Telekom Austria steht vor dem Verkauf

16. Juni 2003, 13:49
1 Posting

Die ÖIAG beginnt das VP-FP- Privatisierungsprogramm umzusetzen

Die Telekom Austria, die bereits in der letzten Legislaturperiode hätte vollständig privatisiert werden sollen, kommt nun endgültig unter den Hammer, auch wenn dazu am Freitag im Aufsichtsrat der Staatsholding ÖIAG noch kein formeller Beschluss fiel. Der Deal ist weit gediehen.

ÖIAG-Sonderdividende

SP-Budgetsprecher Christoph Matznetter hatte zuvor gemutmaßt, dass die Verträge zur Übernahme durch die Swisscom, die zu 62 Prozent im Eigentum des schweizerischen Staates steht, noch im Juni unterschrieben würden. Grund: Nur wenn der Erlös, um dessen exakte Höhe noch heftig gefeilscht wird, in der Halbjahresbilanz der ÖIAG verbucht werde, könne Finanzminister Karl-Heinz Grasser die beabsichtigte ÖIAG-Sonderdividende von 100 Millionen Euro im Budget 2003 verbuchen.

ÖIAG-Aufsichtsrat tritt erst am 10. Juli wieder zusammen

Nun tritt der ÖIAG-Aufsichtsrat erst am 10. Juli wieder zusammen. Auch der letzte Privatisierungsschritt der Böhler-Uddeholm AG muss daher noch etwas warten, obwohl er hinter den Kulissen längst fixiert ist. Beschlossen wurde am Freitag lediglich ein Teilverkauf des ÖIAG-Anteils an der VA Tech.

Zeitdruck ist heikel

Zeitdruck bei Verkäufen von Firmen im öffentlichen Eigentum ist insofern heikel, als er dem gesetzlichen Ziel der Erlösmaximierung widersprechen könnte. Das sieht zumindest die SPÖ so. SP-Wirtschaftssprecher Hans Moser, der frühere Geschäftsführer der aufgelösten Pleiteholdding GBI, denkt diesbezüglich laut über eine Ministerklage gegen Grasser nach. Moser sprach vor Journalisten von einem "schwarzen Freitag" für den Wirtschaftsstandort. Die letzten heimischen Industrieflaggschiffe zu "verscherbeln" sei "wirtschaftspolitischer Vandalismus".

Die Swisscom will die Mehrheit an der Telekom Austria, dafür laut Insidern aber maximal 11,90 Euro pro Aktie zahlen. Die ÖIAG hält noch 47,2 Prozent und will 13 Euro je Aktie erlösen. Zum derzeitigen Kurs von 9,4 Euro ist das ÖIAG-Paket an der Wiener Börse rund 2,2 Mrd. Euro wert.

Das derzeitige Szenario

Das derzeitige Szenario laut führendenden Industriellen: Die ÖIAG verkauft - auch um die protestierenden Gewerkschafter zu beruhigen - nur 25 Prozent ihres Paketes an die Schweizer, der Rest kommt an die Wiener Börse. Zusätzlich erwerben die Schweizer aber das 14,8-Prozent-Paket der Telecom Italia und müssten dann laut Übernahmegesetz allen anderen Aktionären ein Aktienkauf-Angebot unterbreiten. Ab einem Kurs von 11,7 Euro wird übrigens das millionenschwere Aktien-Optionsprogramm für 100 Telekom-Topmanager schlagend.

Beim Edelstahlhersteller Böhler-Uddeholm wird heuer das 25-Prozent-Paket der ÖIAG höchstwahrscheinlich an institutionelle Investoren verkauft. Die ÖIAG kann inklusive eines kleinen Kursabschlags, um den Investoren den Einstieg schmackhaft zu machen, mit einem Erlös von rund 120 Mio. Euro rechnen.

Beim Linzer Anlagenbauer VA Tech, wo die ÖIAG noch 24 Prozent hält, werden vorerst 4,1 Prozent und später der Rest ebenfalls an institutionelle Investoren (Banken, Versicherungen, Fonds) verkauft - Erlös: 15 bis 20 Mio. Euro.(Michael Bachner/DER STANDARD, Printausgabe vom 14./15.6.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Bild Generaldirektor Heinz Sundt bei der Pressekonferenz am 27. März 2003.

Share if you care.