EU nimmt Telekom-Spitzentreffen ins Visier

Misstrauen wegen Standardisierungen von Diensten - Aber kein Kartellverfahren gestartet

Die Spitzentreffen von Telekom-Chef Rene Obermann mit seinen Kollegen von den größten Konkurrenten haben die EU-Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen. EU-Kommissar Joaquin Almunia ließ seine Beamten bei der Deutschen Telekom und vier weiteren Telekom-Konzernen Informationen über die Zusammenkünfte einholen, wie Almunias Sprecher am Mittwoch in Brüssel erklärte. Die Behörde frage nach, wie Standardisierungen von Mobilfunkdiensten zustande kämen. Neben der Deutschen Telekom gerieten France Telecom, Telefonica, Telecom Italia und Vodafone ins Visier. Doch damit sei kein Kartellverfahren eröffnet, ergänzte der Sprecher. "Diese Faktenprüfung bedeutet nicht, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt wettbewerbsrechtliche Bedenken haben."

Wettbewerbshüter

Auch der Mobilfunkverband GSMA erhielt den Fragebogen der Kommission. Die Wettbewerbshüter bitten darin um Informationen zu den Treffen der Vorstandschefs. Diese sahen sich seit Oktober 2010 gelegentlich und tauschten sich über Entwicklungen in der Branche aus, zuletzt am Rande des Branchenkongresses in Barcelona. Angestoßen hatte die Zusammenkünfte der Chef von France Telecom, Stephane Richard. Ein Thema war dabei nach früheren Äußerungen von Richard zum Beispiel, ob die Telekom-Konzerne mit einem gemeinsamen Angebot für Dienste auf Smartphones, sogenannten "Apps", Google und Apple besser Konkurrenz machen könnten.

Kein Geheimnis aus Treffen gemacht

In den Unternehmen sorgte das Auskunftsersuchen der Kommission für Verwunderung. Die Konzernchefs hätten kein Geheimnis aus ihren Treffen gemacht, hieß es in Kreisen der Konzerne. Um keinen Verdacht wettbewerbswidrigen Vorgehens aufkommen zu lassen, hätten stets Anwälte teilgenommen. Nach den Sitzungen seien den EU-Behörden außerdem Protokolle zu den Gesprächen geschickt worden.

Keine gute Stimmung

Die Stimmung zwischen den Telekom-Konzernen und der EU-Kommission ist derzeit ohnehin nicht gut. Zum Branchengipfel in Barcelona kam es zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Vodafone-Chef Vittorio Colao und Telekommunikationskommissarin Neelie Kroes über verordnete Preissenkungen im Mobilfunk. Colao hatte der EU blinde Regulierungswut vorgeworfen. Kroes giftete zurück, sie kämpfe für mehr Wettbewerb zum Vorteil der Mobilfunk-Kunden und lasse sich von den Konzernen nichts vormachen. (APA/Reuters, 14.03.2012)

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1 Posting
das wiener demel hätte vielleicht noch eine loge frei...

da mit die ceos einen round table werfen können...

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