Saint Patrick

Conrad Seidl über die Kunst der Guinness-Brauerei, sich im Gespräch zu halten

Was Werbung betrifft, war Guinness schon immer gut. "Guinness is good for you", der legendäre Slogan aus dem Jahr 1929 wird immer noch brav zitiert, obwohl der irische Brauer sich in seiner eigenen Werbung längst strikt gesetzeskonform aller Aussagen enthält, die allfällige positive Gesundheitswirkung alkoholischer Getränke nahelegen.

Aber wenn man einmal einen Platz in der Vorstellungswelt der Konsumenten besetzt hat, dann gehört einem dieser Platz auf sehr, sehr lange Zeit. Das macht den eigentlichen Erfolg des Bieres von der grünen Insel aus. Es mag für Biertrinker, die Lagerbier gewohnt sind, ungewohnt harsch schmecken - der Geschmack von gerösteter Gerste und Bitterhopfen ist ja gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig ist Guinness bei weitem nicht das intensivst schmeckende Stoutbier - Feinspitze werden zu kräftigeren Stouts greifen.

Aber nicht am 17. März. Das ist der Saint Patrick's Day, der Feiertag des irischen Nationalheiligen. Wie selbstverständlich ist es Guinness gelungen, diesen Feiertag als Marke zu besetzen. Überlieferungen zufolge soll Patrick die drei Blätter eines Kleeblatts benutzt haben, um die christliche Heilige Dreifaltigkeit bildhaft zu erklären: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Aus dieser Tradition heraus tragen Anhänger des St. Patrick's Day heutzutage ein Kleeblatt. Und in den Irish Pubs wird beim letzten Zapfvorgang ein Shamrock in den Schaum des Guinness gezeichnet. Fromme Legende? Gutes Marketing, jedenfalls!

Friendliest Day Of The Year

Denn ursprünglich war in Irland am St. Patrick's Day der Ausschank von Alkohol überhaupt verboten - das galt bis 1960. Erst ab 1988 durften Pubs schließlich ganztägig am St. Patrick's Day geöffnet haben. Gute Story - Guinness weiß sie zu erzählen.

Und es versucht einen Weltrekord: Der 17. März, heuer ein Samstag, soll zum "Friendliest Day Of The Year" werden, indem in allen Irish Pubs der Welt mehr oder weniger gleichzeitig eine Party gefeiert wird. Dafür gibt es jede Menge Promotionmaterial - vom ebenso albernen wie gerne getragenen Hut in Form eines Pintglases über T-Shirts, Luftballons, Poster bis zu grüner Farbe, die auf alles angewendet wird, was nicht ohnehin schwarz wie das Guinness ist.

Das soll die fröhlichste und größte Party der Welt ergeben. Wer das feststellen kann? Nun: Rekordversuche werden bekanntlich in einem "Book of Records" verzeichnet. Herausgeber: Guinness. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 16.03.2012)

Share if you care