Medizin-Uni Wien: Frauen werden bei Aufnahmetest milder beurteilt

Rosa Winkler-Hermaden
14. März 2012, 14:02
  • An der Medizin-Uni Wien waren 2011 rund 56 Prozent der Testteilnehmer 
Frauen, der Frauenanteil der zum Studium Zugelassenen betrug aber nur 43,1 Prozent.
    foto: lilli strauss/dapd

    An der Medizin-Uni Wien waren 2011 rund 56 Prozent der Testteilnehmer Frauen, der Frauenanteil der zum Studium Zugelassenen betrug aber nur 43,1 Prozent.

ÖH: Studentinnen würden als "Quotenfrauen" abgestempelt - Rektor der Grazer Medizin-Uni: "Kein gutes Signal für Frauen"

Am 6. Juli finden an allen drei medizinischen Universitäten Österreichs wieder die Eignungstests für das Medizinstudium statt. In Wien gibt es dieses Jahr eine Neuerung: Die Auswertung des Eignungstests (EMS-Test) erfolgt getrennt nach Geschlechtern. Das hat die Medizinische Universität Wien im Dezember 2011 in ihrem Mitteilungsblatt verkündet. "Die Ermittlung des Testwerts erfolgt genderspezifisch", heißt es dazu in Paragraf 10.

Man reagiert damit auf das schlechtere Abschneiden der weiblichen Bewerberinnen im Vergleich zu den Männern. An der Medizin-Uni Wien waren 2011 rund 56 Prozent der Testteilnehmer Frauen (2010: ebenfalls 56 Prozent), nach der Auswertung betrug die Frauenquote bei den zum Studium Zugelassenen aber nur 43,1 Prozent, geringfügig mehr als 2010 (42 Prozent). Die Medizin-Uni Wien will diese geschlechterspezifische Unausgewogenheit mit einer neuen Auswertungsmethode ausgleichen. 

"Nachteilsausgleich"

"Es ist keine Frauenbevorzugungsmaßnahme", hält Vizerektorin Karin Gutiérrez-Lobos im Gespräch mit derStandard.at fest. Seit Einführung des EMS-Tests habe es immer einen großen Gender Gap gegeben, der in der Öffentlichkeit sehr kritisch gesehen wurde. "Wir nehmen nun einen Nachteilsausgleich vor und werten Frauen und Männer getrennt aus."

Der Vorstoß löst aber auch Kritik aus, da gleiche Leistungen ab sofort nicht mehr gleich bewertet werden. Medizinstudentinnen würden künftig als "Quotenfrauen" abgestempelt, "auch wenn sie von der geschlechtsspezifischen Auswertung nicht profitiert haben", befürchtet die ÖH Medizin Uni Wien.

"Diskriminierung beider Geschlechter"

Wie funktioniert die mildere Beurteilung in der Praxis? Die Zulassung zum Medizinstudium erfolgt über den Testwert, der sich aus der Gesamtpunktezahl und dem Mittelwert berechnet. Jedoch wird ab heuer der Mittelwert für beide Geschlechter getrennt bestimmt anstatt wie in den Vorjahren für alle Teilnehmer gemeinsam. "Dies führt nach der Berechnung des entscheidenden Testwerts bei gleicher Leistung im Test zu einem höheren Wert für Studienwerberinnen als für Studienwerber. Dies stellt eine deutliche Diskriminierung beider Geschlechter dar", sagt Christian Orasche, Vorsitzender der ÖH Medizin Uni Wien.

Bemühungen, dass gleich viele Frauen wie Männer den Einstieg in das Medizinstudium schaffen, gibt es schon länger. Die Frauen-Erfolgsquote bei den Aufnahmetests für das Medizinstudium ist aber 2011 an allen drei Medizin-Unis nur geringfügig gestiegen. Von den insgesamt 1.530 Studienplätzen an den Standorten Wien, Innsbruck und Graz gingen 682 an Frauen (44,6 Prozent), im Jahr 2010 waren es 643 (43 Prozent). Die Frauenquote bei den Testteilnehmern Anfang Juli 2011 lag bei 56 Prozent (2010: 55 Prozent).

