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Anna und die Liebe der Küniglberger zum Schrebergarten: Kein Vorabend ohne Nina (Mariadig) und ihre Probleme mit Luca und Nick, kein Platz für Pressburg und Prag.
Der STANDARD von Montag, 12. März, berichtet auf der Kulturseite, dass der ORF ein Angebot des tschechischen Fernsehens abgelehnt hat, gemeinsam eine Sendereihe zu produzieren, in der "die Entwicklung des nachbarschaftlichen Verhältnisses zwischen den beiden Staaten dargestellt werden sollte" mit Blick auf Geschichte, Politik, Ökonomie, Kultur und Tourismus. Argumentiert wird die Ablehnung mit: leider kein Geld, kein Personal, kein geeigneter Sendeplatz. Als langjähriger Mit-dem-ORF-Lebender - als Gestalterin wie als Konsumentin - zieht es einer bei dieser wehleidigen Argumentation die Schuhe aus, denn man weiß natürlich, dass der eigentliche Grund ein ganz anderer ist, nämlich der: Ihr interessiert uns nicht!
Wo ist das Interesse des ORF an den Nachbarn?
Im Jahr 2010 habe ich mich in einem Buch mit dem Titel "Was haben wir falsch gemacht?" (Hg. Erhard Busek) kritisch mit dem ORF befasst, unter anderem auch mit dem deprimierenden Desinteresse unseres Staatsfernsehens an den Nachbarn im Osten. Nach der Lektüre der ORF-Meldung vom Montag habe ich in meinen damaligen Text hineingelesen und festgestellt, dass man das alles heute genauso schreiben könnte. Und obwohl es natürlich total peinlich ist (und ziemlich eitel wirkt), wenn man sich selber zitiert, mach' ich das jetzt einfach:
"1989. Die Mauern fallen, in Deutschland und überall in Osteuropa. Die Euphorie ist unbeschreiblich, Jubel, Tränen, Verbrüderung - die Medien sind nonstop und live dabei, in Polen, Ungarn, Berlin, der Tschechoslowakei, Rumänien. Auch der ORF. Man kriegt sich nicht ein vor Begeisterung, man kann gar nicht genug davon bekommen. Nach einigen Monaten ist damit Schluss, die Party ist aus, vor uns die Mühen der Ebene. Das Interesse des ORF an den Nachbarn erlischt. Solidarität mit den Menschen? Fragen nach ihren Problemen? Neugier auf die kulturellen und landschaftlichen Schätze ihrer Länder? Besinnung auf die gemeinsamen Wurzeln? Fehlanzeige.
In den deutschen TV-Anstalten gab es nach der Wende große Anstrengungen, das Wunder der Wiedervereinigung in den Köpfen und Herzen der Menschen dauerhaft ankommen zu lassen. Keine Samstagabend-Show, die nicht aus einem der neuen Bundesländer im Osten kam, keine Serie, die nicht West-Ost thematisierte. Man wollte/sollte einander kennenlernen, Vorurteile mussten abgebaut, Beziehungen aufgebaut werden.
Dreieinigkeit des Provinzialismus
Beim ORF wurden damals für die Sparte Unterhaltung genau zwei (!) derartige Projekte entwickelt, eine Serie über den kleinen Grenzverkehr bei Bratislava und eine österreichisch-ungarisch-böhmische Familiengeschichte. Nichts davon ist realisiert worden. Was man zu sehen und zu hören bekommen hat, waren hauptsächlich Bedrohungen: Die Verkehrslawine! Die Kriminalität! Die Arbeitsplätze! Und heute? Berichtet wird über Roma-Probleme, über wirtschaftliche Stagnation, über den Vormarsch der Rechten, bad news eben. Hat man je einen Premierenbeitrag aus der Pressburger Oper gesehen? Eine Information über die junge Kreativszene in Slowenien? Eine Reportage über das Weltkulturerbe in Kremsier? (Wo ist das, bitte?)
Ich behaupte: Es ist die große Schuld, das tragische Versäumnis des ORF, dass das Interesse der Österreicher an unseren Nachbarländern bis zum heutigen Tag gering geblieben bis nicht vorhanden ist. Der ORF befindet sich allerdings in guter Gesellschaft. Der verengte, abweisende Blick, der am Zaun des eigenen Schrebergartens endet, kennzeichnet vielfach auch die österreichische Politik und die meinungsbildenden Boulevardzeitungen. Dreieinigkeit des Provinzialismus. Änderung? Nicht in Sicht." (Ende des Zitats)
Postskriptum: Heute Vormittag telefoniere ich mit einer Berliner Freundin, die ebenfalls in der Medienszene heimisch ist, und erfahre von ihr, dass Sat.1 die Daily Soap "Anna und die Liebe" einstellt. Die ist nämlich so unfassbar schwachsinnig, dass sogar die schlichtesten Serien-Aficionados nicht mehr zuschauen und die Einschaltquoten daher in den Keller gerasselt sind. Der ORF ist übrigens Co-Produzent dieses Machwerks. "Für so was hams a Geld!", ist man versucht zu sagen. Aber unsere tschechischen Nachbarn, die sollen sich brausen. (Heide Pils, DER STANDARD, 14.3.2012)
Autorin
Heide Pils (Jg. 1939) lebt als Autorin und (Ex-)Filmemacherin in Wien.
