Harte Prüfung für Glomser

15. Juni 2003, 19:01
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Der Österreicher bewältigte trotz Hitzschlag vorletzte Hürde zum Toursieg - Zweiter Tageserfolg für Belgier Sijmens

Graz - Alles deutete auf ein souveränes Finish von Gerrit Glomser hin, doch am vorletzten Tag wurde der Spitzenreiter der Wiesbauer-Tour noch einer harten Prüfung unterzogen. Der Salzburger rollte auf der sechsten Etappe vom Klopeinersee nach Graz (157 km) zwar mit der ersten Gruppe ins Ziel, musste aber unmittelbar danach wegen des Verdachts auf Hitzschlag vom Teamarzt im Hotel behandelt werden. Das Gelbe Trikot durfte Glomsers Mutter Gudrun überstreifen. Das Antreten des Saeco-Profis auf dem Schlussabschnitt auf der Wiener Ringstraße (12:30) ist allerdings nicht in Gefahr, Glomser stand mit 42 Sekunden Vorsprung auf den Slowenen Jure Golcer (Volksbank Vorarlberg) vor der Wiederholung seines Toursiegs.

Zu wenig Verpflegung und Kühlung

Laut Saeco-Teamchef Flavoio Miozzo hatte Glomser bei Temperaturen von erneut fast 30 Grad zu wenig gegessen und getrunken und auf die Kühlung des Kopfes mit Wasser vergessen. "Dazu kam die Hitze, da bekam er Kreislaufprobleme", wusste der Coach. Während seine Teamkollegen mit Hilfe des DeNardi-Rennstalls ein Ausreißer-Quintett zurückholten, das nach der Pack schon 6:30 Minuten Vorsprung gehabt hatte, kämpfte Glomser mit Problemen. Er wurde zwar nicht attackiert, hielt sich aber auf der letzten Bergwertung bei Graz-Wenisbuch nur mit letzter Kraft in der Spitze.

Obwaller weiter auf Rang drei

Hans Peter Obwaller, der Gesamt-Dritte, hatte um die schlechte Verfassung des Rivalen gewusst. "Bei einem Antritt von Valter Bonca haben Gerrit und ich nur mit Mühe folgen können, Gerrit ist es nicht wirklich gut gegangen", sagte der Pinzgauer, der die Rundfahrt nach zwei zweiten Plätzen diesmal als Gesamt-Dritter (+1:08) unmittelbar vor Bonca (+1:21) beenden wird.

Sijmns im Zielsprint erfolgreich

Vorletzter Tagessieger wurde im Sprint einer 41-Mann-Gruppe der Belgier Nico Sijmns, der seinen Erfolg von St. Jakob am Donnerstag wiederholte. Bester Österreicher war Martin Fischerlehner (Elk Schrems) als Sechster. Der Oberösterreicher hat auch beste Chancen auf den Gewinn des Sprint-Trikots, weil der bisherige Spitzenreiter Jochen Summer (Volksbank) entkräftet aufgab. Bernhard Eisel mischte wie am Vortag nicht im Sprint mit, er ließ auf der Etappe durch seinen Heimatort Stallhofen abreißen und hatte 5:33 Minuten Rückstand (82.).

Eisel nicht mehr in Topform

Am Vortag hatte sich der Vorzeige-Profi über seine Nationalteam-Kollegen mokkiert, die ihn nicht unterstützt hatten, am Samstag sagte er, er fühle sich nicht fit. "Und auch die Form ist nach dem Giro nicht mehr top", sagte Eisel. Für Sonntag, wenn erstmals seit 1984 das Rundfahrtsziel wieder auf dem Wiener Rathausplatz liegt, hat er sich aber noch einmal viel vorgenommen. Die Wiesbauer-Tour folgt mit dem Finale im Herzen der Großstadt einem Beispiel von Giro und Tour de France, wenn 20 Runden auf der Ringstraße absolviert werden.

Matzbacher theoretisch in Gelb

Zu den fünf Ausreißern, die erst rund zehn Kilometer vor dem Ziel wieder gestellt wurden, gehörten auch Andreas Matzbacher und Hannes Hempel. Sie hatten sich nach der Bergwertung Pack abgesetzt, Matzbacher fuhr als Gesamt-26. (+5:10 vor der Samstag-Etappe) in der Folge theoretisch im Gelben Trikot. "Ich habe gewusst, dass sich die Führung nicht ausgeht, aber ich habe auf einen Etappensieg gehofft", sagte der 21-jährige Steirer. Der Kärntner Hempel war ebenso enttäuscht. "Ohne den Gegenwind im Finish hätte es sich ausgehen können", meinte er und sprach als Gesamt-34. (nach Hitzekollaps auf dem Kitzbühler Horn) von der letzten verpassten Chance auf einen Etappensieg. "Die Rundfahrt war für mich eine Enttäuschung, in der letzten Saison der Karriere ist das doppelt schade." (APA)

Ergebnisse der Wiesbauer-Österreich-Radrundfahrt vom Samstag:
Sechste Etappe - 157 km/St.Kanzian-Graz:

1. Nico Sijmens (BEL) 3:54:20 Stunden - 2. Alessandro Spezialetti (ITA) - 3. Michel van Haecke (BEL) - 4. Matteo Carrara (ITA) - 5. Philippe Gaumont (FRA) - 6. Martin Fischerlehner (AUT) - 7. Christian Pömer (AUT) - 8. Steffen Radochla (GER) - 9. Mitja Mahoric (SLO) - 10. Theo Eltink (NED) - weiter: 16. Bernhard Kohl - 17. Werner Faltheiner - 28. Gerrit Glomser - 30. Thomas Rohregger - 38. Hans-Peter Obwaller alle gleiche Zeit - 43. Martin Kraler + 0:15 Minuten - 46. Peter Pichler 2:20 - 47. Rene Kopeinig - 52. Harald Morscher - 54. Paul Kasis (alle AUT) alle gleiche Zeit

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