Eine Ausnahme stellte die Grazer Medizin-Uni dar: Dort konnten die Bewerberinnen beinahe die Hälfte der Studienplätze (48 Prozent; 2010: 43 Prozent) ergattern. Die Grazer Uni verwendet einen selbst entwickelten Test, während die Unis in Wien und Innsbruck auf den Schweizer EMS-Test zurückgreifen. Letzterer steht in der Kritik, weibliche Studienanwärter strukturell zu benachteiligen.

"Kein gutes Signal"

Die Medizin-Unis in Graz und Innsbruck reagieren zurückhaltend auf den Vorstoß der Wiener Kollegen, die Frauen getrennt auszuwerten. In Innsbruck will man die weiblichen Bewerberinnen nicht milder beurteilen, wie es auf Nachfrage von derStandard.at heißt.

Auch Josef Smolle, Rektor der Medizin-Uni Graz, kann sich nicht vorstellen, die weiblichen Bewerberinnen milder zu beurteilen als die männlichen Kollegen. "Für mich stellt sich die Frage: Haben Frauen es nötig, mit zweierlei Maß gemessen zu werden?" Seine Antwort lautet: "Nein." Frauen und Männer seien völlig gleichberechtigt: "Ich glaube, dass die mildere Beurteilung kein gutes Signal für die Frauen ist."

Zu den Plänen, die Eingangstests österreichweit zu vereinheitlichen (derStandard.at berichtete), sagt Smolle: "Es wäre ein gutes Unterfangen, einen gemeinsamen Test zu machen." Gerne will er die Grazer Expertise allen Medizin-Unis zur gemeinsamen Weiterentwicklung zur Verfügung stellen, wie er sagt. Der Grazer Test beziehe auch die Lernbereitschaft und die sozialen Kompetenzen ein. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 14.3.2012)

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Posting 1 bis 25 von 1115
entweder sind alle Menschen gleich oder nicht :-)

wenn ich etwas nicht schaffe, bin ich benachteiligt

bin imme rnoch nicht Bundeskanzlerin - sollte ich klagen?! :-)))

arme Frauen, das sie das nötig haben

Die Lüge: Frauen seien benachteiligt

Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (Frauenprivilegiengesetz):
§ 11a. Frauenförderungspläne
§ 11b. Vorrangige Aufnahme in den Bundesdienst
§ 11c. Vorrang beim beruflichen Aufstieg
§ 11d. Vorrang bei der Aus- und Weiterbildung
"Positive Diskriminierung" = Frauen sollen per Gesetz in allem bevorzugt werden.
PRIVILEGIEN - BEVORZUGUNG - MÄNNERUNTERDRÜCKUNG

Beispiel der Realität von Heute:
Grillparzer Volksschule für Mädchen und Buben
Lehrer: 100% FRAUEN
http://www.vsstpoelten-grillparzer2.ac.at/lehrer.htm
Schwerpunkt dieser Schule für Buben und Mädchen:
"Förderung besonders begabter SCHÜLERINNEN"
http://www.vsstpoelten-grillparzer2.ac.at/wirueberuns.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Masculism

whnsinn, kaum zu glauben

"Die Lüge: Frauen seien benachteiligt"
Um das zu widerlegen müssen sie lediglich ein geschichtsbuch lesen oder sich oberflächlich mit weltreligionen auseinander setzen.

viel erfolg

:-)

Geschichtsbücher schreiben ja leider u.a. die Wahrheit... das Frauen wenig die Verantwortung außerhalb des Hauses Männers überlassen haben

...von einer Frauem, die keine Komplexe hat zuzugeben, das wir in der Vergangenheit geschlafen haben...was aber auch ok war

Früher wurde Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung mal so verstanden, dass dem Prüfer weder Geschlecht noch Aussehen noch Alter bekannt sein durften...
Wie sich die Zeiten doch ändern.

