"Ein cooles Finale, egal, wie es ausgeht"

  • Das Podest: Pinturault, Innerhofer, Hirscher.
    foto: apa/schlager

    Das Podest: Pinturault, Innerhofer, Hirscher.

Marcel Hirscher wird im Super-G Dritter, Beat Feuz scheidet aus. Das Rennen gewinnt Innerhofer, die dazu passende Kugel Svindal

Schladming - Neuerliche Wendung im Wettstreit um den Gesamtweltcup. Am Mittwoch noch hatte es bestens ausgeschaut für Beat Feuz, seit Donnerstag schaut es ganz gut aus für Marcel Hirscher. Bloß um sechs Hundertstel einer Sekunde verpasste der Salzburger in seinem erst vierten Super-G in der Eliteliga den Sieg, den sich der amtierende Weltmeister Christof Innerhofer (27) aus Südtirol nahm, zwei Hundertstel vor dem aufstrebenden Franzosen Alexis Pinturault, der am Dienstag 21 Jahre alt wird.

Die einschlägige Kristallkugel nahm sich zum dritten Mal der norwegische Olympiasieger Aksel Lund Svindal (29), obwohl der Abfahrtssieger auf der Planai im Super-G als 16. die Punkteränge verpasste. Sein großer Gegenspieler Didier Cuche (37) wurde nur Neunter. Im Riesenslalom am Samstag tritt der Schweizer zum letzten Mal auf.

"Passt, das taugt mir extrem. Ich habe eine Riesenfreude damit, was heute passiert ist. Viele Leute haben ja nicht damit gerechnet", kommentiert Hirscher, der offenbar selbst auch nicht mit dem Spitzenplatz spekuliert hat. "Ich hätte einen Haufen Geld verloren, wenn ich auf mich gewettet hätte." Hirscher kam auch zugute, dass der Lauf eher mit dem Riesenslalom als mit der Abfahrt verwandt war. Und er spricht vom Riesenglück, dass ihm das Los die Startnummer zwei beschert hatte.

"Das war befreites Skifahren. Ich wollte das Gelände im Hinblick auf den Riesenslalom kennenlernen und schauen, was geht. Ein cooles Finale, ganz egal, wie es ausgeht", sagt Hirscher, der aber nach wie vor den Vorteil bei seinem Rivalen Beat Feuz sieht, der im Super-G ausrutschte. "Jetzt bin ich im Hintertreffen, und Marcel ist im Vorteil", meint hingegen Feuz, der tags zuvor einen Propheten gegeben hatte: "Marcel kann im Super-G unter die Top Ten fahren und ich rausfliegen."

75 Punkte Vorsprung besitzt der 25-jährige Schweizer auf den 23-jährigen Salzburger. Zwei Rennen stehen noch aus, der Riesenslalom am Samstag und der Slalom am Sonntag. Bei seinem Polster könne sich Feuz fast sicher sein, behauptet Hirscher, aber eben nur fast. "Er hat sein Ding gemacht. Ich muss volles Risiko gehen. Aber wenn ich am Ende Zweiter werde, habe ich auch eine gute Saison gehabt, und die Welt wird sich weiterdrehen."

Der achtfache Saisonsieger Hirscher benötigt mindestens einen zweiten Platz, um Feuz in der Gesamtwertung zu überholen. Und mehr, falls dieser im Riesenslalom punktet, was ihm Hirscher durchaus zutraut. Hirscher besitzt zudem die Chance auf zwei kleine Kristallkugeln. Im Riesenslalom hat er 92 Punkte Vorsprung auf den US-amerikanischen Titelverteidiger Ted Ligety und im Slalom als Zweiter 50 Punkte Rückstand auf den kroatischen Titelverteidiger Ivica Kostelic.

Chefin Lindsey Vonn verpasste am Donnerstag die Chance, den 2000-Punkte-Rekord von Hermann Maier zu knacken. Nach einem groben Fehler landete sie im finalen Super-G auf Rang sechs. Die deutsche Riesenslalom-Spezialistin Viktoria Rebensburg siegte erstmals in dieser Übung, Anna Fenninger wurde Vierte. Vonn gewann dennoch die einschlägige Kugel, es handelt sich um die 16. in ihrer Sammlung. Im Gesamtweltcup, der längst zum vierten Mal ihr gehört, hält sie bei 1948 Punkten. Zwei Gelegenheiten hat sie noch. Die Damen fahren den Slalom am Samstag und den Riesenslalom am Sonntag.

Am Freitag wird ein Teambewerb gegeben. Der zählt nur zum Nationencup, den die Unsrigen seit 1990 ausnahmslos zu gewinnen pflegen und auch in dieser Saison längst in der Tasche haben. Für Österreich starten Michaela Kirchgasser, Stefanie Köhle, Eva-Maria Brem, Philipp Schörghofer, Marcel Mathis und Max Franz.

"Den Teambewerb muss ich leider auslassen", sagt Hirscher, "ich muss ja noch Riesenslalom üben." (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 16.3.2012)

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