Vaclav Klaus nicht überrascht

15. Juni 2003, 10:51
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"Die Beteiligung hätte höher sein können", meint der tschechische Staatschef

Prag - Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus, der für seine reservierte Haltung gegenüber der EU bekannt ist, brachte auch in seiner ersten Reaktion auf das Ergebnis der EU-Volksabstimmung keine Begeisterung zum Ausdruck. Erst mehrere Stunden nach der Mitteilung der ersten Schätzungen, bei denen die anderen Spitzenpolitiker schon jubelten, ließ er durch seinen Sprecher Tomas Klvana an die Medien verlauten, dass er (Klaus) von dem Ergebnis "nicht überrascht" sei.

Man müsse nun nach vorne schauen, wobei es sehr viel darauf ankommen werde, wie sich Tschechien innerhalb der EU einleben werde. Die Beteiligung zum Referendum hätte höher sein können, zitierte der Sprecher die Worte des Staatschefs.

Pop-Konzert lässt Staatschef kalt

Nicht einmal das als EU-Beitrittsfeier arrangierte Konzert der heimischen Pop-Stars direkt am Tor der Prager Burg (Sitz des tschechischen Präsidenten, Anm.) in den Abendstunden bewegte dann den Staatschef zum direkten Reden, geschweige denn zum Auftritt auf der Bühne.

Der sozialdemokratische (CSSD) Regierungschef Vladimir Spidla und der christdemokratische (KDU-CSL) Außenminister Cyril Svoboda nutzten hingegen diese Gelegenheit sehr wohl. "Ich bin stolz auf Sie. Wir haben uns den Weg nach Europa eröffnet", begrüßte der lachende Premier ohne Krawatte einige tausend Zuschauer. "Ahoj, Europäer", fügte Svoboda erfreut hinzu. Beide sangen dann einen alten tschechischen Schlager.

Pravada vitezi

Anstatt des abwesenden Klaus wehte auf dem Dach der Prager Burg nur die Präsidenten-Flagge mit der Parole "Pravda vitezi" ("Die Wahrheit siegt") - ein traditionelles Zeichen dafür, dass das Staatsoberhaupt sich in Prag aufhält. Ein Präsident war aber doch bei dem Konzert: der Gründer der Tschechoslowakei und ihr erstes Staatsoberhaupt Tomas Garrigue Masaryk - bzw. seine Statue vor dem Tor der Prager Burg. (APA)

  • Tscheschiens Staatschef Vaclav Klaus
    foto: michal dolezal

    Tscheschiens Staatschef Vaclav Klaus

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