Tja, nur blöd, dass sie schon vorgedacht haben und 90€ pro Kandidat/Kandidatin kassieren.
Sonst hätt ich vorgeschlagen, dass sich 1000 Männer anmelden und nen miserablen Test abgeben. Dann wären die meisten der Männer, welche ernsthaft antreten, automatisch durch... ;P

es reicht, wenn 100 nichtskönner antreten, um den nachteil auszugleichen. in zeiten der sozialen netze im www sollten sich doch 100 leute finden, die antreten und 100 ernsthafte kandidaten, die das bezahlen.

vorschlag:

50% der besten männer, 50% der besten frauen - bei allen prüfungen und tests usw.

Genau das versucht die neue Regelung ja zu bezwecken,

da allerdings der Testwert von Mittelwert und Standardabw. d. Punktwerts abhaengt, koennte das je nach Verteilungsmuster auch nach hinten losgehen (das wird es bei den oesterreichischen TeilnehmerInnen in absehbarer Zeit nicht, die Deutschen haetten aber eventuell Grund zur Beschwerde).

Schon bisher wurden ja die jahrgangsweise berechneten Testwerte zum Vergleich herangezogen, bzw. konnte ein Testwert fuers naechste Jahr "mitgenommen" werden.

Wieder mehr Frauen in der Medizin wie vor EMS-Zeiten moegen wuenschenswert sein, die grossen Fragen zum Test bleiben ungeklaert: wer will warum Medizin studieren - sind d. Motivationen zwischen den Geschlechtern samt Gap fuer OesterreicherInnen unterschiedlich? Welche Relevanz hat d. EMS f. d. Beruf?

Sie wissen schon, dass dann trotzdem Patienten draufzahlen müssen?

wieso nicht

ich finde das ehrlichgesagt nicht schlimm - wenn dieser absurde test für männer wirklich leichter sein sollte, kann mit die bewertung anpassen - die dinge, die gefragt werden haben ja oft nur sehr entfernt mit den wünschenswerten fähigkeiten eines zukünftigen arztes zu tun... bin sicher, wenn man soziale kompetenz bewerten würde, würde der frauenanteil rapide steigen.

diese prognose halte ich für zumindest gewagt. der unterschied bei der sozialen kompetenz, sofern es einen gibt, ist sicher nicht so groß, auch wenn du, aus mir nicht ersichtlichen gründen, sehr davon überzeugt scheinst. vielleicht wären da ja auch die männer vorne, wer weiß.
soziale kompetenz halte ich für etwas erworbenes, wobei als basis erfahrungen der kindheit eine wesentliche rolle spielen dürften. dabei ist, abgesehen von den durch die umwelt vermittelten rollenbilder, wenig unterschied bei den geschlechtern zu beobachten, vor allem neurologisch (bis pubertät). die verarbeitung der wahrnehmungen dürfte demnach ebenfalls wenig unterschiede aufweisen.
ich halte diese fähigkeit jedenfalls für vollständig unabhängig vom geschlecht.

Eben nicht!
Der Test war mal neutral und wurde dann mit Lustigfragen auf Frauen hingetrimmt - sie schaffen es aber trotzdem nach wie vor nicht.

na dann ist er ja offensichtlich nicht neutral!

Nicht neutral in Österreich

Ich denke, dass ist das größte Problem. In der Schweiz beispielweise ist der Geschlechterunterschied eher marginal, in Österreich signifkant. Statt sich zu überlegen, was da im österreichischen Schulsystem schief läuft, wird halt lieber kaschiert, weil leichter. Genau dasselbe mit den Deutschen, die besser bei Aufnahmetests abzuschneiden scheinen. Statt sich Gedanken zu machen, was mit unserem Bildungssystem nicht stimmt, dass so ein Ungleichgewicht produziert, wird lieber versucht mit Quoten nachzuhelfen.

Abwertung der Frau!

