Industriellenvereinigung legt Plan für Gesundheitsreform vor

15. März 2012, 08:58

Unterstützung für einheitliche Steuerung und Finanzierung - Für Stärkung des Hausarztes - Für finanzielle Anreize zur Prävention

Wien - Die Industriellenvereinigung (IV) hat sich mit einem eigenen Konzept in die Debatte um die geplante Spitals- und Gesundheitsreform eingeschaltet. In dem von Experten der IV erarbeiteten Papier wird das von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) geforderte bundeseinheitliche Spitalsgesetz ebenso befürwortet wie die angestrebte gemeinsame Steuerung und Finanzierung des Spitals- und des niedergelassenen Bereichs. Ebenso wie die Ärztekammer will auch die IV die Rolle des Hausarztes aufwerten, und für gesundheitsbewusstes Verhalten des Einzelnen soll es finanzielle Anreize geben.

"Ein bundesweit einheitliches Krankenanstaltengesetz soll die Rahmenbedingungen für eine effiziente und treffsichere Steuerung des Gesundheitssystems optimieren; d.h. Gesetzgebung auf Bundesebene, Vollziehung auf Landesebene", unterstützt die IV in ihrem am Mittwochabend vorgelegten Papier die Pläne Stögers. Die Planung soll bundeseinheitlich, länderübergreifend verbindlich und nach einem objektiv festgestellten Bedarf erfolgen.

Die Mittel für die Spitalsfinanzierung sollen nach den Vorstellungen der Industrie gebündelt und nach einheitlich festgelegten Kriterien ausgeschüttet und somit eine "Finanzierung aus einer Hand" realisiert werden. Eine klarere Trennung zwischen Finanzier und Betreiber von Spitälern wäre dabei eine wichtige Voraussetzung für positive finanzielle Wirkungen. Um die Kostensteigerungen im Spitalsbereich zu dämpfen, will die IV ebenso wie Stöger einen Kostendämpfungspfad implementieren, wobei finanzielle Mittel ebenso wie bei den Krankenkassen erst nach Erreichung von vereinbarten Finanzzielen ausgeschüttet werden sollen. Die IV verweist darauf, dass durch die gemeinsame Planung und Steuerung aufwendige Parallelstrukturen überwunden und die Gesundheitsleistungen jeweils auf der richtigen Versorgungsebene (Hausarzt, Facharzt, Ambulanz, Spital) erbracht werden könnten.

Rolle des Hausarztes stärken

Um das Ziel einer optimalen Steuerung zu erreichen, will die Industrie ähnlich wie die Ärztekammer die Rolle des Hausarztes als "Gate-Keeper" stärken. Überweisungen an Fachärzte, Ambulanzen oder Spitäler sollten demnach - mit sinnvollen Ausnahmen (z.B. Gynäkologie, Augenheilkunde) - grundsätzlich durch die Hausärztin, den Hausarzt erfolgen.

Gleichzeitig mit dem auch von der IV angestrebten Abbau von Aktubetten bzw. mit deren Umwandlung in Pflegebetten fordert die Industrie einen Ausbau des Versorgungsangebotes im niedergelassenen Bereich. So sollten etwa Tageskliniken und Ärztezentren forciert, die Mindestöffnungszeiten von Kassenärzten ausgeweitet werden, insbesondere an Tagesrandzeiten und am Wochenende.

Stärker nutzen will die Industrie E-Health, sie sieht darin ein Instrument zur Steigerung der Effizienz und Qualität im Gesundheitswesen. "Es sollte vor allem der Elektronische Gesundheitsakt (ELGA) rasch und lückenlos eingeführt werden", stellt sich die IV in diesem Punkt gegen die Ärztekammer.

Einen stärkeren Fokus will die IV auf Prävention (z.B. bei Rauchen, Alkohol) legen. Begleitend zum allgemein präventiven Ansatz sollte ihrer Ansicht nach auch die Rolle der Einzelnen für ihre Gesundheit betont werden. "In diesem Zusammenhang sollten auch entsprechende finanzielle Anreize für das individuelle Gesundheitsverhalten, beispielsweise für die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen, geschaffen werden", heißt es in dem Papier der IV. Sie unterstützt in diesem Zusammenhang das Projekt der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA), in dem der Selbstbehalt reduziert wird, wenn der Versicherte gesundheitliche Ziele, die mit dem Arzt bei einer Vorsorgeuntersuchung vereinbart wurden, erreicht.

