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Rogan sagt, 2008 sei er vor Olympia "genau dort gewesen, wo ich sein wollte". Und am Jahresende hatte er "alles gewonnen, außer etwas bei den Spielen". Darum stört es ihn nicht sehr, wenn er nun nicht genau dort ist, wo er sein wollte.
Standard: Ihre ersten Ergebnisse im olympischen Aquatic Centre waren nicht allzu berauschend. Gibt Ihnen das zu denken?
Rogan: Nicht wirklich. Ich wollte schon schneller sein. Aber es ist eher ums Entmystifizieren gegangen, darum zu erkennen, dass auch ein olympisches Schwimmbecken ein Schwimmbecken ist. Ich glaube, dass viele Schwimmer übertrainiert zu den Spielen kommen werden. Viele schwimmen im Frühjahr tolle Zeiten und im Herbst, aber genau bei Olympia nicht. Mein Ziel sind Bestzeiten bei Olympia. Das hab ich in Athen und Peking schon geschafft.
Standard: Wo sehen Sie sich in der Vorbereitung, mit welcher Einstellung wollen und werden Sie Olympia angehen?
Rogan: Ich darf nicht schon vorher glauben, dass ich gewonnen habe. Vor den Spielen wünschen dir so viele Leute so oft so viel Glück. Das kann dir vermitteln, dass du dir die Medaille nur noch abholen müsstest.
Standard: 2004 haben Sie zweimal Silber geholt, 2008 eine Medaille knapp verpasst. Was ist diesmal anders?
Rogan: Ich schwimme nicht mehr Rücken, sondern Lagen. Ich lebe und trainiere in Los Angeles, dort bin ich mit einigen Leuten zusammen, die besser schwimmen können als ich. Das ist wichtig, damit du nicht so leicht größenwahnsinnig wirst.
Standard: Ihr Lebensmittelpunkt, wenn man so will, erspart Ihnen unzählige Termine in Österreich. Verabschiedungen, Ansprachen, Buffets, Seitenblicke-Events. Wie leben Sie damit?
Rogan: Wenn du zu jeder Verabschiedung gehst, hast du am Ende viele Politiker kennengelernt und zehn Kilo zugenommen. Und du hast zehnmal versprochen, dass du eine Medaille machen willst. Jemand, der stärker ist als ich, hält das vielleicht aus. Ich halte es jedenfalls nicht aus, dafür bin ich nicht stark genug.
Standard: Ich würde behaupten, das haben Sie nicht immer so gesehen. Was hat sich verändert, was hat Sie verändert?
Rogan: Ich versuche weniger zu beweisen als früher, vor allem nicht mehr zu beweisen, wie schlau ich bin. Das war mein größter Fehler, dass ich jeden Tag versucht habe jemandem zu beweisen, dass ich nicht nur schwimmen kann. Langfristig kannst du keine Show abziehen, sondern nur so sein, wie du wirklich bist.
Standard: Inwiefern haben Sie eine Show abgezogen?
Rogan: Es war so, dass ich zunächst durchs Schwimmen Aufmerksamkeit erzielen konnte. Dann hab ich irgendwann ganz ohne Schwimmen auch Aufmerksamkeit erzielt. Und das hat mich falsch konditioniert. Statt Sekunden hab ich Kameras gezählt. Ich hab zwanghaft probiert, mehr zu sein.
Standard: Viele Athleten haben vor, vor Olympia und währenddessen via Facebook und Twitter ihre Popularität zu mehren. Kann man davon ausgehen, dass Sie darauf verzichten?
Rogan: Ich twittere schon ein wenig, aber nur zum Spaß. Mit Facebook hab ich aufgehört. Facebook gehört mit zur Verlockung des Berühmtseins, und die wird viele umhauen. Ich weiß, wie das ist, wenn man von der Berühmtheit umgeworfen wird.
Standard: Erübrigt sich die Frage, wo Sie sich in einem halben Jahr oder Jahr sehen?
Rogan: Vor Peking habe ich ja gesagt, dass ich unmittelbar nach Peking aufhören werde. Es ist halt anders gekommen. Die Frage erübrigt sich insofern, als sehr viel von Olympia abhängt. Ich kann nicht einmal sagen, wo ich mich in 150 Tagen sehe. Mein Thema jetzt ist Olympia, die anderen Dinge haben Zeit. Ich weiß, dass ich am 3. August in London bin, wo die Oma meiner Freundin Geburtstag feiert. Und ich weiß, dass ich am 4. August nach Äthiopien fliege, um die Kinderhilfsorganisation Tesfaye zu unterstützen.
Standard: Was tun Sie dort?
Rogan: Ich stehe in der Klasse, unterrichte afrikanische Geografie und Englisch. Wobei ich zugeben muss, dass ich ein besserer Fundraiser als Lehrer bin. Da ist die Berühmtheit schon hilfreich. Vergangenes Jahr sind an einem einzigen Charityabend 100.000 Euro zusammengekommen. Das ist schon etwas wert.