Ich bin Medizinstudent in Innsbruck.
Meine Meinung dazu:
1. Der EMS ist eingeführt worden, um die "best Geeignetsten" zu selektionieren (ich sage nicht, dass er das tut). Wenn das mehr Männer sind, dann sind sie offenbar fähiger.
2. Bei den Prüfungen bestehen meist mehr Frauen. Auch in meinem Jahrgang sind mittlerweile mehr Frauen, obwohl wir mit mehr Männern gestartet haben.
3. Mir, als Frau, machen diese ganzen "Aufwertungen" der Frau mehr Leid als Freud. Wie soll ich später mal in meinem Job respektiert werden, wenn die Leute vermuten werden, dass ich alles nur wegen Quoten geschafft habe?

bin gespannt

wanns den mist bei uns in ibk einführn... obwohls ja heuer (ems 2011) das erste mal ziemlich ausgeglichen war...

3. kann dir nur zustimmen, bin ebenfalls Medizinstudentin in innsbruck

noch wer aus innsbruck! grüße aus dem 4. semester!

Wir werden immer mehr!

Und für Pippi:
Du, als Frau, hast deine Aufwertung, weil du in Innsbruck studierst. Aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass man mit Innsbruck-Absolventen in neutralen Bundesländern (ad exemplum OÖ) hochzufrieden ist. Egal ob männlich oder weiblich.

nach jahrzehnten der frauenemanzipation kommt man in der meduni wien zum schluss, die frauen brauchen einen "nachteilsausgleich"

wäre es nicht klüger wenn man den unterschied afu den grund gehen würde,
in der schweiz und deu soll es ja kaum unterschiede geben?

der unterschied ist relativ klar

frauen werden in der AHS aufgrund ihres benehmens (machen brav HÜ s, reden nciht raus etc.) mit besseren Fachnoten ausgestattet.

die Lehrer bestrafen schlechtes Benehmen noch imemr mit Fachnoten udn nciht rein mit der Betragensnote...

dadurch entsteht der Schein, dass Frauen bessere Schulnoten haben..

bei einem unabhängigen UNI-Test, gibt es dann keinen "Betragensbonus" mehr..und siehe da von einem Monat aufs andre (Matura: Frauen besser Aufnahmetest: Männer besser)
ändert sich das plötzlich...

und jetzt will man den Grund der überhaupt für alles verantwortlich ist (Frauen wurden "bevorzugt" obwohl sie das gar nicht nötig hatten, denn sie sind genauso gut wie männer)
in die UNI übertragen...

na ob das viel helfen wird...

noch viel schlimmer ist es als du schilderst

durch die von dir angegebene haltung der lehrer wird es männern erschwert überhaupt die matura zu machen.
es gibt, ganz offiziell, 1/3 mehr männliche als weibliche schulabbrecher vor der matura.

d.h.bei den männern wird schon vorher stark ausgesiebt und sie haben nicht die formale berechtigung beim aufnahmetest anzutreten, während frauen mit gleichem level die matura trotzdem machen.

d.h. der durchschnittslevel der maturahabenden männer ist dadurch höher als der der frauen - und dies ist die logische ursache, daß mehr männer den aufnehmetest schaffen als frauen.
denn die männer, die scheitern würden, scheiterten schon vor der matura und nicht erst beim aufnahmetest.

Das Verhaeltnis der SchulabbrecherInnen duerfte auch mit dem Phaenomen "Pubertaet" zusammenhaengen, das ich als Kulmination der sozialen Ungleichbehandlung definieren wuerde.

Da gehoeren natuerlich auch genderspezifische Beurteilungen in Heim, Gesellschaft und Schule dazu, die angepasstes Rollenverhalten belohnen: bei Frauen eher bemueht sein (Bravheit wird vorausgesetzt), bei Maennern eher Mitdenken und zuendende Ideen (Faulheit wird nur in diesem Fall akzeptiert und fuehrt sonst zum Ausschluss). Siehe etwa die einschlaegigen Untersuchungen zu Genderunterschieden im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht ...

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