Anti-Terror-Einsatz in Mekka: Mindestens zehn Tote

15. Juni 2003, 14:57
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Auch Polizisten unter den Opfern

Riad - Bei einem Anti-Terror-Einsatz der saudiarabischen Sicherheitskräfte in Mekka sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Fünf Polizisten und fünf wegen Terrorverdachts gesuchte Männer seien bei dem von Schusswechseln begleiteten Einsatz in der Nacht zum Sonntag gestorben, berichtete die saudiarabische Zeitung "Okas". Sieben Verdächtige seien bei der Razzia in der heiligsten Stadt des Islam festgenommen worden.

Die in London ansässige oppositionelle Bewegung für eine Islamische Reform in Arabien (MIRA) erklärte unter Berufung auf "verschiedene Quellen", bei den Zusammenstößen seien acht Sicherheitsbeamte und drei Zivilisten getötet worden.

Flucht

Laut "Okas" flüchteten die mutmaßlichen Terroristen, als die Polizei sie in ihrem Wagen anhalten wollte. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd hätten die Verdächtigen aus ihrem Auto mit automatischen Waffen auf die Sicherheitskräfte geschossen. Die Männer hätten schließlich in einer Wohnung im Stadtviertel Chaldija Zuflucht gesucht, die von den Polizisten umstellt und gestürmt wurde. In der Wohnung seien große Mengen an Waffen und Sprengstoff gefunden worden; einer der Festgenommenen habe einen Sprengstoffgürtel getragen.

Am Samstag hatte der saudiarabische Innenminister Prinz Najef bin Abdelasis die Festnahme von fünf Männern bekannt gegeben, die an den Selbstmordanschlägen auf von Ausländern bewohnte Anlagen in Riad am 12. Mai beteiligt gewesen sein sollen. Im Zusammenhang mit der Anschlagsserie wurden damit bislang dreißig Verdächtige gefasst. Damals waren 35 Menschen getötet worden, unter ihnen neun US-Staatsangehörige und mindestens zwölf Attentäter.

Behörden: Geht auf Bin-Laden-Konto

Laut Prinz Najef sind die zuständigen Behörden mittlerweile davon überzeugt, dass die Anschläge auf das Konto des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden gehen. Von den Attentätern des 11. September 2001 in den USA stammte nach US-Erkenntnissen die Mehrzahl aus Saudi-Arabien. Dort ist auch Bin Laden geboren, dem jedoch bereits vor Jahren die saudiarabische Staatsbürgerschaft entzogen wurde.

Die Polizei des ultra-konservativen Königreichs fahndet unterdessen weiter fieberhaft nach zehn Mitgliedern einer kurz vor den Anschlägen in Riad ausgehobenen Untergrundzelle, die Kontakte zur Bin-Laden-Organisation unterhalten soll. US-Präsident George W. Bush hatte Anfang des Monats bei einem Treffen mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdallah bin Abdulasis im ägyptischen Sharm el Sheikh die Erfolge der absoluten Monarchie im Anti-Terror-Kampf ausdrücklich gelobt. (APA/AFP/Reuters)

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