Klett überlegt Verkauf ehemaliger Bundesverlage

15. Juni 2003, 14:24
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Geschäftsführer Michaletz schließt weitere Querfinanzierung durch Schulbuchverlag aus - Autoren sollen "verkaufsfähig" schreiben

Wien - Die Entscheidung der Stuttgarter Verlagsgruppe Klett, ein halbes Jahr nach der Übernahme des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) die ÖBV-Tochterverlage Residenz, Deuticke und Brandstätter weiter zu verkaufen, dürfte unmittelbar bevorstehen.

"Wir schließen einen Verkauf der Literaturverlage nicht aus", wird Klett-Geschäftsführer Tilmann Michaletz in der neuen Ausgabe des Nachrichten-Magazins "profil" zitiert. In spätestens zwei Wochen solle die Entscheidung darüber fallen.

"In den letzten Jahren konnten die Verlage nur überleben, weil sie mit den Gewinnen aus dem Schulbuchverlag querfinanziert wurden", erklärte Michaletz. Gemeint ist damit der Schulbuchverlag "öbv&hpt", an dem Klett nach dem Verkauf des ÖBV 49 Prozent hält. Viele verlegerischen Entscheidungen bei den Literatur-Verlagen wurden nach Ansicht des Klett-Geschäftsführers "nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Bücher wurden gemacht, weil man aus dem Schulbuchbereich Reserven nutzen konnte. Diese Denkweise muss sich ändern".

Keine Querfinanzierungen mehr

Klett will jedenfalls "keine Querfinanzierungen zulassen". Die einzelnen Unternehmensteile müssten von den Verantwortlichen so geführt werden, dass sie auch alleine existieren könnten. Von den ÖBV-Töchtern müssten der Schulbuchverlag "Marktanteile gewinnen, die Buchauslieferung optimiert werden und der Buchhandel sich stärker am Wettbewerb orientieren. "Wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben", sagte Michaletz.

"Kein Markt"

Sollte die Klett-Gruppe die Literatur-Verlage behalten, dürfte sich dort einiges ändern: Derzeit würden dort "zu viele Produkte publiziert, die keinen Markt finden", so Michaletz. Es sei nicht daran gedacht, Autoren zu kündigen, aber man müsse sie dazu bringen, "Manuskripte zu erstellen, die auch verkaufsfähig" seien. Große Gewinne erwartet Michaletz nicht von den Literaturverlagen, "aber wenn man sie richtig strukturiert und programmatisch sauber ausrichte, sind sie nach drei Jahren mit einer schwarzen Null zu finanzieren".

Verhandlungen hinter den Kulissen

Martina Schmidt, Geschäftsführerin von Residenz und Deuticke, glaubt, "dass hinter den Kulissen bereits Verhandlungen über einen Weiterverkauf laufen", wie sie im "profil" erklärte. Potenzielle Interessenten für die drei ÖBV-Töchter gab es bereits kurz nach der Übernahme durch Klett: So hat der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums in Wien, Wilfried Seipel, seine Ambitionen öffentlich bekundet, den Brandstätter Verlag für Publikationen seines Museums zu erwerben. Für Deuticke und Residenz hegte deren Vertriebspartner, der deutsche Eichborn Verlag, Interesse.

Kulturauftrag mitübernehmen

Jedenfalls müsste bei einem Weiterverkauf jedes der drei ÖBV-Publikumsverlage der neue Besitzer auch den im Kaufvertrag mit Klett festgehaltenen Kulturauftrag, der bis Ende 2007 erfüllt werden muss, mitübernehmen. Darin ist nicht nur eine Weiterführung von Residenz, Deuticke und Brandstätter bis 2007 festgeschrieben, sondern auch die Mindestanzahl von österreichischen Titeln, die pro Jahr erscheinen müssen, mit fünf pro Jahr und Verlag festgelegt.

Klett hatte Ende vergangenen Jahres den ÖBV zum Kaufpreis von 24 Millionen Euro von der Republik Österreich erworben. Die österreichische und die deutsche Kartellbehörde hatten der Übernahme zugestimmt. (APA)

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