"Du darfst Kirchensteuer zahlen, bis du tot umfällst"

  • Hohe Spesen für ein höheres Wesen: Vor allem geschiedene Katholiken ärgern sich.
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    Hohe Spesen für ein höheres Wesen: Vor allem geschiedene Katholiken ärgern sich.


  • Schönborn: Offen für Verbesserungen, aber keine Initiative zur Abschaffung des Kirchenbeitrags.
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    Schönborn: Offen für Verbesserungen, aber keine Initiative zur Abschaffung des Kirchenbeitrags.

  • Appel: "Die Behördenmentalität ist grotesk und gegen das Wesen der Kirche. Die Kirchensteuer gehört weg."
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    Appel: "Die Behördenmentalität ist grotesk und gegen das Wesen der Kirche. Die Kirchensteuer gehört weg."

Mit ihren Gebühren im Namen Gottes vergrault die katholische Kirche manches Schäfchen - Immer noch zehntausende Klagen pro Jahr

Wien - Selbst treue Katholiken fühlen sich von ihrer Kirche bisweilen hart geprüft. "Für die Kirche bin ich ein Sünder", sagt Berndt Grünanger. "Ich laufe mit dem Stempel des Geschiedenen umher", beklagt sich der 52-jährige Selbstständige aus Kärnten. Weil er sich einst von seiner Frau wegen unterschiedlicher Kinderpläne getrennt hatte und später eine andere heiratete, ist er von den Sakramenten ausgeschlossen und darf weder Tauf- noch Firmpate sein. Er merke bloß einmal im Jahr, dass er Mitglied der Kirche ist: beim Einzahlen der Kirchensteuer.

Die katholische Kirche zählt in Österreich noch rund 5,4 Millionen Mitglieder, in Wien sind es 933.000. Laut Erzdiözese Wien spülen die Kirchenbeiträge in der Hauptstadt rund 90 Millionen Euro in die Klingelbeutel. Ergibt pro Gläubigen wenig mehr als 100 Euro.

Trotz dieser relativ kleinen Summe kommen Klagen und Exekutionen immer wieder vor. Im Jahr 2010 reichte die Kirche österreichweit 30.691 Klagen gegen ihre Schäfchen ein. Streitwert: 8,67 Millionen Euro. 12.130 Exekutionsfälle verzeichnete die Kirche im selben Jahr, bei diesen gerichtlichen Pfändungen ging es nicht nur um Kirchenbeiträge, sondern zum Beispiel auch um Miet- und Pachtzinsen. (Für 2011 liegen noch keine Zahlen vor.)

Ärger bei Geschiedenen

"Das ist wie ein Theaterabo, ohne jemals hinzugehen", fragt sich Grünanger, wozu er bezahlt. Er ist immer noch Katholik. Harald Kuhm*, Orthopäde aus Niederösterreich, ging 2002 einen Schritt weiter: Er trat aus der Kirche aus. Wegen der Kirchensteuer. Nach seiner teuren Scheidung sandte ihm die Kirchenbeitragsstelle einfach weiterhin eine gemeinsame und entsprechend hohe Rechnung zu - für ihn und seine Ex-Frau. Kuhm: "Nach der Scheidung war ich eh schon sauer, und dann soll ich noch doppelt fürs Sakrament bezahlen, von dem sie mich ausgeschlossen haben? Du darfst dort einzahlen, bis du tot umfällst, aber sonst nichts."

Dass man auch noch nach der Scheidung aufs gemeinsame Beitragskonto einzahlen soll, könne nur dann passieren, wenn die Kirche nichts von der Scheidung gewusst habe, erklärt sich Maria Puecker von der Wiener Kirchenbeitragsstelle den Fall.

Dass besonders wiederverheiratete Geschiedene sich von der Kirche gekränkt fühlen, sei auch aus seiner Sicht "verständlich", sagt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien. Doch der Kirchenbeitrag sei in einem größeren Zusammenhang zu sehen: "Die Kirche ist kein Verein, den man für bestimmte Dienstleistungen oder für ein Service bezahlt, sondern eine geistliche Heimat. Wir wollen natürlich, dass auch wiederverheiratete Geschiedene Zuspruch erfahren." Diese seien "nicht Christen zweiter Klasse", sagt Prüller.

