Atomkraft nach Fukushima: Lächeln nützt?

Kommentar der anderen | 12. März 2012, 19:27

Kritische Einblicke zur Situation in Japan, wo sich langsam auch in der Bevölkerung Widerstand formiert

"Kernkraft ist sicherer geworden", erklärte IAEO-Chef Amano am Montag an dieser Stelle - Gegenbilder der Erinnerung an eine Gegenwart, die in den offiziösen "Lehren" aus dem Super-GAU ausgeblendet bleibt

Was in Japan seit einem Jahr vor sich geht und wie wir damit umgehen erscheint wie ein Menetekel für die Zukunft aller Menschen. Mit dem Geigerzähler zum Supermarkt, mit dem Geigerzähler ins Restaurant und wenn es regnet, nur vors Haus zu gehen, wenn es unbedingt sein muss, ist keine Fiktion, sondern für viele in Nordjapan Realität. Zur Verdeutlichung: Anfang des Jahres war die in der Luft gemessene Radioaktivität in Tokio so hoch, wie in den Tagen der Kernschmelze rund um 3/11.

Insgesamt sind 50 Prozent der japanischen Landmasse mit radioaktiven Schadstoffen belastet, nach wie vor fließt tagtäglich kontaminiertes Wasser aus dem kaputten Atomkraftwerk in den Pazifik. Kanadische und amerikanische Wissenschafter haben nachgewiesen, dass der Fisch, in diesem, unserem größten Ozean, bis in alle Winkel mit Cäsium belastet ist.

Anhebung der Grenzwerte für Lebensmittelkontaminierung

Bezeichnend für die grenzüberschreitende Strategie des Verharmlosens und Beschwichtigens: Schon im Mai letzten Jahres haben die Regierungen der Vereinigten Staaten und der EU die Grenzwerte für die Kontaminierung von Lebensmitteln angehoben. Würden die alten Werte gelten, so könnte man etwa die Milch in Kalifornien schon lange nicht mehr trinken. In Japan selbst hat die Regierung die Werte für die Bevölkerung (auch Kinder) auf ein Maß gesetzt, das über jenes hinaus geht, das man den Angestellten in europäischen Atomkraftwerken zumutet. Und diese Werte sollen in Kürze ein weiters Mal angehoben werden, um die Nahrungsversorgung sicherzustellen.

Das Teuflische ist, dass man die Gefahr nicht sieht, spürt, riecht und was in 15 bis 20 Jahren ist kann sich sowieso keiner vorstellen, man scheitert doch schon daran sich auszumalen, wie das nächste Jahr aussehen wird.

Beschäftigt man sich eingehend mit der Situation in Japan und kritisiert man die offizielle Informationspolitik, so wird man von seiner Umwelt entweder als Hysteriker oder als hoffnungsloser Esoteriker abgetan. Kaum einer will wissen, was wirklich vor sich geht, und was in den weltumgreifenden Medien nicht berichtet wird, existiert nicht. Man geht davon aus, dass man in Japan die Lage im Griff hat, dass das Schlimmste vorbei ist, dass es munter weiter gehen kann ohne gröbere Verluste.

Leukämierate gestiegen

Indes - in der Provinz Fukushima schreien die Ärzte so laut sie können, weil es ihnen an Behandlungsplätzen für Strahlenkranke fehlt, weil viele Kinder ständig an Nasenbluten leiden, weil die Leukämierate schon ein Jahr danach dramatisch gestiegen ist. Aber niemand hört sie: Die Regierung gibt die Parole aus, alles wäre sicher. Ein gedungener Strahlenarzt versichert im Fernsehen: "Lächeln Sie, das schützt Sie mehr vor der Radioaktivität als sonst etwas." Ein Regierungssprecher wird nicht müde, zu betonen: "Angst zu haben führt zu mehr Krebs, als vonseiten der Verstrahlung zu erwarten ist." Seit Monaten fährt die japanische Regierung TV-Spots, in denen Stars und Schönheiten kundtun, dass sie die Provinzen im Norden unterstützen würden, indem sie die dort hergestellten landwirtschaftliche Produkte mit großem Appetit zu sich nehmen. Dabei haben französische Wissenschafter bisher unbekannt hohe Konzentrationen von Cäsium in den Nahrungsmitteln aus der Region nachgewiesen.

