Wasserkrise wird auch in Europa zu spüren sein

12. März 2012, 13:15

700-seitiger Bericht wird zum Auftakt des 6. Weltwasserforums in Marseille veröffentlicht

Paris - Der weltweite Bevölkerungsanstieg und der damit einhergehende Nahrungs- und Energiebedarf bedrohen ebenso wie der Klimawandel die weltweiten Trinkwasser-Ressourcen. "Der Bedarf an Wasser nimmt zur gleichen Zeit zu, wie der Klimawandel seine Verfügbarkeit bedrohen dürfte", heißt es im jüngsten Weltwasserbericht der Vereinten Nationen. Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Gefahr, warnt die UN-Wissenschaftsorganisation UNESCO. Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster seien die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch.

In einer aktuellen Analyse warnt auch die Umweltschutzorganisation WWF vor einer weiteren Zuspitzung der globalen Wasserkrise. So sei es allein seit der Jahrtausendwende weltweit zu über 50 Konflikten mit Gewalteinwirkung aufgrund der Nutzung von Wasser gekommen. Die Tatsache, dass neun Staaten - nämlich Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA - mehr als 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen haben, könne bei einer Verschärfung der Wasserkrise wie ein "Brandbeschleuniger" wirken, wird WWF-Wasserexperte Martin Geiger in einer Aussendung zitiert.

3,5 Millionen Tote jährlich

Die von der UNO veröffentlichten Zahlen sind erschreckend: Rund 3,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr wegen schlechter Wasserversorgung. Etwa 800 Millionen Menschen waren im Jahr 2010 ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Rund 2,5 Milliarden Menschen mussten auf einfachste sanitäre Einrichtungen verzichten. Immerhin hätten aber bereits 89 Prozent der Weltbevölkerung heute Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die regionalen Unterschiede sind enorm: Im südlichen Afrika haben noch immer mehr als 40 Prozent der Bevölkerung kein Trinkwasser. In den ärmsten Ländern der Welt leben 97 Prozent der Einwohner ohne Kanalisation, 14 Prozent trinken das Wasser aus Flüssen oder Seen, die auch von Tieren genutzt werden. Laut UN-Wasserbericht 2012 mussten 64 Prozent der Weltbevölkerung ihr "Geschäft" unter freiem Himmel verrichten, 638 Millionen Menschen allein in Indien.

Wasserkrise wird auch Europa treffen

Von einer globalen Wasserkrise könne laut WWF auch Europa nicht gänzlich ausgenommen werden. "Auch wenn in Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden", so Geiger. "Bis 2070 wird die Wasserknappheit auch in Mittel- und Südeuropa zu spüren sein", heißt es dementsprechend auch im UN-Weltwasserbericht.

Zugenommen hat laut UNO die Bedeutung des Grundwassers: Es stellt weltweit heute fast die Hälfte des gesamten Trinkwassers. Im 20. Jahrhundert habe es eine regelrechte "stille Revolution" gegeben beim zunehmenden Anzapfen dieser Ressourcen, betonen die Autoren des Berichts. Sie fordern daher dringend eine genauere Erfassung der Reserven - und deren nachhaltigen Nutzung. "Weil Wasser preiswert und weit verbreitet ist, wird sein Gebrauch oft nicht direkt gemessen, sondern eher geschätzt." Zudem würden 80 Prozent des Brauchwassers weltweit nicht aufbereitet.

In Asien hätten auch geänderte Lebensgewohnheiten beim Konsum - etwa dem Umstieg vom Fahrrad aufs Auto - Einfluss auf den Wasserverbrauch: "In den Schwellenländern könnte der Wasserbedarf um 50 Prozent über die Werte von 2011 steigen." In Asien, aber auch Schwarzafrika, könnten mehr als 40 Prozent der Länder im Jahr 2040 unter ernsthafter Trinkwasser-Knappheit leiden.

