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ÖBB steht immer noch für Österreichische Bahn-Bürokratie: Was am Westbahnhof gänzlich unmöglich scheint, klappt am Grazer Hauptbahnhof in zwei Minuten.
Nennen Sie mich naiv, aber als ich diesen Februar am Westbahnhof in Wien nach einer "Vorteilscard Presse" fragte, wusste ich nicht, worauf ich mich eingelassen hatte.
Von Kollegen hatte ich zwar gehört: Man bekommt die "Vorteilscard Presse" nicht gleich so, man muss sie beantragen und erhält sie ein paar Wochen später. Die Antwort des ÖBB-Schalterbeamten am Westbahnhof traf mich dennoch hart: Ich könne die "Vorteilscard Presse" nicht im Reisezentrum beantragen, ich müsse dafür in die ÖBB-Lounge. Einen Stock höher.
Oben sagte mir eine junge Frau: Die Auskunft des Kollegen unten sei falsch, ich könne diese nur telefonisch beantragen. Interessant, dachte ich: Man begibt sich zum Westbahnhof und geht leer aus.
Wien: Zwei Briefe und mehrwöchige Wartezeit
Ich sah mir die Rückseite meiner "Vorteilscard Classic" an. (Im Vorjahr war ich noch nicht auf die kluge Idee gekommen, mich ums Privileg der "Vorteilscard Presse" zu bemühen.) Auf der Rückseite stand die Nummer der "Service-Line". 1. Anruf. Sachbearbeiterin: Diese Nummer ist nicht mehr gültig für Belange der "Service-Line". Sie gab mir eine andere Nummer, durchstellen könne sie mich nicht. 2. Anruf. Sachbearbeiterin: "Ja, Sie müssen uns eine Kopie Ihres Presseausweises und ein Passfoto zusenden, dann senden wir Ihnen den Antrag zu, den Sie uns dann ausgefüllt zurücksenden." Meine Frage: Kann ich nicht Presseausweis-Kopie, Passfoto und Antrag zugleich schicken? "Nein."
Graz: Kein Problem
Ein wenig zermürbt von der Bahn-Bürokratie ließ ich das Unterfangen ein paar Wochen ruhen. Bis ich gestern am Grazer Hauptbahnhof nach dem nächsten Zug Richtung Wien fragte. Ohne große Erwartung zückte ich dann noch den Presseausweis und fragte, wie man denn zu einer "Vorteilscard Presse" komme. Frau B. kopierte den Ausweis, machte einen Anruf und überreichte mir die provisorische "Vorteilscard Presse". Mit einem Lächeln. Ungelogen.
Als ich Frau B. erzählte, am Schalter in Wien sei das nicht möglich gewesen, kleidete sie meinen Verdacht in treffende Worte: "Die haben wahrscheinlich keine Lust gehabt."
PS: Falls Sie sich fragen, was eine "Vorteilscard Presse" bringt: Man zahlt nur 49,50 Euro (statt 99,90 Euro für die "Vorteilscard Classic"). Zweitens: Man zahlt ein 2.-Klasse-Ticket und darf in der 1. Klasse sitzen. Und ja, auch als junger Inhaber der "Vorteilscard Presse" wundere ich mich darüber. Und bin mir bewusst, ich kann jetzt nicht mehr Tiroler Landesrat oder deutscher Bundespräsident werden. (Mit der "Bahncard 50 für Journalisten" in Deutschland kriegen Redakteure übrigens keinen automatischen 1.-Klasse-Platz. Aber wir sind ja in Österreich.) (Lukas Kapeller, derStandard.at, 14.3.2012)
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geil!
ich finde es immer lustig, wenn sich selbst auserwählte "Aufdecker" aufpudeln, vergaloppieren und ohne jede Bedrängnis ins eigene Knie schießen.
Das alleine ist schon lustig, und auch das ergebnis passt: Nun auch keine Rabatte für Journalisten mehr! (warum auch?)