Kirchenbeitrag häufiger Austrittsgrund

So fühlte sich aber Franz Wanek nach seiner Scheidung: "Nur bei der Kirchensteuer haben sie meine zweite Frau akzeptiert." Sein Austritt liegt zwar schon 20 Jahre zurück, doch bis heute ärgert er sich über das Familienbild der "doppelzüngigen" Kirche: Obwohl er seine heutige Gattin ja nur standesamtlich, nicht kirchlich heiraten durfte, flatterte ihm ein Zahlschein ins Haus, der ihm die gemeinsame Kirchensteuer für ihn und seine - laut Kirche eigentlich nicht existente - Frau vorschrieb. "Ich hab denen die Kirchensteuer von damals knapp 5.000 Schilling hingelegt und bin ausgetreten", erzählt der Wiener Pensionist.

Auch der Kärntner Grünanger wollte die Kirche einmal seine Wut spüren lassen - jahrelang bezahlte er den Kirchenbeitrag nicht. Dann kam die Klage, die Diözese Gurk-Klagenfurt war zum Bezirksgericht gegangen. "Da bist du der Zweite", sagt Grünanger. "Gegen die hast du keine Chance, das ist wie bei der Sozialversicherung." Unter der Drohung, sein Gehalt werde exekutiert, zahlte er schließlich doch.

Rechtsweg nicht ausgeschlossen

Ein eher untypischer Fall ist Christoph Baumgarten. Der überzeugte Atheist ließ es nach seinem Austritt auf eine Klage ankommen und wartete so lange zu, bis die Kirche sein Gehalt "beinhart pfändete", sagt der 33-jährige Wiener. Mindestens zehn Schreiben und mehrere Anrufe der Kirchenbeitragsstelle ignorierte Baumgarten, bis die Kirche ihm dann 474 Euro - drei Jahresbeiträge plus Gerichtskosten - abknöpfte.

Der Christ als Kunde

In der Kirchenbeitragsstelle der Erzdiözese Wien beteuert man, den Mitgliedern weit entgegenzukommen. 933.000 Beitragszahlern in Wien stünden lediglich 1.800 Klagen gegenüber, sagt Josef Weiss, Leiter der Kirchenbeitragsstelle. Das sind 0,2 Prozent. Heute beschäftigt die Erzdiözese auch eine mobile Truppe, die säumige Zahler bei Besuchsterminen nach den Gründen fragt. "Bei Mitgliedern, die nicht zahlen können, finden wir immer eine Lösung. Bei jenen, die nicht zahlen wollen, gibt es aber Probleme. Es ist nicht fair, Mitglied sein zu wollen, aber nicht bezahlen zu wollen", sagt Weiss. Das sei wie bei einem Handyvertrag oder Zeitungsabo, wobei sein Team sich um eine optimale "Kundenbeziehung" bemühe.

Die 30.691 Klagen der Kirche im Jahr 2010 bedeuteten eine Steigerung um 12,7 Prozent zu 2009. Aber: Übers Jahrzehnt gerechnet gingen die Klagen der österreichischen Diözesen deutlich zurück. Trotzdem rät Kurt Appel, Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, generell davon ab, die Kirche wie eine Behörde oder ein Unternehmen zu führen: "Die Kirche sollte sich nicht staatlicher Gewaltmittel wie Zwangsexekutionen bedienen." Der Theologe sieht in der Kirchensteuer - pikanterweise in der Nazi-Zeit eingeführt und später nie abgeschafft - einen doppelten Konstruktionsfehler: "Diese Behördenmentalität widerspricht dem Wesen der Kirche. Außerdem ist der Hass auf die Kirche in keinem Land so ausgeprägt wie hier, das hängt auch mit der Kirchensteuer zusammen."

Erzdiözese: Arbeit der Kirche kostet Geld

Kurz vor Weihnachten sprach Kardinal Christoph Schönborn vom Umbruch "von einer Volkskirche hin zu einer Entscheidungskirche überzeugter Christen". Heute, da viele Österreicher kaum mehr etwas mit ihrer Pfarre verbindet, scheint schon ein Zahlschein den Glauben erschüttern zu können.

In der Erzdiözese Wien sieht man keinen akuten Änderungsbedarf. "Das Beitragssystem ist unter allen schlechten Systemen noch eines der besten", sagt Sprecher Prüller. "Mit der Kirche kann man reden und sagen 'Heuer schaffe ich etwas weniger'. Am Finanzamt geht das nicht." Außerdem stehe die Kirche "nun einmal in der Welt, und alles, was man in dieser Welt tut, kostet etwas": von der Kirchensanierung bis zum Sozialprojekt.

