US-Truppen verstärken Vorgehen gegen Saddam-Hussein-Anhänger

16. Juni 2003, 10:53
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US-Appell zur Waffenabgabe erfolglos

Falludscha/Bagdad - Die US-Besatzungtruppen in Irak sind in der Nacht zum Sonntag in der Stadt Falludschah massiv gegen mutmaßliche Anhänger des entmachteten Präsidenten Saddam Hussein vorgegangen. Ein Armeesprecher sagte, die Razzien seien nach entsprechenden Hinweisen aus der Bevölkerung erfolgt und aus der Luft unterstützt worden.

Soldaten hätten nach Hinweisen aus der Bevölkerung eine Schule und ein weiteres Haus durchsucht, seien aber nicht fündig geworden. Im fünfzig Kilometer von Bagdad entfernten Fallujah hatten US-Truppen Ende März mindestens 16 Einwohner getötet. Die Stadt gilt als Hochburg von gegnern der US-Besatzung.

"Operation Wüstenskorpion"

Am Samstagabend starteten US-Truppen nach Angaben eines Armeesprechers im Norden und Nordosten Iraks die "Operation Wüstenskorpion" zur Bekämpfung von Anhängern des früheren Staatspräsidenten. Die "Operation Peninsula Strike" ("Halbinsel-Schlag"), eine sechstägige Angriffswelle von US-Truppen gegen irreguläre irakische Kämpfer im Norden und im Zentrum des Landes, sei am Donnerstag beendet worden, wie das US-Zentralkommando am Sonntag mitteilte.

Dabei seien etwa vierhundert Gefangene gemacht und zahlreiche Waffen beschlagnahmt worden. Nach Angaben von irakischen Augenzeugen und US-Vertretern wurden mindestens 113 Menschen getötet, unter ihnen mindestens ein Ausländer. Am Montag berichtete die jordanische Zeitung "Al-Arab Al-Yom", dass es sich bei den Getöteten überwiegend um arabische Freiwillige handle. Wie die Zeitung am Montag schrieb, waren die Männer aus Jordanien, Saudiarabien, dem Sudan, Palästina, Nordafrika, den Golfstaaten und dem Jemen nach dem Zusammenbruch des Regimes von Präsident Saddam Hussein im Irak gestrandet. Sie hätten sich in dem Lager nahe der Ortschaft Rawa eingerichtet, nachdem ihnen die syrischen Grenzbeamten die Einreise verweigert hätten.

Strafe bei Waffenbesitz

Ein Großteil der irakischen Bevölkerung weigerte sich nach Angaben der Besatzungstruppen, ihre Waffen innerhalb der vom US-Zivilverwalter Paul Bremer gesetzten Amnestiefrist vom 1. bis zum 14. Juni abzugeben. Bisher seien 123 Pistolen, 76 Gewehre, 435 Schnellfeuergewehre, 46 Maschinengewehre, 162 Panzerfäuste, elf Luftabwehrraketen und 381 Granaten sowie Sprengstoffvorrichtungen eingesammelt worden, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung.

Ab Sonntag wird unrechtmäßiger Waffenbesitz mit Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr und Geldstrafen von umgerechnet bis zu 850 Euro bestraft. Die Gesamtzahl der in Irak im Umlauf befindlichen Waffen wird auf fünf Millionen geschätzt.

Pistolen und leichte Waffen erlaubt

Bremer hatte die Waffenverordnung im Mai erlassen, um der anhaltenden Gewalt und Rechtslosigkeit in Irak Herr zu werden. Lediglich Pistolen und leichte automatische Waffen mit einem Kaliber von bis zu 7,62 Millimetern dürfen fortan in Privatbesitz verbleiben. Gestattet ist das offene Tragen von Waffen nur noch Besatzungssoldaten, irakischen Polizisten und Irakern, die von der Zivilverwaltung eigens dazu ermächtigt werden. In den Städten dürfen Iraker nur noch zur Selbstverteidigung schießen, es sei denn, sie haben eine anders lautende Erlaubnis. (APA/AFP)

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