Israel kündigt Truppenrückzug an

15. Juni 2003, 15:47
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Sicherheitsgespräche mit Palästinensern fortgesetzt

Jerusalem - Im Rahmen des internationalen Nahost-Friedensplans hat Israel einen Rückzug seiner Truppen aus Teilen des Gazastreifens angekündigt. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete am Sonntag, einen entsprechenden Abzugsplan habe Generalmajor Amos Gilad, ein ranghoher Beamter des israelischen Verteidigungsministeriums, am Vorabend dem palästinensischen Sicherheitschef Mohammed Dahlan vorgelegt. Der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz sagte am Sonntag, beide Seiten würden sich "in den nächsten Tagen" treffen, um Einzelheiten der Übergabe zu besprechen. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas, der neue US-Gesandte John Wolf und eine Gruppe ägyptischer Vermittler werden ebenfalls am Montag im Gazastreifen erwartet.

Das Treffen zwischen Dahlan und Gilad war das erste dieser Art, seit US-Präsident George W. Bush den Friedensplan des Nahost-Quartetts am 4. Juni auf einem Gipfeltreffen im jordanischen Akaba auf den Weg brachte. "Es war positiv, und es gibt die Möglichkeit des Fortschritts", sagte der palästinensische Außenminister Nabil Shaath über das Treffen. Alles hänge jedoch davon ab, ob die Palästinenser die radikalen Gruppen zu einer Einstellung ihrer Anschläge auf Israelis bewegen könnten. Das Treffen fand vor dem Hintergrund blutiger Unruhen in den vergangenen Tagen statt, denen 62 Menschen zum Opfer fielen.

Als ersten Schritt habe Israel den Abzug seiner Truppen aus dem nördlichen Gazastreifen angeboten, sagte ein israelischer Gewährsmann der Nachrichtenagentur AP. Wenn die Palästinenser künftig Raketenangriffe auf Israel verhinderten, wollten sich die Truppen auch aus anderen besetzen Gebieten des Gazastreifens zurückziehen. Dahlan sagte Gilad, er bemühe sich um eine Einstellung der Anschläge, wie aus palästinensischen Behördenkreisen verlautete. Er forderte gleichzeitig, dass Israel seine Politik der gezielten Tötungen beendet.

"Tickende Zeitbomben"

Die israelischen Medien berichteten, die Regierung sei nicht bereit, die Angriffe auf Vertreter extremistischer Gruppen vollständig einzustellen. Sie wolle sie jedoch einschränken und nur noch angreifen, wenn radikale Palästinenser einen Terroranschlag vorbereiteten. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon sagte vor dem Kabinett am Sonntag, Israel werde weiterhin "tickende Zeitbomben" angreifen. Sein Stellvertreter Ehud Olmert erklärte, wenn die Palästinenser den Terror nicht stoppen könnten, müsse Israel diese Aufgabe übernehmen. Die Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad hatten am Samstag eine Waffenruhe abgelehnt.

Trotz der Sicherheitsgespräche drangen israelische Truppen nach Beit Hanun im Gazastreifen ein. Nach Angaben von Ärzten wurden ein Funktionär der Al-Aksa-Brigaden getötet und sieben weitere Palästinenser verwundet. (APA/AP/dpa)

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