Lobbyist und Netzwerker Peter Hochegger

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    foto: standard/fischer

Peter Hochegger gründete mit seinem Bruder Paul im Jahr 1980 die PR-Firma Hochegger.Com. Als im Jahr 1996 die Telekom Austria als Kunde gewonnen werden konnte, wuchs die Firma rasant und wurde zur zweitgrößten Agenturgruppe in Österreich. Die Hocheggers bauten ihre PR-Firma zu einer Lobbyingfirma aus. Hochegger hat von der Telekom insgesamt 38 Millionen Euro für Lobbyingtätigkeiten bekommen. Zwischen 2004 und 2008 soll Hochegger von der Telekom 9,06 Millionen Euro ohne Gegenleistung bekommen haben. Das ist einem Telekom-internen Revisionsbericht zu entnehmen, der vom Nachrichtenmagazin "Profil" veröffentlicht wurde.

Hochegger wird mit einer Reihe von Korruptionsskandalen in Zusammenhang gebracht. So soll er in die Bezahlung des Brokers Johann Wanovits involviert gewesen sein, der an der mutmaßlichen Manipulation der Telekom-Aktie beteiligt gewesen sein soll. Hochegger hat für den Verkauf der BUWOG-Wohnungen gemeinsam mit dem ehemaligen FPÖ-Politiker Walter Meischberger eine Provision in Höhe von zehn Millionen Euro kassiert. Im Jahr 2009 zeigten sie sich selbst wegen Steuerhinterziehung in dieser Sache an.

Laut "Profil" zeichnete Hochegger einem Ministeriumsmitarbeiter im Jahr 2000 eine Skizze auf, in der er erklärte, wie Provisionsgewinne aus den Privatisierungen von Staatsunternehmen über eine Briefkastenfirma an den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser und seine Vertrauten verteilt werden könnten. Hochegger sagte gegenüber den Ermittlern der Staatsanwaltschaft dazu: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mein Konstrukt ist. Ich will überhaupt nichts ausschließen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich solche Gedankenspiele gemacht habe."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit dem BUWOG-Verkauf gegen Grasser, den Immobilenmakler und ehemaligen BUWOG-Aufsichtrat Ernst Plech, Meischberger und Hochegger wegen des Verdachts der Untreue und des Amtsmissbrauchs.

Über seine Firma Valora hat Hochegger außerdem Zahlungen an viele verschiedene Politiker getätigt, wobei oft unklar bleibt, was die Leistung hinter diesen Honoraren war. Hochegger nannte im U-Ausschuss 28 Personen, die ihm Kontakte zu allen Parteien vermittelten und angeblich auf seiner "Payroll" standen. Besonderes gute Kontakte scheint Hochegger aber in den Jahren der schwarz-blau-orangen Koalition zum Finanzministerium unter Karl-Heinz Grasser, dem Infrastrukturministerium unter Mathias Reichhold und Hubert Gorbach und dem Innenministerium unter Ernst Strasser gepflegt zu haben. Hochegger sagte im Untersuchungssausschuss aus, dass keine Schmiergeldzahlungen, Bestechungsgelder für oder an politische Amtsträger, Parteien oder Politiker von seinen Firmen bezahlt wurden. Er habe keine strafrechtlich relevanten Tätigkeiten betrieben, sondern "moralisch" falsch gehandelt, so Hochegger.

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