Salzburg 2006: Das Mozart-Desaster

15. Juni 2003, 14:15
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In drei Jahren wird der 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts gefeiert. Die Grünen fordern einen eigenen Intendanten.

In drei Jahren wird der 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts gefeiert. Die Grünen in Stadt und Land befürchten jedoch, dass Salzburg im Wettbewerb der Mozartstädte hinter Wien und Prag zurückfällt. Sie fordern einen eigenen Intendanten für das Mozartjahr 2006.


Salzburg - "Wenig Konkretes, wenig Neues, viel Geheimniskrämerei." So fasste die - sonst mit Wertungen eher zurückhaltende - Austria Presse Agentur vergangene Woche den Planungsstand zum Mozartjahr 2006 in Salzburg zusammen.

Der Landessprecher der Salzburger Grünen, Cyriak Schwaighofer, und der grüne Gemeinderatsklubobmann Helmut Hüttinger gehen in der negativen Beurteilung der Vorbereitungen für 2006 noch weiter: Angesichts der Versäumnisse drohe Salzburg nicht nur "der Abstieg in die kulturelle Unterliga", sondern auch das Ausbleiben wirtschaftlich wichtiger MozartTouristen, die in die Mozartstädte Wien und Prag ausweichen würden. Wien etwa hat Starregisseur Peter Sellars mit der Konzeption seiner Mozartveranstaltungen beauftragt.

Die Liste der von den Grünen kritisierten Planungsdefizite bei der Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Salzburger Genius Loci ist lang. So planten beispielsweise die Festspiele die szenische Aufführung aller 22 Mozartopern. Finanzierung und Logistik des auf 2,5 Millionen Euro geschätzten Vorhabens seien jedoch ebenso wenig geklärt wie die Künstlerbesetzungen. Ebenfalls nicht gesichert sei die Finanzierung der Aktivitäten der Stiftung Mozarteum. Vom Landestheater wiederum wären gar keine Programmideen für 2006 bekannt. Andere Kultureinrichtungen würden "nicht oder nur ungenügend" in die Vorbereitungsarbeiten einbezogen. Auch bezüglich der Vermarktung des Mozartjahres seien noch keine Dotierungen für Werbeaktivitäten zugesagt worden.

Quasi als Rettung in letzter Minute fordern Schwaighofer und Hüttinger die Einrichtung einer eigenen Mozartjahrintendanz. Diese soll, mit einer künstlerisch kompetenten Persönlichkeit besetzt, "den Gesamtauftritt Salzburgs im Mozartjahr" konzipieren. Finanziert werden soll das Programm mit jenen Mitteln, die bei einem Stopp des Umbaus des Festspielhauses frei würden. Aus Sicht der Grünen ist ein Umbaustopp unter anderem deshalb notwendig, da das Risiko, bis 2006 nicht fertig zu werden und dann ohne Festspielhaus dazustehen, zu groß ist.

Die Generalsekretärin der vom Land gegründeten Gesellschaft "Mozart 2006 Salzburg", Inge Brodil, glaubt übrigens nicht, dass sich eine Intendanz durchsetzen ließe. Die einzelnen Häuser würden sich in ihrer Programmgestaltung "nicht dreinreden lassen". (neu, DER STANDARD, Printausgabe vom 14./15.6.2003)

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