Theologe: Kulturbeitrag statt Kirchensteuer

Von einem Kulturbeitrag, den alle Bürger bezahlen, aber dafür über die Verwendung ihrer Gebühr, wie in Italien, mitreden können, hielte Appel viel. Das würde die Situation entkrampfen. Der Theologe warnt die Bewahrer des Kirchenbeitrags: "Wer die Kirche als Unternehmen versteht, versteht sie falsch." (Lukas Kapeller, derStandard.at, 13.3.2012)

* Name von der Redaktion geändert.

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Posting 1 bis 25 von 1782
Ich finde das amerikanische System gut

Es gibt eine riesen Auswahl an Religionsgemeinschaften und man kann sich frei entscheiden, welche und wie hoch man diese unterstützt. Die Priester bemühen sich richtig gute Predigten zu halten, weil davon ihr Einkommen abhängt! Wer langweilige/schlechte Zeremonien macht hat einfach keine Gläubigen mehr. Gäbe es diese Alternativen in Österreich hätten die katholischen Priester allerhand zu tun um ihr derzeit sehr fragwürdiges Angebot aufzubessern.

da für den Kirchenbeitrag die gesetzliche Grundlage das Kirchenbeitragsgesetz von 1939 ist (ich muß galube nicht erwähnen wer das eingeführt hat) ist es für mich als christ nicht tragbar diese zu zahlen und übriegens überlebt die kirche in anderen ländern ohne kichenbeitrag auch

Soll man da jetzt Mitleid haben? Austreten, noch bevor man sein erstes Einkommen verzeichnet, sicherheitshalber zum 18. (für die Mutigen 14.) Geburtstag.

Und gut ists.

Will man die Kulturgüter fördern, kann man immer noch in der Kirche spenden.

Seine Schäfchen zu klagen, das ist wahre Nächstenliebe.

http://www.kirchenopfer.de/
http://www.kirchen-einsparen.de/

tja...wer an märchenbücher glaubt ist halt in vielerlei hinsicht arm drann

http://kreuz.net/article.14260.html

die haben Uns was vorgebetet, die Charismtiker
den Eindruck hat man bekommen: man glaubt nicht richtig
beim Krenn war Gerard Croissant Mitzelebrant
mit dem hätte Er Uns versöhnt
Krenn wollte den Zölibat dogmatisieren.
Schön blöd halten, oder auch auch allen was vormachen.
War es für Mich ernst gewesen, als Ich geglaubt habe: Gott will dass Ich Priester werde .. ?
Ich war dann bald in psychiatrischer Behandlung
Die haben geglaubt
Maria haben die Uns angepriesen

Die Gottesmutter
für Sexverbot

Lug und Trug
Jesus - ein Betrug

der hilflose Schönborn hat Sich an die angeklammert
der "Heilige Vater Sager"

sonst hat Er ja nicht viele gehabt, für seinen "Glauben"

dann pudert dort die Führungsspitze

ich bin alles eher...

... denn ein praktizierender Katholik, habe aber all die Jahre treu und bieder meinen Kirchenbeitrag abgeliefert.
Erst in den letzten zwei Jahren kam ich in Rückstand und mir wurde mit Exekution gedroht.
Ich habe dem Pfarrer meines Heimatdorfes erklärt, dass ich zwar zahlen wolle, aber im Moment nicht könne, und bekam zur Antwort, er werde versuchen, mit der Diözese zu reden.
Nach einiger Zeit teilte er mir mit, es sei alles in bester Ordnung, die Zahlung würde mir erlassen -
und genau das ist auch geschehen.
Fazit:
Man kann sehr wohl mit der Kirche reden - man muss es nur versuchen...

aus eigener erfahrung weiss ich das ihr statement nicht stimmen kann,zumindest in wien,das ergebniss war, ich bin ausgetreten.

Das Betteln gehen, das war ihnen nicht zu blöd?

Gut dass Du nicht hingehst; dort bekommst Du den Kopf verdreht, ob Du Klosterschwester wirst, Priester oder Missionar

Da kannst dann auch irgendwann genug bekommen.

So gehörst Du zu den besten.

Verlogener Haufen !

Mir wurden 227 euro im jahr vorgeschrieben. ich habe die kirchenbeitragsstelle kontaktiert und gesagt, das ist mir zu viel. ich zahle gerne 120 euro im jahr (10 euro im monat dafür dass ich nicht in die kirche gehe reicht meiner ansicht nach völlig aus). ich habe auch gesagt, wenn das nicht geht, sehe ich mich gezwungen auszutreten, möchte das aber eigentlich aus familiären gründen eher nicht tun. also nochmal kurz auf deutsch: 120 euro und ein schäfchen mehr, oder nix.
die antwort war: das ist leider nicht möglich, uns ist nix lieber. na bitte, dann bin ich halt ausgetreten.
die geschichte ist wirklich wahr!!! nicht frei erfunden!!!

