Kein Sinn mehr für Süßes

Fleischfresser leben in anderen Geschmackswelten - Meeressäuger sind besonders arm

Washington/Wien - Tiere sind uns in vielen Sinnesleistungen klar überlegen: Etliche Säugetiere verfügen über einen weitaus besseren Geruchssinn oder über ein feineres Gehör als wir und nehmen damit die Welt um einiges anders wahr. Was freilich den Geschmackssinn angeht, haben viele Säugetiere evolutionär abgebaut, behaupten nun US-Forscher nach genetischen Tests an sieben unterschiedlichen Tierarten.

Bis jetzt nahmen Biologen an, dass Säugetiere ähnlich wie wir Menschen zwischen den Grundgeschmäckern süß, salzig, bitter, sauer und umami (aus dem Japanischen abgeleiteter Begriff für fleischig, herzhaft) unterscheiden können. Doch dem ist nicht so, wie die Wissenschafter im Fachblatt "PNAS" berichten. So hätten sieben der zwölf Säugetierarten die Geschmacksrezeptoren für Süßes verloren. Und alle sieben Arten waren strikte Fleischfresser - darunter Katzenarten, aber auch Seelöwen, Hyänen oder Robben.

Intakt war der Rezeptor hingegen etwa beim Waschbär, dem Rotwolf oder dem Brillenbär - mithin also vor allem Arten, die nicht nur Fleisch konsumieren. Nur konsequent scheint, dass die Geschmackswelten von im Meer lebenden Säugern, die ihre Beute als Ganzes schlucken, besonders arm sind: Dem Großen Tümmler (also Flipper) fehlt nicht nur der Rezeptor für Süßes, sondern auch für umami und bitter. (tasch, DER STANDARD, 13.3.2012)

  • Löwen, Katzen und andere Fleischfresser haben im Lauf der Evolution den Rezeptor für Süßes verloren. Großen Tümmlern fehlt zudem die Fähigkeit, bitter und umami wahrzunehmen.
    foto: apa/rainer jensen

    Löwen, Katzen und andere Fleischfresser haben im Lauf der Evolution den Rezeptor für Süßes verloren. Großen Tümmlern fehlt zudem die Fähigkeit, bitter und umami wahrzunehmen.

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