Volkswirtschaftlicher Mehrwert

Die Industriellenvereinigung verweist in diesem Zusammenhang auf "einen signifikanten volkswirtschaftlichen Mehrwert", der durch weniger Krankenstände in Folge einer verstärkten Prävention erzielt werden könnte. Eine Reduktion der Krankenstände um zehn Prozent könnte demnach etwa zu einer Steigerung der Wertschöpfung um 480 Millionen Euro führen.

Insgesamt gebe es laut OECD im gesamten Gesundheitssystem ein Effizienzpotenzial von zwei Prozent des BIP. Für das Jahr 2011 würde dies laut IV Einsparungen von etwa sechs Milliarden Euro bedeuten. Allein im stationären Bereich ortet die IV unter Berufung auf IHS-Zahlen ein Effizienzpotenzial von 20 Prozent, was rund zwei Milliarden an Einsparungsmöglichkeiten bedeuten würde. (APA, 15.3.2012)

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die iv ist das nicht die vereinigung

die dem beliebten schwiegermutterschwarm marie für die selbstdarstellung als stephansturmkletterer gespendet hat, die dieser wiederum in einen sozialfond (armutsprävention für exminister) fließen hat lassen? so tüchtig veranlagt, dass er aus läppischen 270.000 ein paar millionen gemacht hat, die nur den nachteile haben, daß sie wie ein sputnik um den erdball kreisen und er sie nicht einfangen kann.

wer hat die IV um ihre meinung gefragt?

seit wann sind gesundheitskompetenzen in der hand der IV?

net amoi igonieren!

Mei liab, sooooo uneigennützig die IV!

Klingt gut, ist es aber nur zum Teil!

Dass sich auch die IV für "die Effizienzsteigerung bzw. das Nutzen von Einspar- und Verbesserungspotentialen im Gesundheitsbereich" ausspricht, ist ja durchaus löblich und verständlich.

Wäre da nur nicht dieser schale Beigeschmack, dass es der IV eigentlich nur um "ein gesundes und leistungsfähiges Arbeitsvolk" (z.B. Forcierung von "ELGA", "Belohnung" für eine gesunde Lebensweise), möglichst geringe SV-Beiträge für die Dienstgeber und letztendlich um das oft beschworene "Allheilmittel" Krankenkassenzusammenlegung - bzw. überhaupt um die Privatisierung der Sozialversicherung - geht.

Vielleicht sollte endlich jemand aus dem Gesundheitssystem

einmal ein Konzept vorlegen, wie Industrie ohne Raubbau an der Gesundheit der Menschen funktionieren kann.

ein perpetuum mobile wäre leichter zu finden. Feuer und Wasser wird man auch schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen können.

es wäre ja interessant

die debatte über die statine (cholesterinsenker) zu führen. milliarden werden damit umgesetzt jetzt sagen studien, in vielen fällen völlig unnötig, ja kontraproduktiv.

Ja absolut!

Allerdings auch über b.)Psychopharmaka -ich rede hier nicht von jenen für die ernste Akutbehandlung- sondern von gewissen Langzeitpräparaten, deren Sinnhaftigkeit mir noch heute sehr schleierhaft ist und eher als Langzeitgeldquelle für gut aufgestellte Pharmaunternehmen dienen, anstatt einem raschen und dauerhaften Heilungserfolg der Patienten.

und c.) Antihypertensiva, die idR mE niemals die tatsächliche Ursache behandeln, aber trotzdem sehr schnell tlw jahrelang, wenn nicht sogar lebenslang, verschrieben werden.
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Wie wollen Sie denn sonst eine Krankheit behandeln, deren Ursache Sie (noch) nicht ausmachen können?

Stichwort Ideopathische Hypertonie.
Zumindest einmal sympthomatisch behandeln. Sollte es eine A. renalis-Stenose sein, geht sogar eine Behandlung der Radix mali.

