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Im Idealfall gibt es beim Franchising nur Profiteure.
Elisabeth Zehetner, Geschäftsführerin des Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), versteht, wieso sich immer mehr Jungunternehmer für ein Franchisemodell entscheiden: "Franchisesysteme ermöglichen eine Unternehmerkarriere auf Basis eines bereits erfolgreichen und in der Praxis bewährten Konzepts. Deshalb ist es für viele eine attraktive Form der Selbstständigkeit, gerade in schwierigen Zeiten."
Stefan Hausharter hat diesen Sprung in die Selbstständigkeit schon 1999 gewagt. Der Kärntner besitzt ein Kartenbüro in der Salzburger Altstadt. Seine Neugier auf neue Geschäftsideen ist dennoch ungebrochen. Zufällig stößt er 2007 auf das Waldviertler Unternehmen Sonnentor, das sich auf den Handel mit Kräutern und Gewürzen spezialisiert hat. Eine Kooperation mit Firmengründer Johannes Guttmann kann er sich nach dem ersten Kennenlernen gut vorstellen. Der will seine Bioprodukte auch über Franchising vertreiben. Nachdem die ersten beiden Franchisegeschäfte schon eröffnet sind, ist Salzburg für ihn als Standort durchaus attraktiv.
Hausharter wiederum kommt dieses "völlig andere unternehmerische Konzept" sehr entgegen: "Ich habe für mich einen großen Vorteil darin gesehen, das Rad nicht wieder neu erfinden zu müssen, sondern vom Start weg mit der Erfahrung meines Franchisegebers rechnen zu können. Nicht alles selber machen zu müssen, sondern das unternehmerische Konzept quasi vorgekaut serviert zu bekommen, das kam mir sehr gelegen."
Im Idealfall profitieren beide Seiten gleichermaßen von dem Modell. Der Franchisegeber kann rasch expandieren, ohne seinen Kapitaleinsatz erhöhen zu müssen. So bleibt sein wirtschaftliches Risiko gering. Franchisenehmer hingegen sehen im Franchising eine relativ sichere Alternative, ihren Wunsch nach Selbstständigkeit erfolgreich zu realisieren. Das Gefühl, einen starken Partner und eine renommierte Marke im Rücken zu haben, lässt mögliche Hemmschwellen leichter überspringen.
Angebot nützen
Derzeit gibt es rund 4500 Franchisebetriebe in Österreich, die etwa 32. 000 Mitarbeiter beschäftigen, Tendenz steigend. Die WKO sowie viele andere Organisationen unterstützen diese Dynamik und bieten Serviceleistungen und eigene Franchisebörsen an. Dieses Anbot sollte man unbedingt nützen, denn akribische Vorbereitung und professionelle Beratung seien unverzichtbar, so Dieter Duftner, Geschäftsführer der FranchiseCurator GmbH, eines Tiroler Beratungsunternehmens, das sich auf Franchising konzentriert. Denn so verlockend die Aussichten auf das eigenen Unternehmertum gleich einmal klingen mögen, Vorsicht sei allemal geboten: "Die Gründung einer eigenen Existenz - auch im Rahmen von Franchising - ist ein Schritt mit weitreichenden Folgen und muss gründlich überlegt werden."
Das scheint nicht immer der Fall zu sein. Immer wieder werde der Abschluss eines Franchisevertrags übereilt, konstatiert auch Alexander Petsche, Rechtsanwalt bei Baker McKenzie: "Ich habe oft das Gefühl, dass sich die künftigen Partner nicht genügend Zeit genommen haben, um herauszufinden, ob sie dieselben Ziele verfolgen. Deshalb gilt: Je mehr man über den anderen in Erfahrung bringt, desto aussichtsreicher ist auch die künftige Zusammenarbeit."
Auch Waltraud Martius, Beraterin bei Syncon International Franchise Consultants, beobachtet, dass vor allem Franchisenehmer immer wieder blauäugig an den Start gehen: "Ein Franchisenehmer, der glaubt, er kauft sich ein erfolgreiches Konzept und die Sache hat sich, wird scheitern. Wer nicht unternehmerisch denkt, selbstständig agiert und hart arbeitet, wird auch in einem Franchisemodell keinen Erfolg haben." Frust und Auseinandersetzungen mit dem Geschäftspartner sind die Folge. Aber auch der beste Franchisegeber könne die Defizite eines Franchisenehmers nicht kompensieren, so Martius: "Das ist wie einem Supermarkt. Der Franchisegeber bietet alle Zutaten. Aber etwas Gutes kochen, muss dann doch der Franchisenehmer selbst." (Judith Hecht, DER STANDARD, 17./18.3.2012)
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