Zugleich tut die Regierung ihr bestes, den "Dreck" zu verteilen, indem sie angeordnet hat, dass Abermillionen Tonnen des vom Tsunami hervorgerufenen Mülls, der größtenteils schwer kontaminiert ist, nationenweit verbrannt wird. Damit wird die Radioaktivität gleichmäßig, im alten japanischen Solidarprinzip, über das gesamte Archipel verteilt - und darüber hinaus in der gesamten nördlichen Hemisphäre. Die Yakuza, die immer zur Stelle ist, wenn die Regierung nicht mehr weiter weiß, verteilt den verseuchten Klärmüll, der kilometerlang in heuhaufengroßen Stücken, notdürftig mit Plastikfolie abgedeckt in den nördlichen Provinzen vor sich hinlagert, vom äußersten Norden bis zum südlichsten Zipfel des Archipels, wo er dann als Dünger für die Reisfelder verwendet wird. Und dazwischen kauern die Menschen, die an den Rand der Todeszone evakuiert wurden, dort wo die Radioaktivität kaum niedriger ist. Sie haben alles verloren, sie können nicht fliehen und keiner hilft ihnen - die Regierung hat sie im Stich gelassen.

Endlich Widerstand

Diese spricht ihrerseits ständig von Dekontamination - aber wie soll man wohl Landstriche so groß wie Österreich dekontaminieren? Bei einem Hearing junger hübscher Manager der Firma Tepco vor Bauern aus der Provinz Fukushima kam es unlängst fast zu Übergriffen, weil die Manager für nicht mehr landwirtschaftlich nutzbare Felder Kompensationszahlungen absagten. Mittlerweile fordert der Gouverneur der Provinz Saitama, dass die Chefs von Tepco gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Und auch in der Bevölkerung formiert sich zunehmend Widerstand: Es sind nicht nur der Nobelpreisträger Kenzaburo Oe oder der weltberühmte Musiker Ryuichi Sakamoto, die für Aufklärung kämpfen. Wie Pilze sprießen an allen Ecken und Enden des Landes Antiatomkraft-Initiativen aus dem Boden. Das Volk regt sich. Endlich. Ein Großteil der Gouverneure und Bürgermeister, die der Regierung das Verbrennen des Mülls zugesagt hatten, mussten aufgrund von Protesten bereits zurückziehen.

Außer der Stadt Tokio natürlich, denn die braucht all die Energie, die aus Fukushima kam/kommt (Tepco ist die Abkürzung für Tokyo Electric Power Corporation). Dem entsprechend war es der Gouverneur der Metropole, der jüngst sagte: "Auf Atomenergie zu verzichten ist wie sich auf das Niveau von Affen zurückzubegeben." - Deutschland wird sich freuen.

Edgar Honetschläger, geb. 1967, ist bildender Künstler und Filmemacher und lebte in den vergangenen zwanzig Jahren vorwiegend in Tokio. Seit einem Jahr recherchiert er zum Thema und erarbeitete zusammen mit Sylvia Eckermann, Yukika Kudo, Peter Scharmüller und Ken Ishimoto an einer Internet-Video-Plattform mit dem Titel 'Sound of Sirens', die Menschen weltweit dazu auffordert, in filmischer Form auf die Nuklearkatastrophe in Japan zu reagieren. (Edgar Honetschläger, DER STANDARD, 13.03.2012)

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Edgar Honetschläger, geb 1967, ist bildender Künstler und Filmemacher und lebte in den vergangenen zwanzig Jahren vorwiegend in Tokio. Seit einem Jahr recherchiert er zum Thema und erarbeitet zusammen mit Silvia Eckermann, Yukika Kudo, Peter Scharmüller und Ken Ishimoto an einer Internet-Video-Plattform mit dem Titel "Sound of Sirens", die Menschen weltweit dazu auffordert, in filmischer Form auf die Nuklearkatastrophe in Japan zu reagieren. www.sound-of-sirens.net

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Lebenlang

Fukushima wird für immer ein Thema bleiben denn der ganze radioaktive müll, kontaminiertes Wasser kann nicht von heut auf morgen verschwinden, wie die japanische Regierung sagt. Da hilft auch ein Stahlmantel wie in Tschernobyl nicht viel, da man sonst halb Japan einschließen müsste. Und auch so wird der radioaktive müll nur sehr langsam abgebaut und wird für einige Jahrhunderte noch im Boden Japans oder im Meer bleiben.

