Bienen mit "Persönlichkeit"

9. März 2012, 17:52
  • Eine mutige Kundschafterin auf Futtersuche.
    foto: alex wild

    Eine mutige Kundschafterin auf Futtersuche.

Kundschafterinnen sind ein besonderer Schlag: Forscher entdecken, was manche Insekten mutig macht

Washington/Wien - Dass Bienen unterschiedliche Charaktere haben können, wissen dank der Zeichentrickverfilmung der Biene Maja auch Generationen von Kindern: Im Unterschied zur umtriebigen Titelheldin ist die Drohne Willi, die im Original bei Waldemar Bonsels noch nicht vorkam, eher ein notorischer Faulpelz und Feigling.

Doch es gibt nicht nur ausgeprägte Unterschiede zwischen den eher untätigen Drohnen, den fleißigen Arbeiterinnen und der riesigen Königin. Auch unter den Arbeiterinnen lässt sich ein besonderer Persönlichkeitstyp ausmachen, berichten nun US-amerikanische Genetiker und Entomologen um Gene Robinson im Fachmagazin "Science".

Schon bei anderen Tieren war in den letzten Jahren entdeckt worden, dass es Artvertreter gibt, die sich im Vergleich zu den anderen als besonders mutig charakterisieren ließen und sich für neues interessierten. Doch kann es solche Unterschiede in der "Abenteuerlust" auch bei ganz normalen Honigbienen geben?

Ja, sagt Robinson und verweist darauf, dass sich Bienen immer wieder neue Heimstätten suchen müssen. Dafür schwärmen nur rund fünf Prozent der besonders mutigen Bienen als Kundschafter aus, um geeignete Orte zu finden. Diese mutigen Späherinnen sind aber auch bei der riskanten Futtersuche mehr als dreimal so oft Späherinnen wie ihre Kollegen.

Für Robinson und sein Team ergibt sich daraus der Schluss, dass es Unterschiede in der Persönlichkeit der Bienen geben muss. Also gingen sie der Frage auch genetisch auf den Grund, indem sie sich anschauten, welche Gene im Hirn der "mutigen" und normalen Bienen an- und ausgeschaltet waren - und entdeckten verblüffende Unterschiede.

Unter den unzähligen verschieden aktivierten Genen standen etliche - wie auch schon an anderen Tieren gezeigt - in Beziehung zu Neurotransmittern und ihren Signalen im Gehirn, wie etwa Glutamat, Adrenalin, Noradrenalin oder Dopamin. Und als die Forscher etwa den Dopamin-Signalweg blockierten, ging auch das mutige Spähverhalten zurück. (tasch/DER STANDARD, 10./11. 3. 2012)

"eher untätige Drohnen" ist natürlich vollkommen falsch

Hihi, mutige Biene. Kann man dann auch davon ausgehen, dass menschliche Charakterzüge durchaus im gewissen Maße genetisch bedingt sein können? Zukünftig bei der Schwangerschaftsberatung vlt "Ich hätte gerne einen mutigen Sohn mit braunen Augen und wenig Fett am Bauch." …

Ui, ist Ihnen diese Problematik neu? Na zum Glück hat Ihnen der Artikel jetzt die Augen für etwas Neues geöffnet!

Hä? Genmanipulation ist mir nicht neu, hab sogar aus persönlichem gesundheitlichen Interesse damit zu tun. Ich hab aber deutlich gefragt, ob nicht auch beim Menschen schon Charakteristika wie Mut genetisch veranlagt/bedingt sein können bzw ob man das schon irgendwo mal studiert hat. Kein Grund, mich so anzumachen.

Glaube nicht, dass solche Eigenschaften "in die Wiege gelegt" werden.
Eher eine Beeinflussung schon während der Schwangerschaft.
Aber eine genetische Manipulation ist deswegen auch nicht ausgeschlossen.

Gerade erst war auf Arte eine Sendung über die Geschlechter-Klischees - wie sehr es doch den meisten Menschen eingeprägt ist, dass viele "geschlechtsspezifische" Eigenschaften "angeboren" sein sollen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.