Roma sollen Unterricht in Muttersprache bekommen

Vorerst in einer Oberschule: "Roma wollen integriert statt isoliert werden"

Bukarest - In der rumänischen Hauptstadt Bukarest soll erstmals an einer Oberschule eine Abteilung mit Unterricht in der Romani-Sprache (Romanes) eingerichtet werden. Dies kündigte laut der Nachrichtenagentur "Mediafax" Premier Mihai Ungureanu am Dienstag an. Derzeit gibt es in Rumänien nur an Grundschulen Unterricht in Romani. Laut Ungureanu sei die Roma-Schule ein Beitrag zu "einer zivilisierten, nach europäischem Muster aufgebauten Gesellschaft". Den Schülern soll täglich mindestens eine warme Mahlzeit angeboten werden, erklärte der Ministerpräsident.

Die Roma-Oberschule geht auf die Bemühungen des Roma-Vertreters im Parlament, Nicolae Paun, sowie des Leiters der Minderheiten-Fraktion, Varujan Pambuccian, zurück. Verteidigungsminister Gabriel Oprea von der Fortschrittspartei (UNPR) stellte das Gebäude, eine ehemalige Kaserne, zur Verfügung. 

619.000 Personen

Die Roma-Minderheit setzt sich laut den vorläufigen Ergebnissen der Ende 2011 durchgeführten Volkszählung aus 619.000 Personen, also 3,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, zusammen, wobei geschätzt wird, dass zwei Drittel der Roma bei der Befragung ihre Herkunft verschweigen. Einige Nichtregierungsorganisationen schätzen die Anzahl der rumänischen Roma auf 2,5 Millionen.

Marian Vanghelie, der sozialdemokratische (PSD) Bezirksvorsitzende des fünften Bukarester Stadtbezirks, in dem die Schule eingerichtet werden soll, begrüßte die Initiative als "sehr gute Idee" und betonte, dass "diese Oberschule den Roma-Kindern, die derzeit keine Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen, sehr helfen wird".

Laut Madalin Voicu, einem bekannten sozialdemokratischen Politiker mit Roma-Herkunft, dient die Ankündigung des Premiers dazu, von der kontrovers diskutierten Regierungsverordnung zur Gründung einer ungarischsprachigen Fakultät an der Medizinuniversität im zentralrumänischen Targu Mures (UMF) abzulenken.

Gegen den Widerstand von zahlreichen Spezialisten, Studierenden und dem Senat der UMF hatte der Ungarnverband (UDMR) als Koalitionspartner die Gründung der ungarischen UMF-Abteilung durchgesetzt. Laut Voicu wünschen sich die Roma keineswegs "eine Trennung von der Mehrheitsbevölkerung, sondern wollen vielmehr integriert statt isoliert zu werden".

Separate Bildungseinrichtungen "konfus und falsch"

Auch erklärten Vertreter der Nichtregierungsorganisation "Bürgerlich-demokratische Allianz der Roma" (ACDR), dass die Implementierung von Lösungen zu einem besseren Zugang der Roma-Kinder zu Bildungseinrichtungen begrüßenswert sei, dass jedoch der Versuch, ein soziales Problem durch die Einrichtung separater Bildungseinrichtungen "konfus und falsch" sei.

"Statt die Integration zu stimulieren, fördern wir die Distanzierung zwischen ethnischen Gruppen", heißt es in einer Aussendung der ACDR. Zu den Kritikern der Initiative gesellte sich auch Magda Matache, Leiterin der Organisation "Romani Criss", die betonte, dass die Gründung der Oberschule das soziale Problem der Minderheit nicht lösen werde. In assimilierten Roma-Familien werde zudem nicht Romani gesprochen, so Matache. (APA)

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