Tränengas gegen Demonstranten

10. März 2012, 19:17

Beisetzung eines Gewaltopfers wurde zu Kundgebung gegen Regime

Manama - Mit Tränengas ist die Polizei im arabischen Golf-Königreich Bahrain am Samstag gegen demonstrierende Teilnehmer des Begräbnisses eines jungen Mannes vorgegangen. Nach Zeugenberichten waren Hunderte Menschen nach der Beisetzung eines 22-Jährigen in Richtung einer Polizeiwache marschiert. Bei den Auseinandersetzung hätten Demonstranten Brandbomben auf die Polizisten geworfen, sagten Zeugen. Der junge Mann, der zu Grabe getragen wurde, sei bei Zusammenstößen Anfang des Monats tödlich am Kopf verletzt worden, sagte seine Familie.

Während der seit 13 Monaten andauernden Proteste der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen die sunnitische Herrscherfamilie sind bisher nach offiziellen Angaben mehr als 45 Menschen ums Leben gekommen. Am Freitag waren über 100.000 Menschen einem Aufruf des prominenten schiitischen Predigers Scheich Issa Kassim gefolgt und hatten demonstriert.

Protest mit saudischer Hilfe niedergeschlagen

Im Frühjahr 2011 war die schiitische Bevölkerungsmehrheit wochenlang auf die Straßen gegangen. Bei den mit saudiarabischer Militärhilfe niedergeschlagenen Protesten wurden nach Angaben der Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation Amnesty International 2500 Menschen willkürlich festgenommen. Zivilisten seien von Militärgerichten aufgrund von politisch motivierten Anklagen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Die Schiiten stellen in dem Königreich annähernd 70 Prozent der Bevölkerung. Der Inselstaat - ein Archipel im Persischen Golf mit einer großen und 32 kleinen Inseln - ist nur 711 qkm groß. Von 1861 bis 1971 war Bahrain britisches Protektorat. Das sunnitische Herrscherhaus hat dem Iran vorgeworfen, er versuche, die Schiiten gegen die Dynastie aufzuwiegeln. König Hamad Bin Issa al-Khalifa verhängte den Ausnahmezustand und holte sich zur Unterstützung Soldaten und Polizisten aus Saudi-Arabien und anderen konservativen Monarchien des Golf-Kooperationsrates (GCC) ins Land. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte die weitere "Intensivierung der Repression" in Bahrain angeprangert. Der Inselstaat gilt als strategisch wichtiger Partner der USA. Manama ist der Hafen der 5. US-Flotte, die vor allem im Persischen Golf und im Indischen Ozean eingesetzt wird. (APA, 10.3.2012)

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17 Postings
ein Lichtlein...

Sieh an, sieh an, während seit Wochen unentwegt über den grausamen Assad berichtet wird, haben die gleichgeschalteten Medien über die Massaker in den VAE und Saudi Arabien dezent das Mäntelchen des Schweigens gebreitet; denn die sind ja "westlich orientiert", und daher sind die Demonstranten die Bösen! Doch mit diesem Bericht keimt sogar etwas Hoffnung auf Objektivität auf.

Guter Kommentar!

Hätte die Vorgehensweise der NATO
mit Menschenrechten oder Gerechtigkeit zu tun ,
wären nun
China oder Russland an der Reihe
eine Flugverbotszone
gegen Bahrain und Saudiarabien
durchzusetzen .

<sofort einmarschieren...... in Syrien, natürlich, mit Unterstützung von Saudi-Arabien, wie hier!

richtig

wann immer ich schreibe, dass die USA auch dort befreiend tätig werden sollten, und das ganz einfach wäre, weil Bahrain der Heimathafen der 5. Us- Flotte ist, und aus diesem heraus die Beschießung der Polizei und Militäreinrichtungen erfolgen könnte, wird das zensuriert , schon seit 2 Jahren

Erinnert sich noch jemand an letztes Jahr?

Die Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen, es gab Tote, viele wurden ohne jeden Grund verhaftet und verschwanden für immer, ...

Und direkt danach reiste US-Verteidigungsminister Gates an um Bahrain für seine vorbildlichen Reformen zu loben.

