Afghanen schaffen Milliarden Dollar ins Ausland

Jedes Jahr fließen rund acht Milliarden Dollar an Bargeld in Koffern und Tragetaschen außer Landes

Kabul - Reiche Afghanen schaffen jedes Jahr rund acht Milliarden Dollar an Bargeld in Koffern und Tragetaschen außer Landes - fast doppelt so viel wie der Staatshaushalt umfasst. Das Vertrauen in die Wirtschaft des vom jahrzehntelangen Krieg zerstörten Landes sei dermaßen erschüttert, dass die Wohlhabenden ihr Vermögen in Dubai und anderen Ländern in Sicherheit brächten, sagte Vizezentralbankchef Chan Afsal Hadawal in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Daran werde auch ein jüngst erlassenes Ausfuhrverbot für Summen über 20.000 Dollar nichts ändern.

"Wir sähen es natürlich lieber, wenn das Geld im Land investiert würde", sagte Hadawal in seinem Büro in dem etwas heruntergekommenen Zentralbankgebäude. "Alles hängt von der Sicherheit ab. Niemand wird sein Geld dort investieren, wo es keine Sicherheit gibt." Sorgen bereitet ihm daher auch der angekündigte Abzug der ausländischen Truppen 2014. "Es gibt noch vieles, was getan werden muss. Wir brauchen weiter ausländische Hilfe." 

Unmöglich festzustellen, wohin das Geld fließt

Die Hälfte des Geldes wird Hadawal zufolge allein über den Kabuler Flughafen in Ausland gebracht. In einem vergangenes Jahr veröffentlichten US-Bericht hieß es, angesichts des desolaten afghanischen Finanzsystems sei es nahezu unmöglich festzustellen, wohin die Milliarden Dollar an ausländischen Hilfen flössen. Die afghanische Wirtschaft hängt stark von Finanzhilfe aus dem Ausland ab.

Vor allem vor der Wahl 2009 wurden nach Angaben der Kabuler Flughafenpolizei Millionen Dollar - manchmal palettenweise - ausgeführt. Aus US-Depeschen, die von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht wurden, ging hervor, dass der frühere Vizepräsident Sia Masud auf dem Flughafen in Dubai mit 52 Millionen Dollar Bargeld gestoppt wurde. Er sei jedoch ohne Befragung laufen gelassen worden.

"Sollte sich die Sicherheitslage nicht ändern, können wir in den Provinzen noch nicht mal Geldautomaten aufstellen, weil wir fürchten müssen, dass sie jemand in die Luft sprengt und das Geld mitnimmt", sagte Hadawal. (APA, 13.3.2012)

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