Nachlese
Kein Interesse an Nachbarschaft - ORF ließ Tschechien-TV mit Kooperationswunsch abblitzen
Als Sender mit kleinem Horizont
...es scheint oft, daß insbesondere die blauen Bierzelte bedient werden.
Ein Bildungsauftrag ist im Verhältnis zu anderen ausländischen Sendern kaum zu entdecken:
die Fremdsprachenkurse am Samstag Vormittag wurden schon seit langem gestrichen.
Als Provinzsender
...die Schönen und Reichen stehen im Mittelpunkt.
...Gegen Arbeitnehmer wird gerne polemisiert (Gehaltserhöhungen werden in Milliarden dargestellt, Reichensteuern in Hunderttausenden)
Als Frontsender
...obwohl auch offizielle Informationsquellen immer wieder darauf hinweisen, daß zum Beispiel die syrische Opposition keine Verhandlungen in Syrien wünscht, wird dem syrischen Regime immer wieder angelastet keine Verhandlungen zu führen.
Gut gemeint ist im Grunde immer das Gegenteil von gut.
Das kann man als Resümmee dieses von Nachbarschaftsliebe und Entwicklungshilfedenken triefenden Artikels ziehen.
Frau Pils sollte sich als Kursleiterin für alle grenznahen VHS'en anbieten, dort gehört das hin. Diese "Kindlein liebet euch über die Grenzen"-Phantasien waren in den 1960-ern en vogue, heute im Zeitalter des Internets, der Mobiltelephon-I-Pods-und Tablet-Technologie ist das nicht einmal mehr nur bieder. Es ist vorbei und total veraltet.
Und nun schliesslich zur (kaum vohandenen!!!) Medienkooperation des ORF (und auch anderer).
Die beschämende Ausstattung von ORF 3 mit finanziellen und personellen Möglichkeiten wird ja schön langsam zum Thema in Österreich - und schliesslich ist ja dies der Kanal, der die Basis für die öffentlich rechtliche Legitimation der Institution ist.
Auch hier ist uns CT24 in CZ um Jahre voraus mit kontinuierlicher aktuellster Berichterstattung über das politische Geschehen sowie gute Dokumentationen.
Eine Kooperation kann kulturelle Entwicklungshilfe für den ORF sein! Recherchieren Sie und denken sie darüber nach, werter Vor-Poster!
Danke nochmals Frau Pils - für den mutigen Beitrag!
Es geht noch weiter mit der Eisenbahn:
Wer einmal versucht von Linz nach Prag oder umgekehrt zu fahren verfällt in den Rhytmus einer romantischen Kutschenfahrt. Schwammerlsuchen neben der Bahntrasse wird möglich.
4-5 Stunden ist für diese innereuropäische Verbindung nach 20 Jahren Ostöffnung eigentlich ein handfester Skandal. Benes Dekrete und Temelin für die Konstruktion und forlaufende Manifestierung von Gegensätzen heranzuziehen ist mittlerweile ein Anachronismus und Verrat und Diebstahl an den nächsten Generationen. Arbeit am gemeinsamen Lebensraum ist angesagt! Das ist die Aufgabe unserer Generation - fürs Lamentieren werden wir nicht stolz sein können.
Insgesamt geht es um das Gelingen eines gemeinsamen EUROPA !
Bevor wir da überhaupt noch ein Wörtchen weiterrreden, mit dem Spiegel dieser Schimpfkaskaden aus dem Fundus der Prager Altstalinisten, sollen die Politiker dort den Juden, die aus den deutschen KZ's heraus mühsam überlebt haben und dann als "Deutsche" wieder enteignet und vertrieben worden sind (mit Sondergesetz von Vaclav Klaus wurde verhindert, dass sie ihre Vermögen wieder bekommen haben), ihr Eigentum rückerstatten.
Alle Naziverbrecher sollen bestraft bleiben und nicht zurück erhalten, aber die Schande des tschechischen Staates mit den Juden, die sich bei der Volkszählung zur deutschen Sprache bekannt haben (niemals zu NS-Deutschland), gehört zuallererst in Ordnung gebracht.
Dann ergibt sich alles weitere von selbst.
... das sehe ich ein.