"ich rede hier nicht von jenen für die ernste Akutbehandlung-"

war eigentl für beide Gruppen gedacht, aber schlecht deklariert^^

bitte jetzt ned verschwörungstheorien. wenn sie einen hochdruck kriegen, und dann keine blutdruckmedikamente nehmen, dann werdens, so sie nicht mit herzinfarkt und schlaganfall abtreten, schnell verkalken, und ihre postings werden alle so blöd wie ausnahmsweise dieses hier. und das sollten sie sich und uns ersparen.

aufdass hier keine missverständnisse aufkommen:

in bezug auf Blutdruckmedikamente: sie sind ein wunderbares Tool um eine Akut-/ und Notsituation bis mittelfristige situation in den Griff zu bekommen. Was von mir selbstverständlich vollkommen befürwortet wird.

Allerdings- was nützen diese medikamente wenn sich der Patient nicht wirklich umstellen möchte (thema: gesundheitschädigende Verhaltensweisen, ein guts braterl jeden 2, 4h durchschnitts fernsehkonsum von irgend einem ramsch sender.., sein oder ihr weltbild gegen multikulti - oder gegen diese oder jene politik oder gegen sich selbst, oder gegen was auch immer nicht loslassen oder ändern will)

diesen inneren Saboteur wird man nicht mit Medikamenten begegnen können! Sondern m E am leichtesten mit einer meridianklopftherapie.

ich nehme an, dass wissenschaftliche argumente ihnen wurscht sind, also:
1. ich habe einen freund, der lebt gesund, ist schlank, macht sport, schaut total gesund aus, und trotzden braucht er blutdruckmedikamente
2. ich habe einen freund, der ist übergewichtig, arbeitet zu viel, bewegt sich zu wenig, und nichts wird ihn ändern.

"ich nehme an, dass wissenschaftliche argumente ihnen wurscht sind" Nein, absolut nicht.

Schaun Sie, es macht doch überhaupt keinen Unterschied ob wir jetzt noch wochenlang über unsere freunde oder patienten debattieren oder nicht... man kann einfach keine Pauschalaussagen diesbezügl. treffen, ohne eine angesprochene person jemals getroffen und gesehen zu haben..

Fall aus meiner Familie (us) : mann mit extremen bluthochdruck der in den us auf insgesamt 10 meds eingestellt wurde, mit der bemerkung er hätte nur noch 1 bis 2 jahre lebenserwartung - ohne meds. Hatt nach 6 monaten entschlossen die meds eigenhändig abzusetzen - mit extremsten absetzerscheinungen, extremsten herzrythmen, schweißausbrüchen so stark dass in der nacht sogar der schweiß auf den boden gelangte..

lange gschicht kurz: er hat sein leben kräftig umgekrempellt.. macht seit damals nur noch das was er gerne macht, sagt was er sich denkt und wird dafür noch hochbezahlt. Und lebt seit 10 Jahren beschwerdefrei und ist einfach eine Inspiration.

keine verschwörungstheorie

sondern die veröffentlichung neuer untersuchungen, was die cholesterinsache betrifft.
wäre doch interessant, welche studien es darüber gibt.

also grundsätzlich sind statine eine tolle sache, glauben sie mir, ich habe noch die vor-statin-ära erlebt, wo schicksalhaft ein infarkt auf den nächsten bis zum tod folgte. aber es handelt sich nicht um hustenzuckerl oder nahrungsergänzungsmittel. ein unkritischer umgang, zu intensive therapie (immerhin ist cholesterin auch ein wichtiges strukturmolekül) oder therapie für leute, die sie nicht brauchen, ist abzulehnen. für alle anderen gilt eine nutzen-risiko-abwägung. und ja, sie haben recht, es wird zeit, dass man auch studien durchführt, die sich gezielt der nebenwirkungen annehmen. und mehr statine am markt sind nicht allein me-too-entwicklungen, sondern möglicherweise nebenwirkungsärmere produkte.

Also was hätten wir jetzt: + Profitmaximierung durch gesündere Lohnsklaven + Niedrigere DG-Beiträge zur SV durch Einsparungen/ Zerschlagung der Sozialversicherung

DAS IST HIER DIE FRAGE, User GhostInside!

der Traum aller IVs:

Vereinheitlichung der österr. Krankenkassen zu einer einzigen.

