Die Abrechnung des Mister Smith

Die öffentliche Schelte eines Ex-Mitarbeiters der Investmentbank Goldman Sachs sorgt für heftigen Wirbel

Wohin die Reise geht, steht noch nicht fest. Sicher ist nur: Greg Smith hat etwas losgetreten. In einem Beitrag in der "New York Times" hatte sich der 33-Jährige darüber ausgelassen, wie bei der Investmentbank Goldman Sachs Geschäfte gemacht würden. Smith arbeitete zwölf Jahre bei Goldman. Sein Beitrag, der zugleich sein Kündigungsschreiben war, erschien am Mittwoch.

Am Donnerstag fand sich Smiths Bild bereits auf Titelseiten zahlreicher US-Zeitungen. Es gab kaum eine Nachrichtensendung, in der sein Name nicht fiel. In Talkshows wurde über seine Kritik diskutiert und zahllose Politiker lobten ihn für seine Worte. Der prominente demokratische Abgeordnete Elijah Cummings sah in Smiths Kritik gar den Beleg dafür, dass Goldman "nichts aus der Krise gelernt hat". Dabei ist die ganze Aufregung rund um Smiths Brief auf den ersten Blick verwunderlich.

Nicht am Kundenerfolg interessiert

Der Exbanker beklagte sich in der "Times" darüber, dass Goldman nicht am Erfolg der Kunden interessiert sei, für die man die Gelder verwalte. Stattdessen gehe es der Bank nur um den eigenen Profit. Wer es als Mitarbeiter bei Goldman zu etwas bringen wolle, müsse Kunden dazu bringen, Aktien zu kaufen, die Goldman aus dem eigenen Portfolio loswerden möchte, schrieb Smith. Investoren würden hinter ihrem Rücken als "Deppen" bezeichnet werden, Smith sprach von einer "kaltschnäuzigen" Abzocke.

Diese Kritik klingt hart, ist aber nicht neu: Goldman wurde lange vor Ausbruch der Finanzkrise vorgeworfen, intransparent mit den Geldern von Investoren zu agieren. Ein Spitzname des Konzerns bei Analysten lautete daher "black box".

Immer wiede wurde der Konzern zudem wegen dubioser Geschäftspraktiken zu Strafen verurteilt. Der prominenteste Fall betraf den Umgang mit Kundengeldern. Im Juli 2011 musste sich Goldman mit der US-Wertpapieraufsicht SEC auf einen Vergleich zur Beilegung von Betrugsvorwürfen einigen. Goldman zahlte 500 Millionen Dollar (380 Mio. Euro) Entschädigung. Im Zentrum der Affäre stand, dass Goldman Hypothekenpapiere verkaufte, während die Bank zeitgleich mit Hedgefonds Wetten auf den Preisverfall dieser Papiere einfädelte. Davon wussten die involvierten Investoren freilich nichts.

Bedenkliche Geschäftspraktikten

Ex-Banker Smith wirft Goldman keine widerrechtlichen Handlungen vor und die Kunden, von denen er spricht, waren keine kleinen Fische. Smith betreute nach eigenen Angaben zwei der größten Hedgefonds der Welt und mehrere große Staatsfonds aus dem arabischen Raum. Doch immerhin ist es diesmal ein Insider, der über bedenkliche Geschäftspraktiken auspackt. Zudem haben viele Amerikaner nicht vergessen, dass Goldman in der Krise mit zehn Milliarden Dollar gerettet wurde.

Goldman wandelte sich 2008 von einem Wertpapierunternehmen zu einer Bank, um an billige Kredite der Notenbank zu kommen. Auch das sorgte für Wirbel, denn das klassische Bankgeschäft mit Einlagen spielt bei Goldman keine Rolle. Smiths Wortmeldungen sind für viele der Beleg dafür, dass sich die umstrittenen Geschäftspraktiken an der Wall Street nicht geändert haben. Der frühere Chef der US-Notenbank, Paul Volcker, meinte am Mittwoch, Goldmans Geschäftsmethoden hätten sich in den vergangenen zehn Jahren zum Schlimmeren gewendet.

