Verunglückter Bus in der Schweiz: Gesellschaft hatte "exzellenten" Ruf

14. März 2012, 15:50
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    grafik: apa

28 Tote bei Unfall in Autobahntunnel - 22 Kinder unter den Opfern - Übermüdung des Busfahrers wird ausgeschlossen

Siders - Bei einem schweren Busunglück im Schweizer Kanton Wallis sind 28 Menschen ums Leben gekommen, darunter 22 Kinder. Wie die Behörden Mittwochfrüh mitteilten, prallte der Reisebus in einem Autobahntunnel aus noch ungeklärten Gründen frontal gegen eine Nothaltestelle. In dem Bus mit 52 Insassen befanden sich zwei Schulklassen aus Belgien, die sich nach den Skiferien auf der Heimreise befanden. Der belgische Außenminister sprach von einem "unverständlichen" Unfall - kein anderes Fahrzeug sei daran beteiligt gewesen.

Die Angehörigen der Opfer sollten am Nachmittag per Flugzeug in die Schweiz kommen. Die zwei Militärflugzeuge können 82 Personen aufnehmen und werden die Familien nach Genf fliegen. Psychologen sollten die Angehörigen auf ihrem Flug in die Schweiz begleiten. Belgien schickt darüber hinaus ein spezialisiertes Team für die Opfer-Identifizierung in die Schweiz. Auch der belgische Premier Elio Di Rupo wollte noch am Mittwoch in die Schweiz reisen, begleitet vom flämischen Ministerpräsidenten Kris Peeters. König Albert II. zeigte sich "tief betroffen" von der Nachricht des Unfalls.

Meiste Opfer sind Kinder

Der verunfallte belgische Bus gehört der Busgesellschaft Toptours. Die Gesellschaft habe einen "exzellenten" Ruf, sagte der belgische Staatssekretär für Verkehr, Melchior Wathelet. Die Busfahrer seien am Vortag im Val d'Anniviers eingetroffen, sagte Wathelet nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Sie hätten den Dienstag vor Ort verbracht, "es scheint, dass die Vorschriften über die Ruhe- und Fahrzeit eingehalten wurden".

Die meisten Opfer sind Kinder im Alter von zwölf Jahren, die im Val d'Anniviers in den Skiferien waren. Bei der Reisegruppe handelte es sich um zwei Schulklassen aus den flämischen Städten Lommel und Heverlee. Neusten Informationen zufolge stammen mindestens sieben Kinder aus den Niederlanden. Dabei ist nicht klar, ob sie sich unter den Verletzten oder den Todesopfern befinden. Insgesamt starben 22 Kinder und sechs Erwachsene - darunter auch die beiden Chauffeure. 24 weitere Kinder wurden verletzt. Sie wurden in vier Spitäler im Wallis gebracht; drei besonders schwer verletzte Kinder wurden in die Unispitäler von Lausanne und Bern geflogen.

Einsatzkräfte arbeiteten die ganze Nacht

Der Reisebus war am Dienstagabend gegen 21.15 Uhr in dem Tunnel der A9 bei Siders aus noch ungeklärten Gründen auf die rechte Seite geraten. Dort hatte er Randsteine touchiert und war in der Folge frontal in eine Nothaltenische geprallt. Die Rettungsaktion im Tunnel dauerte die ganze Nacht.

60 Feuerwehrleute, 15 Ärzte, 100 Sanitäter, zwölf Krankenwagen, acht Hubschrauber, drei Tieflader und drei Psychologen waren am Unglücksort im Einsatz. Alle 24 Überlebenden des Unglücks erlitten Verletzungen, nach Polizeiangaben gab es drei Schwerverletzte. Die Rettungskräfte berichteten von "schockierenden Szenen". Die Polizei sprach von einer "nie dagewesenen Tragödie".

Der verunfallte Bus sei zusammen mit zwei weiteren Bussen aus Belgien unterwegs gewesen, sagte Belgiens Außenminister Didier Reynders. Diese seien jedoch nicht in den Unfall verwickelt gewesen und hätten ihre Reise fortsetzen können. Die Schüler der Grundschule Hommel sind bis vor zwei Jahren immer mit dem Zug in die Skiferien gefahren. Das gab die Schulleitung der Stadt am Mittwoch bekannt.

"Drama wird ganz Belgien erschüttern"

Eine Tragödie dieses Ausmaßes habe es im Wallis noch nie gegeben, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Christian Varone, am Mittwochmorgen. "Dieses Drama wird ganz Belgien erschüttern", sagte der Botschafter Belgiens in der Schweiz, Jan Luykx.

Der rund 2,5 Kilometer lange Tunnel bei Siders ist im November 1999 eingeweiht worden. Täglich passieren laut der Walliser Dienststelle für Straßenbau durchschnittlich 15.000 Fahrzeuge den Tunnel. Er ist in beide Richtungen mit je zwei Fahrspuren ausgestattet. In den Tunnelröhren herrscht kein Gegenverkehr. (APA, 14.3.2012)

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mMn ist die Konstruktion dieser Notfallnische schuld. Ausgerechnet in Fahrtrichtung endet diese in einer 90 Grad Wand...

Wäre diese schräg, oder zumindest eine schräge Leitschiene davor, wäre der Unfall weit milder ausgefallen.

Den Bus hats durch eine kleine Unaufmerksamkeit mit tuschieren des Randsteines einfach nach rechts "gewankelt" (geschleudert). Das Pech war dann diese kurze Distanz zu dieser Wand, dass der Fahrer den Bus nicht mehr aussteuern und abfangen konnte und noch dazu mit ziemlich unverminderter Geschwindigkeit dort "draufklatschte".

