Pariser Luftfahrt-Salon hebt ab

15. Juni 2003, 18:11
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US-Rüstungskonzernchefs blieben fern - Österreich mit 18 Firmen vertreten

Paris - Der Internationale Luftfahrtsalon in Le Bourget bei Paris hat am Samstag ohne Beteiligung eines hochrangigen Vertreters aus dem US-Rüstungsbereich begonnen. Der weltgrößte Rüstungsproduzent Lockheed Martin hat die ursprünglich geplante Teilnahme von Konzernchef Vance Coffman aus "terminlichen Gründen" abgesagt. Coffman war der einzige Konzernchef aus dem US-Rüstungsbereich, der sein Kommen überhaupt erwogen hatte. Branchenkenner in Washington führen die Zurückhaltung auf die transatlantischen Spannungen im Zuge des Irak-Konflikts zurück, bei dem sich Frankreich offen gegen die USA gestellt hatte.

US-Unternehmen unter Druck

Nachdem das US-Verteidigungsministerium entschieden habe, seine Präsenz in Le Bourget zurückzufahren, seien auch US-Unternehmen unter Druck geraten, ähnlich zu verfahren, hieß es in Washington. "Das Verteidigungsministerium hat aktiv Vertragspartner davon abgeraten, die Schau zu besuchen", sagte die Direktorin des Lexington Instituts in Arlington (Virginia), Loren Thompson. Die US-Regierung betrachte eine verringerte Präsenz auf der Schau wohl als gute Gelegenheit, ihr Missfallen über die französische Haltung zum Ausdruck zu bringen. Die Industrie sehe das aber nicht so, da sie befürchten müsse, Marktanteile zu verlieren - möglicherweise gar an französische Unternehmen.

Krisengeschüttelte Zeiten

Die Schau fällt in eine Zeit, in der die internationale Luftfahrt in einer schweren Krise steckt, auf die viele Hersteller mit Sparprogrammen und Stellenabbau reagiert haben. Dennoch werden einige Großaufträge in der kommenden Woche bekannt gegeben werden. Unter anderem will das in Dubai beheimatete Luftfahrtunternehmen Emirates insgesamt 60 Maschinen bestellen. Dabei sollen sowohl der europäische Konzern Airbus als auch sein US-Erzrivale Boeing zum Zuge kommen. Auch Quatar Airways will von den beiden Produzenten rund 30 Flugzeuge kaufen, und Thai Airways könnte seine Pläne zum Kauf von acht Airbus-Maschinen auf dem Salon in trockene Tücher bringen.

Keine Trendwende bei Aufträgen

Dennoch dürften die Aufträge keine Trendwende in der krisengeschüttelten Luftfahrtbranche signalisieren. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass ein spürbarer Aufschwung noch bis zu zwei Jahre auf sich warten lassen wird. Die Veranstalter des französischen Luft- und Raumfahrtsalons, der heuer zum 45. Mai in Le Bourget bei Paris stattfindet, hoffen zumindest die Besucherzahl der letzten Ausgabe von 2001 beibehalten zu können.

Ausstellungsfläche sank heuer um 5 Prozent

Die globale Ausstellungsfläche sank heuer um 5 Prozent gegenüber 2001, als sie noch 308.000 Quadratmeter betragen hatte. Dieser Rückgang ist vor allem darauf zurück zu führen, dass die US-amerikanischen Firmen ihre Ausstellungsfläche um insgesamt 3 Prozent gekürzt haben. Die USA haben sowohl ihre Anwesenheit unter den Ausstellern reduziert als auch die Vorführungen der Jägerflieger abgesagt. Für zahlreiche Beobachter handelt es sich dabei um eine direkte Konsequenz der diplomatischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und Washington zur Irak-Krise.

"Patrouille de France" Staffel

Bei der offiziellen Eröffnung des Salons am Samstag durch Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac (UMP) ist eine Parade der Kampfflugzeuge der Staffel "Patrouille de France" geplant, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Am selben Tag wird auch eine Concorde in Le Bourget landen. Die Überschallmaschine, deren Verwendung von Air France eingestellt wurde, soll künftig einen Platz im Luftfahrtmuseum von Le Bourget erhalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vorstellung des Motorflugzeugs "Flyer", mit dem die US-amerikanischen Brüder Wright 1903 den ersten Flug verwirklichten.

Österreich mit 18 Firmen vertreten

Unter den österreichischen Firmen befinden sich auf der Fachmesse die Austrian Aeronautics Industries Group (AAI), Air Ambulance Technology, Austrian Aerospace, Amag Rolling, Böhler, Frequents Nachrichtentechnik, Hitzinger, Magna Steyr Fahrzeugtechnik, Pankl Fahrwerks- und Antriebssysteme, Plansee, Schwarz und TTTech Computertechnik. (APA)

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