"Situation nicht hinnehmbar"

Der rund 700-seitige Bericht mit dem Titel "Managing water under uncertainty and risk" (Wasser-Management angesichts von Unsicherheit und Risiko) wird zum Auftakt des 6. Weltwasserforums in Marseille veröffentlicht. Die Publikation erscheint im Drei-Jahres-Rhythmus. Bereits vor einer Woche hatten die Vereinten Nationen einen Bericht präsentiert, wonach heute vor allem dank des Aufschwungs in Ost- und Südasien neun von zehn Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Die Menschheit habe damit eines ihrer selbst gesteckten Millenniumsziele erreicht.

Beim weltweit größten Expertentreffen in Marseille mit mehr als 20.000 Teilnehmern wird eine Woche lang über den Zugang zu sauberem Wasser, Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien beraten. Bei seiner Eröffnungsrede am Montag wies der französische Regierungschef Francois Fillon darauf hin, dass Milliarden Menschen kein sauberes Wasser hätten, die Zahl der Toten durch verunreinigtes Wasser in die Millionen gehe: "Diese Situation ist nicht hinnehmbar."

Zu der Konferenz sind Vorsitzende internationaler Organisationen und Vertreter aus mehr als 100 Staaten angereist. Initiator ist der Weltwasserrat, dem Wissenschaftler, Organisationen und internationale Unternehmen angehören. Der WWF kritisierte das Weltwasserforum in der Vergangenheit wegen mangelnder Verbindlichkeit für die Politik. Die NGO Attac organisiert ab Mittwoch eine Gegenveranstaltung. Sie kritisiert das offizielle Treffen als "große Lobby-Veranstaltung der Wasser- und Energiewirtschaft", wie Dorothea Härlin vom europäischen
Attac-Wassernetzwerk Aquattac am Montag erklärte. (APA/red, 12.3.2012)

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grosse suv's verbrauchen bei der herstellung wieviel wasser? - und autos überhaupt. der gesamte wasserverbrauch eines grossen automobilherstellers vernichtet eine ganze menge - wir werden wohl oder über bald zu kleinen einheiten zurückfinden müssen...

Und ??

Was spielt das für eine Rolle ??

Wieviel Wasser fließt pro Sekunde ungenutzt die Donau hinunter oder den Rhein ??

Bei uns mit Wasser zu sparen ist in etwa gleich sinnvoll wie in der Sahara sparsam mit Sand umzugehen.

Sie werden lachen ich habe mal Sand zwar nicht in die Sahara aber nach Israel exportiert

Für mich klingt das eher wie eine chomsky'sche Vorbereitung darauf, dass es bald eine *hust* internationale Wasserbehörde gibt und wir ein Drittel unseres Einkommens für Wasser bezahlen werden müssen.
Öl war gestern.

http://www.oddo-wolf.at/index.php... ert-wurde/
Es muss also nicht passieren, dass wir uns brav entwässern lassen. Es gibt auch zivilisierte Menschen, die sich das nicht gefallen lassen, und zivilisierte Regierungen, die wissen, dass Wasser ein Menschenrecht ist.

Täglich 150.000 Menschen netto mehr, mindestens.

Zahlen die unsere Pensionen?

ja - wer sonst?

Es gab in den Medien vor ein paar Wochen die Meldung dass Berlin aufgrund des niedrigen Wassserverbrauchs enorme Probleme mit verdreckten Kanälen und nassen Kellern hat.

europa wird noch ganz andere krisen zu spüren bekommen

die neoliberalen sind zu einem raubzug aufgebrochen der erst begonnen hat und die politik schaut zu

Konferenz in Marseille

20.000 Teilnehmer, Studie von 700 Seiten, eine Woche Dauer. Der Erfolg ist gesichert !
Wenigstens eine tolle Sache für den Fremdenverkehr in Marseille im toten Saison.

Wieviel Österreicher werden dort wohl auf Staatskosten urlauben?

Überbevölkerung?

