Ausbeutung oder normale Arbeit: Obdachlose als WLAN-Hotspots

  • Die Agentur BBH heuerte 13 Freiwillige eines lokalen Obdachlosenheims an
 und stattete sie mit mobilen Hotspots, Visitenkarten und T-Shirts aus.
    screenshot: youtube

    Die Agentur BBH heuerte 13 Freiwillige eines lokalen Obdachlosenheims an und stattete sie mit mobilen Hotspots, Visitenkarten und T-Shirts aus.

Marketing-Agentur engagierte Obdachlose für mobilen Internetzugang

Eine US-amerikanische Marketing-Agentur hat sich für die "South by South West"-Konferenz (SXSW) ein besonders Projekt ausgedacht. Obdachlose aus Austin, Texas, wurden bis Montag engagiert, um mit mobilen WLAN-Hotspots Besuchern der Konferenz gegen Spenden kabellosen Internetzugang zu bieten. Doch die Aktion wurde scharf kritisiert.

"I'm Clarence, a 4G Hotspot"

Die Agentur BBH heuerte 13 Freiwillige eines lokalen Obdachlosenheims an und stattete sie mit mobilen Hotspots, Visitenkarten und T-Shirts aus, berichtet die New York Times. Auf den T-Shirts waren der Name des Trägers und Informationen zu den Zugangsdaten abzulesen, etwa "I'm Clarence, a 4G Hotspot." Jeder Teilnehmer erhielt 20 US-Dollar pro Tag sowie die Spenden der Nutzer.

Kritik

BBH nennt die Aktion "Homeless Hotspots" ein "wohltätiges Experiment". Mehrere Konferenzteilnehmer sehen darin jedoch eine Ausbeutung. Für Wired-Blogger war die Aktion wie aus einer "dunklen, satirischen Science-Fiction-Dystopie". Für Adam Hanft von der Beratungsfirma Hanft Projects war es zwar gut gemeint, doch die Kluft zwischen den Obdachlosen und den Konferenzteilnehmern sei diesen gar nicht bewusst.

Ein Verantwortlicher bei BBH verteidigt das Projekt, das nach dem Vorbild von Obdachlosenzeitungen entstanden sei. Man habe Obdachlosen damit die Chance geben wollen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen und mit der "Mainstream-Gesellschaft" in Kontakt zu treten.

"Ehrliche Arbeit"

Beraten worden sei BBH dabei auch von den Leitern des Obdachlosenheims Front Steps, in dem die freiwilligen Helfer untergebracht sind. Dort sei man über die Kritik überrascht gewesen, zumal die Idee einen "unternehmerischen Geist" bei den Teilnehmenden geweckt habe. Keine Probleme scheinen auch die "WLAN-Hotspots" selbst damit zu haben. Clarence Jones berichtet, dass er nach dem Hurrikan Katrina obdachlos geworden sei. Ihm habe das Projekt ehrliche Arbeit und Bezahlung gebracht. (red, derStandard.at, 13.3.2012)

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