Waschen, schneiden, hinlegen

Gregor Fauma
20. März 2012, 15:05
  • Mit Handgriffen, die er sich bei der Friseuse seiner Wahl abgeschaut 
hat, bringt der Gärtner wieder Dreidimensionalität in die 
niedergedrückten Rabatten, macht den Lavender fluffig und kämmt den 
Flachs gegen den Strich.
    foto: photodisc

    Mit Handgriffen, die er sich bei der Friseuse seiner Wahl abgeschaut hat, bringt der Gärtner wieder Dreidimensionalität in die niedergedrückten Rabatten, macht den Lavender fluffig und kämmt den Flachs gegen den Strich.

Am Beginn der neuen Saison muss der Garten erst wieder in Fasson gebracht werden - Den Beginn macht das Schleppen der Erdsäcke

Genug der Texte, die detailliert beschreiben, wie sehr doch die dicke Schnee- und Eisdecke am Gemüt lastet. In Wahrheit lastet der Schnee noch viel mehr auf den Beeten. Er quetscht die vormals stolzen Lavendelbüsche zu kriechenden Bodendeckern, er bricht die spröden Sprosse des Salbeis entzwei, und auch der Flachs fläzt flach wie Flunder zu den Füßen des Gärtners. Trist vorerst, doch gleichsam Arbeitsauftrag und damit wieder gut - denn der Gärtner muss nach den passiven Wintermonaten erst wieder ins Arbeiten reinfinden, und da sind so ein paar imperative Arbeitsanreize seitens des Gartens selbst gar nicht schlecht.

Mit Handgriffen, die er sich bei der Friseuse seiner Wahl abgeschaut hat, bringt der Gärtner wieder Dreidimensionalität in die niedergedrückten Rabatten, macht den Lavender fluffig und kämmt den Flachs gegen den Strich. Mit der elektrischen Gartenschere setzt er gekonnt zum Fassonschnitt an und reicht sein Werk als Bewerbungsschreiben bei Bundy & Bundy ein. Das wäre erstmals erledigt.

Neue Erde braucht das Land!

Viel zäher jedoch ist das Beseitigen anderer Lastkonsequenzen. Das Erdreich wurde verdichtet, die Geländeoberkante, kurz GOK, ist gute zwanzig Zentimeter tiefer als vor dem Schneefall. Die vom Schnee freigegebenen Katzenkötel flogen flugs Richtung extramuraler Hundeklos, auf dass der neu angeschaffte, diamantbespitzte Rechen nebst Sauzahn das Erdreich auflockere und zu neuem Volumen transformiere. Schmeck's.

Der Lehmkitt verklebt sofort die Rechenzähne zur Untauglichkeit und hebt das Fluchniveau auf italienische Verhältnisse. Neue Erde braucht das Land! Erde ist nicht gleich Erde, deshalb muss vor dem Kaufentscheid die gängige Sekundär- wie Populärliteratur zum Thema Gartenerde durchgeackert werden. Das internationale Standardwerk dazu Gartenerde, ein Mythos vom britischen Schlucht-&-Scheisza-Verlag gibt hier ganz klare Anweisungen: Kaufe die billigste, sie ist auch die preiswerteste Erde. Erst jüngst hat die Arbeiterkammer Österreich einen Blumenerdetest durchgeführt und dabei zeigen können, dass eh alle Erden ganz okay sind. 

Geschleppt, geschleppt, geschleppt

Die Preisspanne bewegt sich jedoch von vier Cent bis 60 Cent pro Liter Erde und macht einem den Kaufentscheid leicht. Ab ins Heimwerkerzentrum, auf den Kofferraum und rein mit den Packeln - den präveralen Endorphinschub muss man für solche Kraftakte umgehend nützen. Zwanzig Vierzigliterpackeln schnupft der Kofferraum, das Einladen geht noch recht flott von der Hand, steht der Wagen doch direkt vor der Ware. Das Ausladen hingegen schaut schon ganz anders aus. Kein Parkplatz vor dem Gartentor bedeutet, zwanzigmal mit einem Vierziglitersack im Arm den Block und etwaige Hundstrümmerln umrunden, bedeutet, sich anschleichende Bizepskrämpfe wegmassieren, und bedeutet heißes Wannenbad im Anschluss. Aber vorher muss noch geschleppt werden, geschleppt, geschleppt und noch einmal geschleppt.

Sukzessive schlichtet man die Packeln im Vorgarten auf, betrachtet stolz das Werk, saugt am Flaschbier und stellt fest, dass der Garten die eigentlich beträchtliche Menge neuer Erde aufschnupfen wird wie ein Austropopper das Straßerl in den Achtzigern. Wie nix. Die Tatsache, dass es noch vieler solcher Nachmittage brauchen wird, bis die Geländeoberkante der Beete wieder ihre vorwinterliche Höhe erreichen wird, lässt nun auch den Gärtner vor Verzweiflung flach wie Flunder werden, und damit ist er endlich wieder eins mit seinem Garten. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 16.03.2012)

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na bumsti, ...

