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Julianne Moore als Sarah Palin.
Von «Vetting» sprechen Politikberater, wenn sie Hintergrundrecherchen zu einem potentiellen Kandidaten anstellen, um seinen beruflichen wie privaten Lebenslauf auf Amtstauglichkeit zu prüfen. Im Grunde geht es insbesondere im Kontext eines Wahlkampfs darum, den Durchleuchtungsprozess, den der journalistische Betrieb in Gang setzen wird, möglichst weiträumig zu antizipieren. Das vorgestern erstmals ausgestrahlte HBO-Dokudrama «Game Change», das sich mit Sarah Palins Vizepräsidentschaftskampagne an der Seite von John McCain im Jahr 2008 befasst, zeigt vor allem, wie sich ein Beraterstab fühlt, wenn ihm aufgeht, dass beim Vetting etwas sehr profund schief gelaufen ist. Hätte nur mal jemand die Kandidatin gefragt, ob sie weiß, wie die US-Notenbank heißt und was es so an überregionalen Zeitungen gibt.
«Game Change» (Regie: Jay Roach) versetzt den Zuschauer in die seltsame Position, mit den konsternierten Augen der Berater auf ein Monster zu schauen, das sie selbst geschaffen hatten, um McCains Kampagne doch noch eine entscheidende Wende zu geben. Eigentlich ist Mitleid hier fehl am Platz, es tut aber doch weh. Woody Harrelson spielt McCains obersten Berater Steve Schmidt, der sich im Rückblick selbst des Zynismus anklagt und die Akkuratheit der Palin-Darstellung bestätigt (hier mehr dazu). Julianne Moore führt Palin (mit beachtlicher Mimikry aber doch weit zurückgenommener als Streep ihre Thatcher performt) als schwer lenkbares Kind vor, dessen Bockigkeit unter den Bedingungen des 24-hour News Cycle und allgegenwärtiger YouTube-Clips kaum mehr kommunikationsstrategisch kontrolliert werden kann. Vom «Spin» bleibt ohnehin nicht mehr viel übrig, wenn die versammelte Mannschaft abends vor dem Fernseher sitzt und Saturday Night Life das Urteil über die medialen Bemühungen der Kampagne spricht. Zugleich zeigt der Film in diesen Szenen aber auch, wie Julianne Moore ihre Palin gewissermaßen hinter die kanonisierte Tina-Fey-Version zurückentwickeln musste. Dass das nur begrenzt gelingen kann, scheint offensichtlich, ist doch etwa Palins Auftritt bei Katie Couric vor allem deshalb legendär, weil Tina Fey im Grunde nur sehr wenig modifizieren musste, um ihn in eine Parodie zu verwandeln, die doch vom Original zuverlässig übertroffen wurde - alles eine Frage von Medieneffekten und deren Rückkoppelungsschleifen:
CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.
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wobei ich befürchte dass sie nur halb so blöd dargestellt wird, wie sie wirklich ist. ed harris/mccain gefällt mir, ist im wirklichen leben auch ein sir.
anederseits ist von der (auch von mir) damals hochgepriesenen lichtgestalt obama auch fast nichts übriggeblieben und letztendlich hat er absolut nichts erreicht.
Dieses Interview ist wirklich sehenswert. Es keine 'billige' Abrechnung ist sondern viel mehr eine Analyse des Systems.
die schwersten sicherlich, daß man die Kampagne unterbrochen hat, damit McCain nach DC jettet um TARP zu verabschieden - im kompletten Widerspruch zu vorigen Positionen.
Sarah Palin hatte - wenn ich mich korrekt an eine Studie erinnere - einen Nettoeffekt von Null (hat in etwa genausoviel gebracht wie geschadet).
Daß diese Personen (d.h. Schmidt und Nicole Wallace, die die Schnapsidee hatte Palin als erstes zu Katie Couric zu schicken) sich nun an Sarah Palin abputzen, ist mMn absolut schäbig.
Harrelson und Moore sind brilliant.
Wer den Wahlkampf damals genauer mitverfolgt hat, wird diesen Film verstört genießen. Es ist irgendwie irritierend, sich immer wieder zu denken, dass jetzt hoffnungslos übertrieben wird, nur um dann festzustellen, dass es sich aber so zugetragen hat.
Genial finde ich, wie Moore und Harrelson ihre Figuren eigentlich nie wirklich unsympathisch werden lassen und man trotzdem am Ende das Gefühl hat, knapp am 3. Weltkrieg vorbeigeschrammt zu sein.
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