Der Ex-Boss des notverstaatlichten Versicherungskonzerns AIG, Hank Greenberg, spricht von einer miserabler Unternehmenskultur in der Bank. Das Geldhaus befände sich in unauflösbaren Interessenkonflikten mit seinen Kunden.Auch bei aktiven Bankern sorgt Smiths Brief für Wirbel. Jamie Dimo, Chef von JP Morgan, warnte seine Mitarbeiter in einem Memo davor, sich am Banken-Bashing öffentlich zu beteiligen. (szi, DER STANDARD, 16.3.2012)

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So what?

JEDER Verkäufer dreht seinen Kunden das Produkt mit dem größten Deckungsbeitrag an - weil der erfolgsabhängige Teil seines Einkommens (sehr wahrscheinlich) davon abhängt. Man kann durchaus diskutieren, ob das moralisch in Ordnung ist, aber dann bitte nicht auf Investmentbanken beschränkt. Das ist kein Goldman Sachs "Problem".

Wie das "andere Fern-Seh-Programm" (FS3) berichtete,…

…gibt es zur Zeit eine auffällige Häufung von Rücktritten im globalen Bankensektor:

http://derstandard.at/plink/133... 3/25060020

Während es aber vorigen Monat "nur" 81 hochrangige Execs auf die Liste der Site "amerikankabuki" schafften, halten wir nun bereits bei…

…358!

Wie alles im Bereich Finanzschemen und anderer Krankheiten stellt sich offensichtlich auch hier ein exponentielles Wachstum ein!

http://americankabuki.blogspot.com/p/131-res... banks.html



War on 'error, Folge 358: "Von Kanalmausis und sonstigen Schiffen"

Diese Zahl ist tatsächlich ziemlich signifikant:

Aber nun zur Preisfrage:
Was geht hier vor???

Aktuelle sind es bereits +450, welche die sinkenden Schiffe bereits verlassen haben…

…Investmentbanker, Weltbanker und sonstige Geldverleiher sind offenbar kein gefragtes Berufsbild mit Zukunft…

was ist daran jetzt neu?

das ist, auch in Österreich, schon immer so gewesen.

Der Betreuer in der Bank rät dir das zu kaufen, was Ihm seine Bank vorschreibt, das verkauft werden soll. (Wie jeder Autoverkäufer,...).

Lustigerweise wollen das die Kunden nicht wahr haben. Dabei liegt auf der Hand, dass die Berater keine Experten Ihres Fachs sein können ... sonst würden sie nicht in der Filiale rumsitzen sondern reich von zu Hause selbst "brokern"

für alle besonders kritischen Geister...

... hier geht es um einen Mitarbeiter, der GS vorwirft dass die Bank nicht alles für ihre Kunden herausholt, sondern primär auf den eigenen Ertrag schaut.

Wer sind die Kunden? Global agierende Hedgefunds, institutionelle Investoren, Ultra high networth individuals (UHNWIs), etc.

Es geht also darum dass der Mitarbeiter vorgibt GS zu verlassen, weil die Kapitalgeber und Investoren (noch) mehr Ertrag machen könnten, GS jedoch primär auf die eigene Ertragsrechnung achtet.

Köstlich wie alle Poster sich reflexartig gegen Goldman wenden, denn man muss ja diese Umtriebe unbedingt abstellen und darauf achten dass Hedgefunds und UHNWIs noch mehr Kohle machen...

Natürlich haben G+S aus der Krise gelernt. Nämlich wie man noch mehr Geld abzockt, das einem von Staat, Notenbank und Kunden hinterhergeworfen wird.
Dagegen helfen nur Gesetzesänderungen.

mich fasziniert, wie kurz der text von greg smith ist.

Why I Am Leaving Goldman Sachs, schon fast alles im titel gesagt.

http://www.nytimes.com/2012/03/1... wanted=all

umso länger die generierte debatte: http://www.nytimes.com/roomforde... street/?hp

wirklich gut! danke für den link!

erinnert an den Film...

Mr. Smith geht nach Washington......

bitte mehr....
SB

Viele Unternehmen behandeln ihre Kunden ...

... als "Deppen", auch wenn es nicht alle so plakativ machen wie Billa, deren Kunden offensichtlich auf einen ausgelagerten "Hausverstand" angewiesen sind.

