Polizei verhaftet militante Khamenei-Anhänger

14. Juni 2003, 20:00
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Militante Anhänger der konservativen geistlichen Führung werden für nächtlichen Angriff auf Studentenwohnheime verantwortlich gemacht

Teheran - Die iranische Polizei hat am Samstag militante Anhänger der konservativen geistlichen Führung verhaftet. Sie würden für den nächtlichen Angriff auf Studentenwohnheime in Teheran verantwortlich gemacht, meldete der staatliche Rundfunk. Mehrere Studenten hatten berichtet, militante Anhänger von Ayatollah Ali Khamenei seien über die schlafenden Heimbewohner hergefallen und hätten mehrere von ihnen festgenommen. Mehr als 50 Studenten seien verletzt worden, zwei Dutzend seien seit dem Angriff verschwunden.

Wie Radio Teheran berichtete, ist unter den verhafteten Angreifern ein Mann, der vor zwei Jahren einen Berater des reformerischen Präsidenten Mohammed Khatami angeschossen hatte. Er ist einer der Anführer der militanten Bürgerwehren, die sich als Wächter der hergebrachten Ordnung betrachten. Seit dem Beginn der Proteste gegen die konservative geistliche Führung des Iran am Dienstag (10. Juni) gehen sie gewaltsam gegen Demonstranten, darunter viele Studenten, vor.

Berichte über die Erstürmung von zwei Wohnheimen

In der Nacht zum Samstag hätten die militanten Bürgerwehren mindestens zwei Wohnheime der Universitäten gestürmt, berichteten Studenten. "Wir lagen in unseren Betten. Plötzlich hörten wir, wie Fenster eingeschlagen wurden. Faustschläge und Tritte von regimetreuen Wachleuten weckten einige der Studenten auf", sagte der Student Mojtaba Najafi. "Für sie gibt es keine Grenzen."

Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor

Am Freitagabend war es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Behörden und regimekritischen Demonstranten gekommen. Sowohl die selbst ernannten als auch staatliche Sicherheitskräfte feuerten Schüsse in die Luft und setzten Tränengas und Schlagstöcke ein. Augenzeugen zufolge gingen sie gegen hunderte Menschen vor, darunter viele Schaulustige. Im Unterschied zu den drei vorhergehenden Tagen waren keine organisierten Proteste zu sehen. An den Vortagen hatten hunderte Menschen gegen die konservative geistliche Führung demonstriert. Die reguläre Polizei griff den Augenzeugenberichten zufolge nicht in das Geschehen ein.

Khamenei hatte den Demonstranten zuvor indirekt bereits mit harten Gegenmaßnahmen gedroht. In einer Fernsehansprache bezog er sich am Donnerstag auf die Unruhen im Jahr 1999, als Sicherheitskräfte und Anhänger des Ayatollahs mit harter Hand gegen demonstrierende Studenten vorgegangen waren. Dabei kam mindestens ein Student ums Leben.(APA/AP)

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    Nachbarn des Studentenheims in Teheran schlossen sich in der Nacht auf Samstag den demonstrierenden Studierenden an, die gegen die geistliche Führung im Iran protestierten.

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