Ein paar Hintergründe

zum Thema und der Lobby gibt es in einem spannenden Video vom ZDF.
Die deutschen Zwangsanstalten liefern immerhin noch teilweise brauchbares Material ...

http://www.neopresse.com/umwelt/fu... tastrophe/

Künstler-Experten

Immer wieder interesant die kochende Volksseele im Internet zu betrachten- die Möglichkeit zu posten - ein erschreckender Spiegel der Gesellschaft.
Gottseidank gibt es Künstler, die sich das für Experten unvorstellbare ausmalen können (Notstromversorgung in F. lag vor & unter dem Reaktor und wurde zuerst überschwemmt) - oder sind die K. schuld, weil sie das Unvorstellbare gedacht und somit heraufbeschwört haben?
Ob Russen, Amis, Japan- jeder AtomUnfall hat gleiche Muster-sie geben zu was sich nicht mehr verheimlichen läßt! Das Verhalten der Ja-panischen Experten/Politiker erinnert mich an alte Godzilla Filme!
Tschernobil ist bei einem SICHERHEITSTEST explodiert-unvorstellbar!
Vielleicht geht den Experten ja noch ein Licht auf - ohne A-strom

Aber!

Atomenergie ist Schrott, eine in der Konsequenz falsche Technologie, die beendet gehört. Wir werden genug Probleme mit ihren Überresten haben.

Aber!

Der Artikel ist mit seinen Fehlinformationen und seiner sprachlichen Indifferenz nicht weniger Schrott. Sorry.

Wenig Fakten...

Man muss nicht polemisch werden, um gegen Kernkraft zu argumentieren.
Man muss einfach nur die Folgekosten (und da muss es nicht einmal ein Unfall sein) mit einrechnen und schon wird die Kernkraft unrentabel.

Da riskieren die Einsatzkräfte ihr Leben

um die Eskalation der Kernschmelze und damit noch viel grössere Verstrahlung zu verhindern - und wozu das alles? Damit nachher ein paar Anzugschnösel und Technikfanatiker behaupten können dass eh alles super sicher und ungefährlich ist. Angesichts solcher Hanswurste hilft wirklich nur noch lächeln...

falsch: es geht darum, dass der Autor nachweislich falsche und ausschließlich polemische Argumente verwendet.

Würde er korrekte Argumente verwenden würde erst nicht kritisiert werden.

Im Gegensatz zu den AKW-Betreibern, "verantwortlichen" Politikern und Atomkraft-Fanatikern, die ausschliesslich korrekte Argumente verwenden.

... wenn von deren seite falsche argumente kommen, kritisiere ich sie genauso.

Es ist jedenfalls keine begruendung fuers herumluegen und polemisieren, dass die "anderen" evtl. auch luegen.

Entweder die fakten reichen aus als begruendung gegen kernkraft oder eben nicht. Der Auto hat genau kein einziges haltbares argument geliefert. Obwohl sich durchaus welche finden liessen.

Der Nachteil der Fakten ist, dass sie davon abhängig sind wer sie liefert. Die Fakten die von Tepco und anderen kamen die Zugang zum AKW haben, haben sich ja als nicht besonders verlässlich herausgestellt. Da ist es doch gut auch Fakten von der Gegenseite zu haben, selbst wenn die auf dem gleichen tiefen Qualitätsniveau sind.

Totgeburten und Nasenbluten. Fukushima ist nicht überstanden. Symptome für die Verstrahlung der Menschen unübersehbar.Auch Halbwahrheiten ?

http://www.n-tv.de/politik/F... 31966.html

12.3.2012

Totgeburten und Nasenbluten Fukushima ist nicht überstanden

Viele Japaner haben nach dem Super-Gau in Fukushima Angst vor der Strahlung, und sie haben allen Grund dazu. Es gebe deutliche Parallelen zu den Vorgängen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, sagt der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Pflugbeil, n-tv.de. Die Symptome für die Verstrahlung der Menschen seien unübersehbar.

Ein grauenhafter Mischmasch aus Fakten, berechtigter Kritik, Halbwahrheiten, Märchen und Null-Aussagen!

Offenbar ist der Autor absolut nicht in der Lage, glaubwürdiges von unglaubwürdigem und wesentliches von unwesentlichem zu unterscheiden.

Ich hoffe, er ist mehr "Künstler" als Dokumentarfilmer, denn für letzteres fehlt ihm die Eignung.

Was wollen Sie von einem 'Bildender Künstler' verlangen?