Schritt 1: Millionen EURs in bezahlte SchundArtikel investieren die sich absolut gegen das jetzige System aussprechen, bis dies jeder Stammtischmensch in St. Irgendwo glaubt und beherzigt.

Schritt 2: Bei Entscheidungsträgern lobbyieren und für eine Zusammenlegung aller Kassen zu einer Einzigen als ALLHEILLÖSUNG plädieren, again and again, und sich immer wieder auf das schwerstens beschädigte öffentliche Bild der Krankenkassen berufen.

Schritt 3: Nach einigen Jahren der Zusammenlegung aller Systeme (mit einem immensen Kostenaufwand, traumhaft hohen Nachfolge-/ und Wartungskosten für die Instandhaltung an begünstigte Freunde und Unternehmen der der IV oder VP (Mensdorf etc) )wiederum eine mediale Hetzkampagne gegen die angebliche Unfähigkeit der zentralisierten Krankenkasse starten und sie wieder totreden.

Schritt 4: Nach dem Absinken des medialen Aases in das kollektive Unterbewußtsein der Bevölkerung als auch der Festsetzung desselbigen, folgt die Wiederholung von wesentlichen Teilen von Schritt 2:
Wiederum bei Entscheidungsträgern lobbyieren aber diesesmal mit einer NEUEN ALLHEILLÖSUNG: Nämlich: der Privatisierung der nunmehr zentralisierten einzigen, aber imagemäßig extrem schlecht dastehenden und schlechtgeredeten Monopolkrankenkasse.

and finally Schritt 5: die Kasse zu einem Spottpreis an die eigene Klientel verscherbeln. (a la Buwog, die 1-2 Jahren nach dem Kauf auf einmal um fast die Hälfte höher bewertet in den Büchern der Immofinanz stand und ihr satte Gewinne bescherte)

Allerdings benötigten all diese Schritte mind eine 2/3 Mehrheit im NR und das ist auch gut so, wenn man vom nächsten Wahlergebnis der OEVP ausgeht :DD (als auch natürlich eine Zustimmung seitens der EU die es in dieser Form niemals geben wird)

ausgezeichnet, mein szenario ist ein wenig anders

das kaputtreden des systems führt zur umwandlung der pflichtversicherung in eine versicherungspflicht, die gemeinnützigen kassen werden zusammengefasst (wie in D die aok), die privaten picken sich (elga machts möglich, jeden versicherungsantrag ins detail zu prüfen) die rosinen heraus, die "ögkk" wird zur bad bank aller wirklich kranken und armen (wenigbeitrags-zahler). gleichzeitig wird der niedergelassene bereich in ärztezentren privatisiert (kdolsky wurde dafür ja eingesetzt - und hats vermasselt), und die ach so defizitären spitäler privatisiert.
am ende haben die freunde in der iv eine geschlossene wertschöpfungskette, in denen der kranke ausgesäckelt, und die ärzte und andere gesundheitsberufe für den profit ausgebeutet werden.

ausgezeichnete Analyse

Im Endeffekt kann es nur auf eine Privatisierung der Sozialversicherung hinauslaufen.
Allerdings braucht man dann Repressionsmittel (zB Erweiterungen im SPG, § 278 StGB) um die darauffolgenden sozialen Unruhen zu unterdrücken.

WAS HAT DIE INDUSTRIELLENKAMMER

mit unserer Gesundheit zu tun?
Vielleicht sogar sehr viel, indem die Umwelt ausschliesslich von der Industrie zugunsten der Industrie verschmutzt wird und unsere Lebensmittel von der Industrie mit Chemikalien verseucht werden, die uns laut Industrie (und genehmigender Buerokratur) nicht krank machen. Da glaube ich, dass sich die Industriellenkammer auf jeden Fall um unsere Gesundheit kuemmert! Ich frag den Pendler, was er meint: http://www.youtube.com/user/00derpendler

ganz einfach

die aufgabe der krankenkassen ist es nicht uns gesund zu erhalten oder zu machen sondern schnellstmöglich die arbeitsfähigkeit wider herzustellen.

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