Für Medienunternehmen sollte für Reisekosten auch eine Businesscard reichen mit der sie ihre Mitarbeiter auf Zugreise schicken. Freie Journalisten müssen dann eben wie freie andere Berufstätige auch alle Kosten aufs Honorar aufschlagen, oder eben aus der eigenen Tasche bezahlen. Welcome to real life!
Liebe ÖBB abschaffen das Ding!!!!!!
Die Grundlage für alle Tarife bei österr. Eisenbahnen ist der Österreichische Eisenbahn-Personen- und -Reisegepäcktarif (ÖPT). Im Punkt 2. Tarife werden Ermäßigungen behandelt:
2.2
Die Eisenbahn wendet die Tarife gegenüber jedermann in gleicher Weise an. Sie kann jedoch für Zwecke der öffentlichen Verwaltung, für Wohlfahrtszwecke und für den Eisenbahndienst sowie aus kaufmännischen Rücksichten im Einzelfall die Beförderungspreise und die Nebengebühren ermäßigen sowie sonstige Begünstigungen gewähren.
Also für mich gehören Journalisten weder zur öffentlichen Verwaltung, wenn alle Journalisten diese VC C Presse bekommen können kanns auch nicht um Wohlfahrtszwecke gehen und kaufmännische Rücksichten können das wohl auch nicht sein!!!
Daß sich jemand traut, die Geschichte von der Inanspruchnahme einer Presse-Vergünstigung fürs Zugfahren (!!) auch noch unter eigenem Namen zu veröffentlichen.... das zeugt schon auch irgendwie davon, daß da kein Fünkchen Unrechtsbewußtsein herrscht.
War letztens in Oberösterreich - Salzkammergut. Die gute Laune der Leute ist mir schon fast unangenehm gewesen.
Ich glaub, ich brauch mitlerweile das Wiener grantlertum. Ich will im Geschäft und vom Kellner angeschnauzt werden :-)
Diese Vorteilscard Presse wird ja auf der ÖBB Homepage nicht einmal erwähnt, deren Existenz scheinen die ÖBB gar nicht so hinausposaunen zu wollen... Dieser Artikel wird hoffentlich einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Ungerechtigkeit bald abgeschafft wird...
Obwohl Sie solche Vorteile genießen ziehen Sie die ÖBB dermaßen in den Dreck, Sie sind wirklich unbestechlich. Vor allem was interessiert es mich wie kompliziert es ist an eine Karte ranzukommen, die nur einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung zugänglich ist.
kriegen auch mehr geld als der bp, eine pension in höhe von 3.333,33 euro pro monat, einen bordellbesuch pro woche (auf krankenkassenkosten natürlich), eine flotte an privatjets steht über ganz österreich verteilt startbereit zur verfügung, sie kriegen eine gratis-parkkarte für das gesamte stadtgebiet (zumindest in wien), gratislogen am opernball, usw...
Was ein Journalist verdient ist nicht von Belang. Wichtig ist, dass auch Journalisten überaus oft schöne Vorteile wie eben die "Vorteilscard Presse" haben. Ein Fall von Korruption? Keine Ahnung. Das hindert aber Journalisten nicht, sich an Politikern abzureiben, wenn diese mal einen Dienstwagen einen Kilometer zu oft benutzen. Lieber mal vor der eigenen Haustüre kehren. Fast jede Berufssparte hat ihre Vor- und Nachteile und auch Journalisten haben eine große moralische Verantwortung, der sie erst gerecht werden müssen bevor sie über andere Urteilen. D.h. weg mit den ganzen Vergünstigungen und DANN sich über korrupte Politiker aufregen!
man liest das zwar immer wieder, aber das macht es nicht richtiger.
die meisten journalisten sind keine schnäppchenjäger mit presseausweis.
die sagenhafte vorteilscard ist gerade für (junge) freie journalisten einfach notwendig. die müssen nämlich von ihren sehr oft kargen honoraren nicht selten sämtliche kosten die ihnen bei der recherche entstehen selbst decken.
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