Da ist eine natürliche Begrenzung der Kompetenz gegeben.

wirklich erschütternd, all die verharmlosenden postings zu lesen...

klingt irgendwie so, als wären hier hauptsächlich gekaufte poster unterwegs, so dumm und ignorant kann man ja eigentlich gar nicht sein, dafür muss man schon bezahlt werden....

an alle, die meine, es ist eh nix passiert: warum siedelt ihr nicht in fukushima, dort bekommt man momentan bestimmt riesige grundstücke zum vorzugssonderpreis! außerdem würden uns dann vielleicht die vielen unsäglich dummen postings erspart bleiben...

das ist ein schwacher text nicht mehr nicht weniger.

keine einzige quantitative aussage, nix !!

wenn es heißt es gäbe jetzt mehr leukämiefälle.

dann will ich zumindest soetwas ähnliches wie die leukämiefälle der letzten 20 jahre, damit ich abschätzen kann ob sich da irgendwas aus dem zufallsrauschen erhebt.

natürlich kanns jetzt mehr geben. vielleicht gabs ja 2010, 2009 sehr wenig.

dann schreibt er von einer todeszone !? (ja das 1 hektar rund um die reaktoren) gestern postete jemand eine link mit messwerten in japan. bis auf 5 oder so (alle in der sperrzone) waren alle niedriger als die in wien (bzw. österreichstopwert).

oektg

Die meisten organisierten Stimmungsmacher pro Atom kommen ganz offensichtlich von hier:
http://www.oektg.at/

Wieso hat dieser Verein seinen Sitz eigentlich am österreichischen Atominstitut?

Und kann ich parallel dazu auch einen Anti-Atomkraft-Verein gründen mit Sitz an ebendieser Adresse?

Schade, dass man hierzulande den selbsternannten Weltverbesserern von Greenpeace oder Global2000 mehr Aufmerksamkeit schenkt, als den ausgewiesenen Experten auf ihrem Gebiet. Das passt aber gut zum lokalen Zeitgeist.

Ausgewiesene Experten die uns nachweislich permanent belügen...

...die technische Mängel vertuschen, über die Folgen von Fukushima lügen (Strahlenbelastung, Gesundheitsfolgen die es angeblich nicht gibt, verschiegene Tote, weil man nur die Radioaktivität als Todesursache betrachtet, nicht aber die sich häufenden Suizide verzweifelter Anwohner und Bauern,...)

wobei in fukushima durch erdbeben und tsunamit 15000 leute umgekommen sind und noch mehr ihre wohnungen u.dgl. und familie verloren haben.

Auch ohne atomkraftwerk in der naehe haette sich die selbstmordrate wohl drastisch erhoeht.

Experten

Die Atomlobbyisten sind bestenfalls "Experten für eh alles".

Aber hauptsache, die Ökolobby rettet unsere Welt, ihre selbstauferlegte moralische Überlegenheit und vor Allem die finanziellen Interessen all derer, die jetzt brav in Wind und Solar investieren - ach, entschuldigen Sie, die machen das sicher ja aus purer Selbstlosigkeit ;-)

Selbstlosigkeit ist keine Voraussetzung, um sich für ein Ende der Zerstörung des eigenen Lebensraums einzusetzen.

Dummheit, Gier und Asozialität ist allerdings Voraussetzung, um finanzielle Interessen wichtiger anzusehen, als die Lebensgrundlagen der heutigen und vieler zukünftiger Generationen.

Ein beliebtes Argument der Ökolobby ist das Wohl der zukünftigen Generationen, denn die können nicht wiedersprechen.</ironie>
Sie dürfen mir glauben, dass es auch mir nicht egal ist, wie meine Nachkommen aufwachsen. Aufgrund der selben Informationen, die uns allen zur Verfügung stehen, komme ich aber zu dem Schluss, dass ein vollständiger Verzicht auf die Kernkraft mehr Probleme schafft als er löst. Das sieht man schon an der undurchdachten Energiewende in Deutschland, wo man erstmal alte Braunkohlekraftwerke wieder anwirft, die im Regelbetrieb stärker strahlen als jedes Kernkraftwerk, von CO² und dem restlichen Dreck ganz zu schweigen.

Ihrem Argument bezüglich der Braunkohlekraftwerke stimme ich zu. Diese sind definitiv keine brauchbare Alternative zur Atomenergie.

Das grundlegende Problem bei Atomkraftwerken ist allerdings nicht der Regelbetrieb, sondern das Schadenspotential bei einem Unfall.

Und da wäre ich persönlich lieber in der Nähe eines explodierenden Braunkohlekraftwerks, als in der Nähe eines explodierenden Atomreaktors.

Was so ein Kohlekraftwerk an Dreck ausstößt, ist schlimm. Was allerdings beispielsweise ein unter freiem Himmel abbrennender Reaktorkern anrichten würde, möchte ich mir erst gar nicht vorstellen.

Dagegen wäre selbst Tschernobyl ein Kindergeburtstag gewesen, und diese Gefahr ist in Fukushima bei Reaktor 4 leider noch lange nicht gebannt.

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