Standard: Lehrer zu werden, wäre das prinzipiell eine Alternative?
Rogan: Wenn man als Lehrer nicht so wenig verdienen würde. Das verstehe ich gar nicht, dass dieser Beruf bei uns so wenig Wertschätzung erfährt.
Standard: Also weiterschwimmen, schwimmen und schwimmen?
Rogan: Ich habe es immerhin geschafft, dass mir bis jetzt dabei nicht fad geworden ist. Und das heißt schon etwas. Das geht nur, wenn man das Spielerische im Wasser wirklich liebt. Ich bin 60.000 Kilometer geschwommen in meinem Leben, ich bin weiter geschwommen, als ich gegangen bin. Praktisch eineinhalbmal um die Welt. Probier das einmal, und probier vor allem, dann noch besser zu werden.
Standard: War diese Möglichkeit, sich verbessern zu können, der Hauptgrund dafür, dass Sie vom Rücken- zum Lagenschwimmer mutierten?
Rogan: Wenn du einmal kapiert hast, dass du selbst nicht der Beste bist, kannst du am meisten lernen. Über Rücken nicht, aber über die drei anderen Lagen gibt es in meiner Trainingsgruppe einige, von denen ich lernen kann.
Standard: Sie wohnen in Los Angeles in unmittelbarer Strandnähe. Schwimmen Sie auch im Meer?
Rogan: Natürlich tu ich das. Es ist ja eigentlich leichter, weil das Salzwasser Auftrieb gibt. Und ab und zu tauchen Delfine auf. Sehr weit schwimm ich eh nicht hinaus, aber zweimal hat mich der Lifeguard schon zurückzitiert, damit ich keinem Öltanker in die Quere komme.
Standard: Sie sind 1998 zum ersten Mal international aufgetaucht. Kürzlich haben Sie bei den Meisterschaften in Graz einen Ihrer seltenen Auftritte daheim absolviert. Was hat sich im Lauf der Jahre verändert in Österreich?
Rogan: Mittlerweile gibt es ein 50-Meter-Becken in Graz. Und in der Wiener Stadthalle gibt es ein Becken mit Loch. Was die Leistungen betrifft, ist alles viel professioneller geworden, das beginnt schon im Nachwuchs. Ich als 12- oder 15-Jähriger wäre heute vielleicht in keinem Nationalkader mehr.
Standard: Nun bestreiten Sie Ihre vierten Olympischen Spiele. Stellt sich da auch eine gewisse Abgeklärtheit ein?
Rogan: Ich würde das mit einer vierten Ehe vergleichen. Man ist weniger aufgeregt, hat weniger Illusionen, geht es vielleicht schlauer an, macht viel von dem Blödsinn, den man früher gemacht hat, nicht mehr. Die Höhepunkte sind dann hoffentlich intensiver.
Standard: Dass Sie, der als einer von wenigen ÖOC-Teilnehmern schon Medaillen gewann, als Fahnenträger urgieren, ist dennoch unwahrscheinlich?
Rogan: Es wäre eine Riesenehre. Aber da haben der Lupo Paischer im Judo und ich leider dasselbe Problem. Wir kommen beide am ersten Wettkampftag an die Reihe. Und das geht nicht, dass man am Tag davor fünf Stunden lang steht.(Fritz Neumann, DER STANDARD, 10./11.03.2012)
Markus Rogan (29) gewann 2004 in Athen im Rückenschwimmen zweimal olympisches Silber und war "Sportler des Jahres". Der Wiener war 2008 Weltmeister über 200 m Rücken (Kurzbahn), hat bei Großevents insgesamt 33 Medaillen gewonnen. Studierte an der Stanford University in Kalifornien International Relations and Economics.
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lesen Sie den satz
"Dass Sie ... als Fahnenträger urgieren, ist dennoch unwahrscheinlich?"
nochmal in ruhe, und dann vergegenwärtigen Sie sich bitte, was "urgieren" bedeutet.
gemeint war vermutlich "agieren" oder "fungieren".
"urgieren" ist in diesem zusammenhang weder zulässig noch sinnvoll.
das denke ich nicht ... bin früher vl einmal so gewesen, aber jetzt ist es mir wichtig das herz am rechten fleck zu haben und muss nicht mehr beweisen, dass ich intelligent bin!
Jetzt gesehen wie blöd das klingt - warum soll man das nicht mit Kritik überhäufen?
... bei internationalen Bewerben immer maximal der Zweite. Gezählt wird nur Platz Nr. 1! Alle anderen Plätze sind Fußnoten in der Sportgeschichte.
Zweitens hat er ein ziemliches Talent, sich öffentlich unsympathisch und arrogant zu geben.
Zweite Plätze "verzeiht" die Masse, Arroganz jedoch nicht.
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