Viel irritierende finde ich den Umstand, dass ein Unternehmen offensichtlich gar nicht in genug Betrügereien verwickelt sein kann, um endgültig liquidiert zu werden. Lauter bedauerliche Einzelfälle unter den MitarbeiterInnen.

schön.

wir haben eine schlagzeile.
und?
was wird passieren?
hat auch nur ein hedgefonds deswegen geld abgezogen?
hat auch nur ein investor auf die auflösung der verträge gepocht?

warum auch?
DIE liegen in der sozialen hängematte, welche bürgerliche parteien anderen vorwerfen. denn de facto können sie machen was sie wollen. sie sind "too big to fail" -> so what !?

Europa, USA dann der Rest der Welt

Europa hat seine Schulden sozialisiert (Vertrag wird im Juni unterzeichnet ESM), nun kommt die USA dran, damit das Geld dort bleibt wo es hingehoert. (reich zu reich, arm zu arm)

klar, dass sie es ärger treiben als je zuvor.

vor der finanzkrise gab´s die kleine unsicherheit, was passieren würde, wenn was passiert.
nun gibt´s die gewissheit, dass in jedem fall und unter allen umständen immer wieder der dumme staat/steuerzahler für alles gerade steht. mit diesem wissen zock es sich doch gleich nochmal so unbeschwert.

Der Staat soll Banken nicht retten, sondern Gesetze erlassen, die solches Vorgehen unter Strafe stellen.

An die Lerfähigkeit oder - beretischaft der (Investment) Banken zu appellieren ist naiv. Xie serden alle Grenzen maximal ausreizen. Nie wieder soll mit Steuergeldern eine Spekulsntenbank gerettet werden!

Wieso sollten die ihre Geschäftspraktiken ändern?

Aus der Krise hat GS gelernt, dass für etwaige Verluste der Steuerzahler aufkommt. Die "Bank" kann also nur gewinnen, oder im schlimmsten Fall ihren Verlust ersetzt bekommen. Anreize bei so einer Situation die Geschäftspraktiken zu ändern gibt es kaum welche.

Mich würde interessieren,...

.....was die Herren Rick Santorum, Newt Gingrich und Mitt Romney dazu sagen, privat, unter sich, meine ich. Aber schon ein öffentliches TV-Statement wäre schon aufschlußreich (stotterstotterstotter). Die Kriege der Zukunft werden Bürgerkriege sein. Wenn nicht, werden sich meine Kinder und Enkel freuen.

Was soll man von denen in dieser Hinsicht schon erwarten? Obama hält sich ja auch vornehm zurück ...

genau diese mentalität (kunden sind idioten, man muss den kunden den eigenen ramsch verkaufen) beschreibt michael lewis in seinem buch "liar's poker" bzw. "wallstreet poker" sehr genau. er hat das als anleihenhändler genau so praktiziert. das buch stammt übrigens, überraschung, aus dem jahr 1989 (!!!).

um es in der äußert blumigen investmentbakersprache auszudrücken: diese leute gehören reguliert bis es wehtut - nämlich mit einer leine die man an ihren eiern festmacht!

wie wäre es mal mit einem organisierten Bankenrun

wir alle hätten die Macht das ganze Kartenhaus zum Einsturz zu bringen.
Man könnte eine Facebook Aktion starten und das ganze leidige Spiel hätte schlagartig ein Ende.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Was die Mächtigen von den Ohnmächtigen unterscheidet ist, dass die Mächtigen wissen, wie feige die Ohnmächtigen sind und deshalb lachen sie sie aus.

Weil die Reichen ihr Vermögen wo haben, wo sowieso keiner rankommt, während die Normalbürger, wenn sie ihr auf der Bank eingelegtes Geld verlieren, vielleicht bankrott sind. Deshalb sind die Kleinbürger "feige".

wäre aber ein ende mit einem sehr langen und sehr schmerzhaften schrecken

aber ja, wir hatten ja schon zu lange keinen ordentlichen (bürger-) krieg mehr in europa...

Ja ich befürchte dass sie leider recht haben!

Wie könnte man so etwas vorbereiten dass es eben nicht im Bürgerkrieg endet?
Sieht irgendjemand da eine Möglichkeit?
Es muss doch in einer Aufgeklärten Welt eine Möglichkeit geben oder sehe ich das zu naiv?
Weil einen Bürgerkrieg wünscht sich wahrlich niemand.

Wetten auf Preisverfall

auf einen Preisverfall zu Wetten gehört verboten !!!

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