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Davie Servan-Schreiber: Man sagt sich mehr als einmal lebewohl. Kunstmann 2012, 150 S., 15,40 Euro
Es ist eine Art "letztes Kapitel", das der französische Psychiater David Servan-Schreiber in diesem schmalen Bändchen vorlegt. Als Sachbuchautor hat er mit insgesamt zwei Werken Furore gemacht: Die neue Medizin der Emotionen und Das Anti-Krebs-Buch wurden zu Bestsellern, weil sie Menschen, die mit der Diagnose Krebs leben lernen mussten, das Gefühl zurückgaben, der Krankheit nicht ausgeliefert zu sein, selbst etwas zur Gesundung beitragen zu können. Sein Credo: Nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch Ernährung, Bewegung und Meditation sind förderlich für die Genesung. Seinen ganzheitlichen Ansatz belegte er, indem er unzählige Studien zusammentrug und verständlich erklärte. Lebensstil, so der Grundtenor, ist keine Bagatelle, sondern die große Hauptsache im Leben. Profitiert haben nicht nur seine Leser, sondern auch er selbst. Mit 31 Jahren wurde bei ihm ein bösartiger Gehirntumor diagnostiziert, nach Operation und Chemotherapie war er selbst das beste Beispiel für die Relevanz seiner Theorien.
Vergangenen Juli hat Servan-Schreiber dann den Kampf gegen seine Erkrankung doch verloren. Im vorliegenden Band beschreibt er die Zeit, in der er damit zurechtkommen musste. Es ist der Rückblick auf ein engagiertes Leben. Er tut das zwar in schonungsloser Offenheit, aber trotzdem mit viel Vorsicht und Behutsamkeit. Dabei meistert er einen schwierigen Spagat, denn zum einen begleitete der Psychiater in seiner Laufbahn selbst unzählige Patienten, jetzt begleitet er sich quasi selbst. Insofern ist die Lektüre auch ein Reise in unbekanntes, tabuisiertes Terrain. Da gibt es Träume, Ängste, aber auch Strategien dagegen. "Gut sterben wollen", das war Servan-Schreibers erklärtes Ziel. Wie ihm sein Bruder Émile im Nachwort bescheinigt, ist ihm das auch gelungen. Er hat seiner bösartigen Erkrankung 19 weitere, gute Lebensjahre abgerungen, er hat Menschen rund um den Erdball Mut gemacht und für sich selbst eine befreiende Gelassenheit entdeckt. Gut, wer keine Scheu hat, sie mitten im Leben entdecken zu wollen. Das Leben hat ja noch kein Mensch überlebt. (Karin Pollack, DER STANDARD, 19.3.2012)
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