"Hyperthermie regt das Immunsystem messbar an"

Interview
11. März 2012, 17:01
  • Peter Kohek ist Facharzt für Chirurgie und Arbeitsgruppenleiter für 
Hyperthermie und chirurgische Onkologie an der Medizinischen Universität
 Graz.
    foto: standard

    Peter Kohek ist Facharzt für Chirurgie und Arbeitsgruppenleiter für Hyperthermie und chirurgische Onkologie an der Medizinischen Universität Graz.

Peter Kodek über den therapeutischen Einsatz der Hyperthermie

An der Medizinischen Universität in Graz erforscht Peter Kodek die Wirkung von Wärmebehandlung auf Tumore. Über den therapeutischen Einsatz dieser Methode und ihre Grenzen sprach er mit Kurt des Swaaf.

Standard: Sie haben 15 Jahre lang Hyperthermie zur Krebsbehandlung eingesetzt. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Kohek: Die Patienten profitierten von hyperthermischen Methoden zur Unterstützung von Chemo- oder Radiotherapie, weil sich diese Behandlungen gut ergänzen. Die Erfolgsquote ist allerdings schwer einzuschätzen. In unserem Patientenkollektiv wiesen fast alle ein fortgeschrittenes Tumorstadium auf. Wir haben Hyperthermie vornehmlich zu palliativmedizinischen Zwecken eingesetzt. Bei Patienten, die bereits austherapiert waren, ist es aber in Verbindung mit Bestrahlung oder Chemotherapie in Einzelfällen zu Teilremissionen, dem Schrumpfen von Tumoren, gekommen. So konnten wir die Lebenserwartung verlängern und die Lebensqualität verbessern.

Standard: In welchen konkreten Fällen empfehlen Sie eine hyperthermische Behandlung zur Tumorbekämpfung?

Kohek: Bei malignen Melanomen, also Hautkrebs, bei Weichteil- sarkomen und bei kleineren HNO-Tumoren. Dadurch kann man verstümmelnde Operationen, zum Beispiel an Zunge oder Kehlkopf, vermeiden. Die hyperthermische Behandlung lässt den Tumor so weit schrumpfen, dass man ihn organschonend entfernen kann. Mediziner bezeichnen das als " Downstaging". Das funktioniert mit Einschränkungen auch bei kolorektalen Karzinomen, damit lässt sich ein künstlicher Darmausgang verhindern.

Standard: Einige Ärzte, vor allem in Deutschland, wenden Ganzkörper-Hyperthermie zur Stärkung der Immunkräfte an. Halten Sie das für sinnvoll?

Kohek: Ja, das ist sicherlich zu befürworten. Die Hyperthermie regt das Immunsystem messbar an, so wie das bei Fieber auch der Fall ist. Als klinischer Parameter gilt der Anstieg der T-Zellen-Population.

Standard: Und wie effektiv ist die sogenannte Prostata-Hyperthermie?

Kohek: Diese Therapieform haben wir in Graz auch praktiziert. Solange ein Prostata-Karzinom noch nicht die Grenzen der Organkapsel überschritten hat, kann man mittels Katheter-Hyperthermie das Tumorwachstum bremsen, aber die Krankheit lässt sich dadurch nicht heilen. Im Einzelfall ist dann zwischen Operation und Hormontherapie zu entscheiden. Wenn ein Prostatakrebs allerdings schon Metastasen gebildet hat, ist auch ein chirurgischer Eingriff nicht mehr sinnvoll.

Standard: Gibt es andere Krankheiten, bei denen Hyperthermie Wirkung zeigt?

Kohek: Hier liegen keine wissenschaftlich relevanten Daten vor. Bei Arthrose an den Fingern haben wir häufig eine Besserung der Symptome gesehen, aber das sind rein empirische Beobachtungen, jedoch keine kontrollierten Studien. Andere Mediziner haben von positiven Effekten der Hyperthermie bei der Behandlung von Kniearthrose berichtet. Es wäre sicherlich interessant, hier weiterzuforschen.

Standard: Manche Alternativmediziner setzen milde Ganzkörper-Hyperthermie bis 38,5° C auch zur Entgiftung ein. Wie ist das zu beurteilen?

Kohek: Diese Aussagen sind rein spekulativ. Ansätze dazu gibt es seit Hippokrates, jedoch ist die Datenlage nicht eindeutig. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 12.3.2012)

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4 Postings
kann man nicht einfach

einmal die woche in die sauna gehen und den gleichen effekt erzielen?

Keine fiebersenkenden Medikamente mehr verschreiben - müsste dann, der Logik folgend - als Krebsvorsorge durchgehen...

Wenn man

die Risiken eines unkontrollierten Fieberns auf über 40grd bedenkt, ist das eine relativ gefährliche Prophylaxe.
Die therapeutische Hyperthermie erfolgt ja unter Aufsicht eines Arztes mit einem entsprechenden Monitoring der Vitalfunktionen, sodaß bei Komplikationen jederzeit eingegriffen werden kann.

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