Wir haben in unserer Familie (nun nach grenzüberschteitende Heirat Anfang dieses Jhdts.) Fälle von allen Seiten (Tätergruppen und Opfergruppen) und auch einer jüdischen Familie bei der Restitution in CZ geholfen - doch was wirklich hilft ist nur schwer zu ergründen.
Die im Artikel angesprochene diskriminierende Abgrenzung findet auch in anderen Themenbereichen mit wehementer Konsequenz statt:
Dazu möchte ich die Bahnverbindungen ansprechen. Von Wien gibt es ja immerhin eine zwar ncoh relativ langsame aber funktionierende Verbindung nach Prag über Brünn. Mit der alten Franz Josefs Bahn haben schon viele den Weg nach Velenice weiter nach Budweis und Prag und zu vielen schönen Zielen am Wege gefunden. Auch in umgekehrter Richtung wird die Verbindung genutzt.
Aber es gibt auch Skandale:
Die versprochene und gebrochene Herstellung der Verbindung der Thayatalbahn ist hier zu nennen:
www.thayatalbahn.at
Dieses Projekt wird scheinbar solange hintertrieben, bis es wirklich niemand mehr mag...
Diese alte Leier langweilt total.
An allem, was nicht gebaut, produziert (und daher auch nicht finanziert) wird soll Österreich die Schuld und die Schulden übernehmen. Dieses uralte Gedödel der offenen Hände (mit der geballten Faust im Rücken) ist höchst bekannt und kommt aus dem Anspruchsdenken der Neid- und Giergenossenschaften des postkommunistischen Feinschemas: "her mit der Kapitalisten-Marie der Staatsfeinde".
... aber es ist schon ein Unterschied wohin diese gesteckt wird:
In teure hier nicht benötigte LKW-routen die nur kontraproduktiv sind und wiederum den Ruf nach Ortsumfahrungen aufkommen lassen (Geld der LAndesausstellung!)...
statt in die seit langem zugesagte Lückenschließung der Thayatalbahn.
Was ist denn das für ein Posting?
Dieser Beitrag von Frau Pils, für den ich dankbar bin, zeigt die skandalöse Haltung mancher Österreicher auf, deren Horizont an der Grenze endet.
zum Posting:
Es geht nicht um Entwicklungshilfe, sondern um befruchtenden Austausch! Wir können im Waldviertel z.B. noch vieles lernen - der Tourismus ist von Krumau über Tschechisch Canada bis hin nach Slavonice, Telc und anderen schönen Städtchen viel besser entwickelt als bei uns.
Freistadt in OÖ und Waidhofen a.d.Th. könnten nur dazulernen!
Von den schönen Radwegen in Südböhmen ganz zu schweigen.
UND ICH BIN NOCH NICHT bei der Medienkooperation.
Ist ja gut, wenn Sie sich wohl fühlen und berfruchtenden Austasuch pflegen wollen. Gepaart mit Lobhudelei all dessen, was ausserösterreichisch ist.
NUR, was hat das mit dem ORF-Küniglberg zu tun. Macht das gerne mit dem lansetstudio St. Pölten oder Eisenstadt, oder mit Regionalradiostationen. Oder eben mit den VHS'en, die Bildungsarbeit und nicht Entwicklungsarbeit (schon gar nicht "Entwicklungshilfe") leisten.
Es ist einfach läppisch, dem ganzen Land eure Liebfrauenphantasien aufzuzwingen, macht was ihr müsst, ladet eure Freunde ein, von mir aus auch eure Feinde aber haut euch über die Häuser mit euren Zwangsbeglückungswortschwaden.
http://derstandard.at/133120724... forumstart
und dabei findet sich bei den Postings folgender Link zur Horironterweiterung hinsichtlicher bester Filmschulen:
http://www.hollywoodreporter.com/news/25-b... ngs-215714
zeitgeschichte und deren aufarbeitung hört beim orf nach 1955 auf. naziverbrechen werden bis an den rande des abstumpfens wiederholt. wenn das einmal keine quote mehr bringt, wird es mit der aufarbeitung auch schon wieder vorbei sein - mit möglicherweise fatalen folgen. durch positive berichterstattung zu einem guten miteinander vor und nach den beiden weltkriegen wäre die notwendige relation und sensibilität für politische gefahren und chancen leicht herzustellen. das wäre ein einfach umzusetzender öffentlich-rechtlicher auftrag in politischer bildung und geschichte und würde ewiggestrige schnell alt aussehen lassen.
Dann schaut euch doch die Zuseher-Charts an: Skirennen, Fußball, Bundesland heute, Millionenshow, Dancing Stars, Schnell ermittelt,....
Reichweite solcher ORF-Sendungen: 500.000 bis jenseits der Million. 3sat an vergleichbaren Tagen: < 70.000. Da hat jede der vielgeschmähten US-Serien um Häuser mehr (zB Desperate Houswives 415.000...)
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