Geht mir auch so, mein Betrag ist ähnlich hoch, nur bin ich noch nicht ausgetreten. Der Zwang der Familie ist noch zu groß, aber vielleicht bald mal...

Ich bin ein Ketzer

...und habe regelmäßig meine Freude darann, dass mich die Kirche desswegen nicht mehr einsperren, foltern und umbringen kann! HA!

Weil sie würden es tun, wenn sie könnten...

rechtzeitig

austreten noch bevor der erste Erlagschein eintrudelt ist DIE Lösung .

na ja
"es ist nicht fair Mitglied sein zu wollen, aber nicht zahlen zu wollen"

es ist auch nicht fair, regelmäßig zur Kirche zu gehen, die Botschaft zu hören, damit nicht fertig zu werden und dann lassen die Priester einen stehen, wenn welche kommen, die man nicht kennt, und heiraten

denn schließlich sind die zwar fast nie da
entrichten aber ihre Beiträge

in so einem Fall gibt es auch einem Austritt

nicht ohne Glauben - mit Hass auf Gott

man kann Sich dann nur distanzieren
und in dem Heilsumgebung: ausgetreten
neu anfangen
die blöden Charismatiker
wie Sie den Herrn erfahren haben
wie Er für Sie sorgt
etwa dann als Beamte bei der Kirchensteuer
da tät Ich für die sorgen
oder Mir droht Exekution
wie ist es mit einem normalen Beruf
auch im Hintern des Herrn ?

die anderen - die Realos
die haben eh Verständnis
bis zu den Ärzten - den Psychiatern
da huldigen die genauso
ohne Glauben

da finden Sich diese Realos und Charismatiker eh:
bei der Kirchensteuer

die einen: brauchen Wir
die anderen sitzen auch gleich dort als Beame

und gegeneinander sind die spinnefeind
jede Gruppe tät gerne auf ihre Seite ziehen

Ich rate zum Austritt
und zum erst far nicht Hingehen

Georg

na wirklich
wie Sie versucht haben, für ihre Gebetsgruppen zu gewinnen
Zungenrede, Vorsehung
und dann muss Sie der Schönborn zum Beispiel bei der Kirchensteuer unterbringen
da zeigen Sie Mir dann wie man glaubt
praktisch
Mich sahen Sie die ganze Zeit auch an wie einen, der zu bekehren ist
Ich brachte nicht das eindeutige Bekenntnis:
Herr, Herr !
das war auch richtig hysterisch gebetet
und wenn Ich die Kirchensteuer nicht zahle
dann droht Mir Exekution

das ist so ein Schmarrn ..

jetzt bin Ich ausgeteten zu der Beterei
jetzt könnt Ihr weiterbeten
Exekutionstitel bekomme Ich so keinen mehr
und Unzufriedenheiten von Kirchenmitgliedern wegen : der Kirchhensteuer -
- die man ja privat hört -
- am besten auch ohne Priestergwandl -
die gehen Mich auch gar nichts mehr an

zur kath Taufe bringt man hier heutzutage nur mehr mit Gebetssensationen, Gotteserfahrungen

normal bringt einem keiner (mehr) dazu

normal kamen zuletzt in der Zeit der Weltkriege ein paar Juden zum kath Glauben - Edith Stein, +

aber damit ist Schluss. Seit der Erhebung des Heiligen Adolf zum Schutzpatron der Kirchenfinanz kommt keiner mehr; nur mehr abnormal über Charismatiker - diffuse Gotteserfahrungen mit Sensation heischenden Gebetsgruppen

Geldempfänger in der Kirche versuchen dazu jeweils auf ihre Seite zu bekommen: die Laien in den Kirchengehaltsrängen mit "Progressivität" - so weit es Sie betrifft (Predigen für Religionslehrer und Pastoralassistenten - aber nicht alle Gefirmten/Nettozahler)

und die andere Seite die hinreichend bekannt ist

so ein heiliger depperter Haufen
Ich war nicht jahrelang, jahrezehntelang weg
# ja mit der Kirchensteuer geblieben verbunden #
# wusste was auszusetzen #
kam in eine charismatische Gebetsgruppe
erfuhr den "Herrn"
und machte Mich auf die Pfarren zu bekehren

Ich war immer dort gewesen

die blede Beterei, die hätte es werden sollen

Posting 1 bis 25 von 1782

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