... jetzt stelle ich mir vor, dass in ihrem garten die letzten 100 Jahre niemand nachgeschüttet hätte.

das loch wäre ja 20m tief ! ...

sind sie sicher, das unter ihnen keine U-Bahnbaustelle verläuft ?

hahahahahaha..ich liebe dieses posting ;-)

Wahrscheinlich flaucht ihm bloss ein Nachbar jedes jahr die frische Erden unter der Nasen weg ;-)

FAUMA & FLORA

Liebe Standard Redaktion:
Könnt ihr bitte einem ungebildeten erklären, was denn die Faummmmma ist, ich geh davon aus, dass es sich nicht um einen Rechtschreibfehler handelt, aber selbst Wikipedia kann mir nicht helfen. Vielen Dank!

DANKE ! made my day ...
ihren nickname find ich aber unpassend ...

überlegen sie mal - ihr posting war ja auch eher meier als schlau...

man könnte es Ihnen erklären,

aber was soll's?

lesen hilft!

...würd' ich sogar sagen.

Wenn Sie

die Kenntnis des Autorennamens als Büdung ansehen, dann vielleicht.

Ansonsten ist der Informationsgehalt eher minimalistisch; der Fadheitsfaktor dagegen ungemein hoch. Woltronniveau wird das nie und nimmer...

Preger, pssst ....

Is wos, Ora 600?

jetzt habens ...

... dem "schlau meier" seine rätselaufgabe verhaut.

Oh die Frage war jetzt

aber schon ein paar Blogeinträge nicht da!
Herr Fauma, gebe Sie's zu, das haben Sie selber geschrieben ;-p

gartenarbeit erledigt. heute vertikutiert und gedüngt - den rest macht meine holde.

man ersetze das wort austropopper durch discokellner mit migrationhintergrund; den schreiber durch herrn strache und der skandal ist perfekt.

Ein Wort zur Problematik des Torfs in Gartenerde

haette hier nicht geschadet, anstatt hier dem plumpen Preishammer zu schwingen: http://www.3sat.de/page/?sou... index.html

da kann ich nur zustimmen. das torfproblem in zusammenhang mit preisunterschieden bei gartenerde mit keinem wort zu erwähnen, ist wahrlich nicht ok.

nichts neues, allerdings ist das nicht für jeden leistbar

wenn man ganze beete machen, aufbessern, aufschütten oder sonstige größere projekte in angriff nimmt. standarderde schon für < 2 euro / 40 l zu haben, torffrei gut das 3,5 bis 4 fache.

da der unterschied sicher nicht alleine auf herstellungskosten zurückzuführen ist, gehe ich davon aus, dass den preis des umweltschutzes alleine der konsument zu tragen hat. hersteller und handel putzen sich ab und kassieren wahrscheinlich noch extra hohe margen mit der masche dem argument der umweltfreundlichkeit, tragen aber selbst nichts zu einem höheren einsatz dieser erde bei.

für größere mengen sollte man sich vielleicht erde anliefern lassen (m3 weise)

PS:

Ja, das Artensterben und der Verlust an wertvollen Biotopen ist nichts Neues...

Ich weiss,

dass das nichts Neues ist.

Ich waere dem Autor aber fuer einen Hinweis dennoch dankbar gewesen. Aber diese Kolumne kann leider nicht wirklich etwas. Zeitverschwendung haette ich fast gepostet...

naja preger,...

... aber sie müssen zustimmen, die sachkenntnis der posterkollegen mit den wirklich grünen daumen ist nicht ganz ohne, egal wie gut der artikel ist.

und sind wir uns ehrlich: wir lesen zuerst den artikel und denken uns dabei schon, wie denn die postings unten ausehen könnten ?

Doch, doch.

Ich habe Zweifel sowohl an der Sachkenntnis als auch am Schreibtalent des Autors. Ganz ohne Wenn und Aber.

mein garten wächst - sprich der wird immer höher, keine ahnung warum. ironie des schicksals - ich wär froh wenn er um 20cm sinken würd.

ps.: noch mehr solche aktionen, kompost von der MA48 usw. - ich empfehle ihnen dringend die anschaffung eins wagerls, rodel ect.- die bandscheiben werden es ihnen danken!

Auch eine Radeltruhe bietet sich an, braucht man als Hausbesitzer eh immer wieder.

Aber was wird da bei Ihnen höher, der ganze Garten samt Rasen, etc. oder der Gemüsegarten?

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