Zum Bremsen ist der gar nicht mehr gekommen.

Dieses Detail sollte man sich gleich generell in allen Tunneln ansehen...

Die Leitschienen waren angeblich vorhanden und nach EU-Norm aufgestellt

in Deutschland sind solche 90° Wände verboten,seit 2002 wurde alle Tunnel mit solchen Wänden geändert und mit Leitschienen versehen.

full ack, hab mir auch schon selbst bei gleichen gegebenheiten in österreichischen tunnels gedacht, das ist sehr gefährlich - ich glaub im arlbergtunnel gibt es auch so eine stelle.

mein herzliches beileid an die angehörigen.....
....mehr kann und will ma da ja eigentlich nicht sagen.....

Ich frage mich,

ob es aus Sicht der Sicherheit besser ist, im Car vorne oder hinten zu sitzen (oder im Mittelgang zu stehen). Aufgrund der Bilder kann man nur einen Schluss zulassen.

Ausserdem bin ich mir da nicht mehr ganz sicher, aber soweit ich in Errinnerung habe, gibt es in den meisten Cars auch nur Zwei-Punkt-Gurte, und ob diese bei solchen Aufprällen genügen Schutz bieten, ist fragwürdig.

Heute auf Galileo wurde genau diese Frage beantwortet.

Ich finde es nicht nur zynisch, sondern auch noch hochgradig bescheuert zu fragen, wo ich mich hinsetzen muss, damit MIR nichts passiert. Irgendwer MUSS vorne sitzen, ob es ihm/ihr passt oder nicht. Allein die dämliche Frage, wo es in einem Fahrzeug am sichersten ist.... ich mein, muss man dem Egoismus und der Kaltschnäuzigkeit derart Vorschub leisten?

Naja, hinten, ausser es fährt ihnen ein...

...anderer Reisebus oder ein Schwerlaster ungebremst hinten drauf...

scheiße.

Bei Linienflugzeugen immer zwei Piloten gleichzeitign fliege

Wieso also nicht auch zwei Fahrer gleichzeitig bei Bussen?

Fahrer 1 lenkt, Fahrer 2 sitzt vor seinem eigenen Lenkrad und kann jederzeit die Kontrolle übernehmen falls Fahrer 1 einen Herzinfarkt o. Ä. hat. Solche Situationen werden natürlich regelmäßig im Bussimulator geübt, damit Fahrer 2 blitzschnell reagieren kann.

Wie im Flugzeug stehen auch hier auch viele Menschenleben auf dem Spiel, also sollten ähnliche Sicherheitsstandards gelten.

Natürlich würde das ganze mehr kosten, aber im Flugverkehr ist das ja auch keine Ausrede.

Du glaubst also, bei einen Linienflug sitzen permanent beide Piloten am Steuer, von denen einer immer “lenkt“ ?

Wenn man keine Ahnung hat, sollte man solche Vergleiche besser lassen.

weil der eine fahrer sich normalerweise ausruht wenn der andere fährt?!

hätten sicherheitsgurte was geholfen? hab ich mir schön ofters gedacht in reisebussen...in pkws is ja auch vorschrift, wieso nicht auch in bussen?

Nicht in den vorderen 4, 5 Sitzreihen...

...die ja komplett zerquetscht wurden.

Aber ja, man sollte die Gurtpflicht in Reisebussen trotzdem einführen (und von Seiten der Passagiere auch einhalten).

Die Kinder waren angegurtet, sagen die Nachrichten.

es ist auch vorschrift in bussen

nur kontrollierts keiner und macht daher auch keiner!

Ein Blick aufs Handy reicht... 2-3- Sek.

...ich sehe soviele, die herumtipseln auf Ihrem Handy während der Fahrt, dabei sind es genau diese 3 Sekunden die fatal sein können .

mein taxi ist vor kurzem (im ausland) ungebremst in ein stehendes auto gerast, weil der fahrer gesmst hat. war ziemlich heftig...

Haben sie dann für diese Unfallfahrt den vollen vereinbarten Fuhrlohn bezahlt, oder...

...sind sie einfach ausgestiegen und ohne zu zahlen weggegangen?

Wenn man fragen darf.

Bei mir war das auch einmal,,,aber der blick etwas bestimmtes :)

Es ist am ende noch gut gegangen die verflixten 3 sec.

Bei mir war das auch einmal,,,aber der blick etwas brstimmt

Das mag sein, jedoch wird das wohl kaum ein Busfahrer machen, der Kinder transportiert ... Ich mag eigentlich gar nicht spekulieren, aber wenn ich an eine Ursache glaube, dann das der Fahrer vllt. einen Herzinfakt oder einen Zusammenbruch erlitten hat und es auf diese Weise zu diesem schrecklichen Unglück gekommen ist. Die Untersuchungen werden das schon zeigen.

Nur die armen Kinder ... deren Familien ... die Familien der Lehrer ... aber was hilfts es ist passiert einfach nur traurig ...

ja eh, nur sollte man auch seine Handyaktivität während der letzten Minuten checken, vielleicht gabs Stress zu Hause.. das könnte einiges erklären warum man abgelenkt ist.

Das macht die Polizei mit Sicherheit, das ist Routine bei...

...solchen schweren Unfällen. Es wird auch das private Umfeld durchleuchtet, ob er z.B. depressiv war, irgendwann einmal Selbstmordgedanken geäussert hat, etc. etc.

Bitte, könnt ihr euch für eure Tratschereien einen anderen Artikel suchen? Das ist ja unter jedem Niveaul.

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