Och, da erinnern sich - zumindest in Bahrain - einige daran. Nachdem sich gewaltfreie Proteste auf Grund ihrer brutalen Niederschlagung als wenig zielführend erwiesen haben, hat der Krieg der schiitischen Jugend gegen den Gewaltapparat des herrschenden Königshauses längst begonnen. Über den Umgang mit Einrichtungen der Polizei in Bahrain: http://www.youtube.com/watch?v=NniIgQNsphk

"Wer eine friedliche Revolution unmöglich macht, macht eine gewaltsame unvermeidbar." John F. Kennedy

Bewundernswert,

dass man etwas, das sich innerhalb von 30 Sekunden falsifizieren lässt, schreibt oder mit grünen Stricherln versieht; welch Mut zur Peinlichkeit!

Die Menschen sehen im Zeitalter des schnellen Internets genauso wie zur Zeit des Mittelalters nur das, was sie sehen wollen.

http://online.wsj.com/article/S... 95048.html

"forderte US-Verteidigungsminister Robert Gates zwar weitere Reformen, lobt aber gleichzeitig die Regierung dafür, "einen Reformprozess begonnen und gleichzeitig die Stabilität aufrechterhalten zu haben"

http://www.taz.de/!67373/

In Bahrain wurden aber mit "Reformen" nicht mal die Lächerlichkeiten angeboten die Assad gerade anbietet, eigentlich gar nichts. Aber nachdem Bahrain eben ein braver unterwürfiger Staat ist, passt das so. Und notfalls kommen eben wieder die Saudi-Truppen und sorgen für Ordnung. Einen Aufstand gewaltsam niederschlagen tut man ja nur anderswo...

Das zeigt die manipulative Berichterstattung der TAZ wenn "baby steps" als Lob für die begonnenen Reformen interpretiert wird.

Natürlich hat Gates diplomatische Gepflogenheiten eingehalten und nicht wüst herumgeschimpft - seine Aussagen lassen an Klarheit aber nichts zu wünschen über.

Aber nicht einmal aus dem amerikakritisch geschriebenen TAZ-Artikel lässt sich ableiten, dass Gates bei seinem Baharain-Besuch die Gastgeber für "vorbildlichen Reformen" gelobt hätte, das ist eine glatte Erfindung.

"holte sich zur Unterstützung Soldaten und Polizisten aus Saudi-Arabien"

Warum nennt man "Polizisten" die aus fremden Ländern kommen noch immer Polizisten?

Ist das APA Logik?

Das sind eindeutig Söldner.

Pack verträgt sich eben wenn es um moderne Sklaverei geht.

Polizisten sind auch bei Auslandseinsätzen immer noch Polizisten! Oder wollen Sie zum Beispiel deutsche Polizisten die in Afghanistan Polizisten ausbilden auch Söldner nennen?
Andererseits wird natürlich in Bahrain mit einem anderem Maß gemessen, weils ja die "guten" US-verbündeten sind.

Wenn die Soldaten und Polizisten von Saudi Arabien bezahlt werden, dann kann man sie nicht als Söldner bezeichnen.

Artikel 47, Abs. f) des 1. Zusatzprotokolles des Genfer Abkommrnd:

"Söldner ist, wer nicht von einem nicht am Konflikt beteiligten Staat in amtlichem Auftrag
als Angehöriger seiner Streitkräfte entsandt worden ist." - aber genau das trifft hier zu.

WO BLEIBT DIE NATO?!?!?!?!

Ach, die meisten der 70% Shiiten werden wohl auch hinter dem Königshaus stehen. Wieso sollte es hier anders sein, als es in Syrien mit den Sunniten von gewissen Greisen behauptet wird?

Wann war Tränengas je das Problem?
Tote gab es in Bahrain auch, aber selbst angesichts der Bevölkerungszahl sehr wenige, verglichen mit Syrien oder Libyen.

Natürlich ist auch tränengas ein problem

Man soll das nicht schönreden: auch die golfstaaten sind unter kontrolle von gangsterbanden, welche die länder ohne jede demokratische legitimation kontrollieren und die menschenrechte mit füßen treten.

Nicht, dass das ein argument gegen kooperation wäre. Die despoten haben kontrolle über wertvolle dinge, man kann sie einstweilen nicht umbringen, also kooperiert man und treibt handel. Aber das ist kein guter grund, sich illusionen darüber zu machen, was man da treibt. Und kein grund dagegen, die gangster umzubringen, sobald sich denn die gelegenheit bietet - so, wie jetzt bei assad.

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