehr attraktiv sind. Korruption verringert auch die Steuereinnahmen. Durch zunehmende Bestechlichkeit verschlechtert sich die Qualität staatlicher Institutionen.

Der Schaden, den Bestechungszahlungen in Österreich und Deutschland anrichten, ist beträchtlich, heißt es in der Studie weiters. Es wäre ein "lohnendes Politikerunterfangen, die Korruption in beiden Ländern zu verringern". Gute Voraussetzungen dafür wären "Good Governance", strenge Gesetzte sowie deren Durchsetzung und ein vorbildliches Verhalten des Staates. (APA/red, 16.3.2012)

Share if you care