Allmählich sind wir reif fürs Land

  • Die Gastronomen Sven und Felix Strasser betreiben gemeinsam das 
Restaurant "Ein Wiener Salon". Hier sind die beiden in ihrem Wohnzimmer 
zu sehen.
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    foto: lisi specht

    Die Gastronomen Sven und Felix Strasser betreiben gemeinsam das Restaurant "Ein Wiener Salon". Hier sind die beiden in ihrem Wohnzimmer zu sehen.

Das Wiener Gastronomenpaar Sven und Felix Strasser wohnt im sechsten Wiener Bezirk. Sie liebäugeln aber mit einem Umzug ins Weinviertel

Sven Strasser und sein Mann Felix verbringen die meiste Zeit in ihrem Restaurant. Michael Hausenblas besuchte das Gastronomenpaar in seiner Wiener Wohnung.

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"Wir wohnen seit 2004 mit unserem Cockerspaniel Laura in einer Mietwohnung im sechsten Bezirk, gleich bei der Gumpendorfer Straße. Sie liegt im zweiten Stock, ist eine typische Altbauwohnung und misst circa 95 Quadratmeter. Aufgeteilt sind diese auf ein Bad, eine Küche, ein Wohn- und ein Schlafzimmer. Zwischen Letzteren liegt eine Art Bibliothek, die sich wunderbar als Lärmpuffer eingliedert. Der ist wichtig, weil ich meistens länger schlafe als Sven. Außerdem ist dieser 'Filter' auch wichtig, wenn ich an meinen kleinen keramischen Skulpturen arbeite.

Sven hasst die Küche hier aus tiefstem Herzen. Er findet sie hässlich und zusammengestückelt, aber nicht nur deshalb koche zu Hause meistens ich. Schließlich steht er die ganze Zeit in unserem Restaurant am Herd, während ich mich um die Gäste kümmere. Oft nehmen wir uns natürlich auch Essen vom Lokal mit.

Wir lieben besonders das Licht hier in der Wohnung, das Grätzel ist sehr angenehm, und die Nachbarschaft auch mehr als okay. Hier wohnen viele Leute mit kreativen Berufen. Circa 80 Prozent der Zeit, in der wir wach sind, verbringen wir im Restaurant, insofern ist die Wohnung vor allem Rückzugsort. Also dieser Schutz- bzw. Höhlengedanke, der hat schon was. Mit den Partys ist das auch nicht mehr so wie früher. Eigentlich leben wir mittlerweile ziemlich zurückgezogen. Selbst ganz enge Freunde kommen eher ins Restaurant zu uns zum Essen. Unser Lokal, das 'Ein Wiener Salon' heißt, ist generell nicht nur Arbeits-, sondern auch Lebensraum, deshalb kocht Sven auch in einer offenen, durchgestalteten Küche. Er will nicht isoliert sein vom Geschehen und den Gästen.

Stilistisch ist die Wohnung schwer einzuordnen. Es schaut halt so aus, wie es ausschaut, wenn man nicht wirklich über ein Budget für Einrichtung verfügt. Was nicht heißt, dass uns Wohnen nicht viel bedeutet. Die Ausstattung ist kunterbunt zusammengestoppelt - alte Sachen, neue, aber auch selbst gebaute Dinge. Sven bearbeitet zum Beispiel Möbel oder gestaltet Lampen. Er hat die Modeschule Hetzendorf absolviert. Ich habe bei Zaha Hadid an der Angewandten Architektur studiert. Wohl deshalb interessieren mich Räume eher in ihrer Gesamtheit. Die Details waren nie so sehr meins, ich beschäftige mich mehr mit der Substanz. In sie einzugreifen wäre also mein Part.

Mein Lieblingsstück in der Wohnung ist kein Möbel, sondern mein Kopfpolster. Den gebe ich garantiert nie wieder her. Sogar auf Reisen wird er mitgenommen mit. Selbst im besten Luxushotel würde ich nicht auf mein Kissen verzichten.

Wichtig sind uns auch Farben, zum Beispiel das Biedermeier-Grün im Schlafzimmer oder das Braun im Wohnzimmer. Wir haben hier viele verschiedene, kleinere Leuchten und Kerzen. Eine braune Wand reflektiert diese Lichtinseln viel angenehmer als eine kalte, weiße Oberfläche. Dieses Wohnzimmer eignet sich sehr gut zum Runterkommen, wenn wir vom Salon nach der Arbeit nach Hause kommen.

Blumen bedeuten uns ebenfalls sehr viel, Sven noch mehr als mir. Sie ersetzen uns ein wenig den Garten. Wobei wir bei einem ganz anderen Wohnthema angelangt wären. Sven und ich sind nämlich allmählich reif fürs Land. Wir möchten wieder mit den Jahreszeiten leben, wollen lernen, den Nebel zu schätzen, auch die Hitze und vieles mehr. Das ist in der Stadt einfach unmöglich. Wir liebäugeln derzeit auch tatsächlich mit einer entzückenden Villa im Weinviertel, eine Mischung aus Barock und Jugendstil. Sie wurde 1906 erbaut, bietet an die 300 Quadratmeter Fläche, wobei ein beträchtlicher Teil hergerichtet werden müsste. So ein Projekt muss wachsen. Schau ma mal. (DER STANDARD, 10./11.3.2012)

FELIX STRASSER wurde 1979 in Tirol geboren. Nach seiner Matura im Jahr 1997 übersiedelte er nach Wien und studierte Architektur in der Klasse von Zaha Hadid an der Universität für angewandte Kunst. Direkt nach dem Diplom 2006 eröffnete er mit seinem Mann Sven das Restaurant "Ein Wiener Salon" in der Wiener Innenstadt.

SVEN STRASSER wurde 1974 in Schwaben geboren. Er kam 1996 nach Wien, um in der Modeschule Hetzendorf zu studieren. Als Autodidakt hat Strasser sich bereits drei Sterne im A la Carte und 14 Punkte im Gault Millau erkocht.

Link

www.einwienersalon.com

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