Dachte wir benötigen unbedingt millionenfachen Nachwuchs, und überlegen uns Kinderlose steuerlich zu bestrafe ?

WENN DIE WIRTSCHAFT DAS SAGEN HAT...

da haben sie vor ein paar jahren eine hoch entwickelte zivilisation in indien ausgegraben, ca. 5000 jahre alt, und haben sich lange gefragt, wodurch die wohl zu ende gegangen ist.
der mammon ists gewesen. nach einer zeit der blüte nämlich hat die finanzwirtschaft die regentschaft übernommen, und die abwasserkanäle (sogar das hat es damals gegeben!) wurden nur noch mit minderwertigen materialien gebaut, sodaß die sch* das grundwasser verseuchte...
heute sah ich in "nano", daß irgendwo im zivilisatorisch hoch entwickelten deutschland das trinkwasser bereits mit allen möglichen chemikalien kontaminiert ist, nach denen aber per legem nicht gesucht werden muß.
da bräuchte es, denke ich, gar keine atomkraftwerke mehr, um uns den garaus zu machen.

die neandertaler sind

ja bekanntlich auch wegen den finanzhaien untergegangen. die haben nämlich statt zur jagd zu gehen fleisch-futures gehandelt.

auch die maya und ägypter wurden von den spekulanten gekillt und griechenland und rom sowieso

ein für alle mal:

es geht n i c h t um finanzhaie, sondern darum, daß, wenn e i n prozess die dominanz über alle anderen übernimmt, das system insgesamt schaden leidet.
wenn sich also, wie dies heute geschieht, alle unsere bedürfnisse der wirtschaftlichkeit unterwerfen, die gewiß auch ihre berechtigung hat, dann leiden die anderen und werden irgendwann, wenn der druck hoch genug ist, revoltieren.
im falle dieser indischen kultur drückte sich dieses phänomen offenbar dadurch aus, daß alle kontaminiertes wasser tranken und daran zugrunde gingen.
in unserem system mag dessen ende die nutzung der atomenergie bewirken, oder die ausbringung von gülle, pestiziden und chemischen düngern, die ja auch der wirtschaftlichkeit dienen. oder was immer..

Verzeihung, haben Sie vielleicht einen Namen dieser Hochkultur, irgendeinen Anhaltspunkt? (Pures Geschichtsinteresse)

Schätze, gemeint war die 'Mohenjo-Daro' Kultur....

Also Zeitgenossen des Pharaos Cheops?

Von denen hat er sich wahrscheinlich das Geld für die Pyramide gepumpt.

Wieviele von den 30.000 bis 40.000 Leuten, die diese Kultur getragen haben, werden wohl in deren "Finanzindustrie" tätig gewesen sein?

du nix vill gutt vastehst? andere baustelle??

auf lange sicht ist wasser wertvoller als öl/gas. Deshalb darf nicht mit kostbaren Grundwasser fracking betrieben werden.

...wird europa treffen

hat europa schon längst getroffen. zb spanien - in gewissen regionen wird das wasser am tag abgedreht (haupsache der golfplatz und die plastikerdbeeren haben genug wasser)

spanien war immer schon halb trocken. uns kann das wurscht sein.

Mir ist das egal solange ich im Hotel und am Golfplatz genug Wasser hab...

Ich würd mir wünschen...

dass man ind der EU in Sachen Wasserwirtschaft, Verschwendung und Verbrauch genauso fanatisch verfährt, wie man es bei den Rauchern tut. Schließlich gehen doch hier auch Millionen vor die Hunde.....

die angstpolitik geht weiter.

jetzt wird WASSER zum raren gut erklärt und die wasserkrise gehyped.
in zukunft werden wasserterroristen gejagt.

und wenn die menschen diese angst verlieren, wird die luftkrise kommen.
und die luftterroristen werden gejagt.

und was kommt dann?
eine tödliche kreinkheit hatten wir schon lange nicht...

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