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Viren und Bakterien vermehren sich bei einer Körpertemperatur von mehr als 37 Grad nur noch schlecht, Fieber ist insofern Keimabwehr.
Die Idee an sich ist genial: Wenn sich der menschliche Körper mittels Fieber gegen Viren und andere Keime zur Wehr setzen kann, müsste man doch auch mit einer künstlichen Temperaturerhöhung andere Krankheiten kurieren können. Mit diesem Gedanken beschäftigten sich Heilkundige schon in der Antike.
Als Begründer der modernen, wissenschaftlichen Hyperthermie, wie Fachleute das Prinzip einer Behandlung durch Erwärmung nennen, gilt allerdings ein Österreicher. Julius Wagner-Jauregg arbeitete Anfang des 20. Jahrhunderts als Psychiater in Wien-Steinhof. Er nutzte Impfungen mit Malaria-Erregern, um bei Patienten mit fortgeschrittener Syphilis Fieberschübe zu erzeugen. Damit konnte er erfolgreich deren Lähmungen behandeln. 1927 wurde Wagner-Jauregg für diese Entdeckung mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt.
Die heutige Hyperthermie bedient sich indes ganz anderer Mittel. Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen lokaler beziehungsweise regionaler Hyperthermie, bei der nur ein bestimmter Bereich, meist mittels radio- oder elektromagnetischer Wellen, auf Temperaturen von etwa 40 bis 44° C erhitzt wird, und der Ganzkörperhyperthermie, die weniger stark erwärmt. Die Wirksamkeit der letzteren Methode ist noch umstritten.
Auf dem Gebiet der lokalen und regionalen hyperthermischen Krebsbehandlung hat es in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten jedoch einige aufsehenerregende Studien gegeben. Die wohl wichtigste wurde 2010 im Fachblatt Lancet Oncology (Bd. 11, S. 561) veröffentlicht. Für diese Untersuchung hat ein internationales Expertenteam insgesamt 341 Patienten mit hochgefährlichen Weichteiltumoren, sogenannten Sarkomen, behandelt. 169 Betroffene erhielten dabei eine Chemotherapie mit zusätzlichen hyperthermischen Behandlungen, die anderen 172 Teilnehmer bekamen nur die chemotherapeutischen Medikamente verabreicht. Chirurgische Eingriffe und Strahlentherapie fanden in beiden Gruppen statt.
Evidenz für Wirksamkeit
Die Studie brachte bemerkenswerte Ergebnisse: Es ging darum zu testen, ob sich Tumoren mit Hyperthermie lokal besser kon-trollieren lassen, erklärt Koautor Rüdiger Wessalowski vom Universitätsklinikum Düsseldorf. " Das ist signifikant gelungen." Bei Patienten, die eine zusätzliche Hyperthermie-Behandlung erhielten, dauerte es durchschnittlich 30 Monate, bis die Krankheit nach einer Operation wieder auftrat. In der Kontrollgruppe betrug dieser Zeitraum nur 18 Monate. Hyperthermie trug zudem zu einer wesentlich effizienteren lokalen Tumorbekämpfung bei. Die Karzinome schrumpften deutlich stärker, als dies bei Chemotherapie ohne hyperthermische Unterstützung der Fall war. Durch ausführliche Behandlungen (acht Hyperthermie-Einsätze pro Patient) wurde sogar die Lebenserwartung positiv beeinflusst.
Auch für andere Krebserkrankungen liegen bereits erste Hinweise auf die Wirksamkeit von gezielter Erhitzung vor. Forscher der Ersamus-Universität Rotterdam beobachteten ein längeres Überleben von Patientinnen mit fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs, wenn diese zusätzlich zur klassischen Bestrahlung hyperthermisch therapiert wurden. In einer noch laufenden internationalen Studie zeigt Hyperthermie in Begleitung von Chemotherapie bisher ebenfalls gute Wirksamkeit gegen Zervixkarzinome.
Doch trotz solcher positiver Berichte können hyperthermische Therapieformen keinesfalls als Wunderwaffe im Kampf gegen Krebs gelten. Wissenschaftlich sind noch zu viele Fragen offen, betont zum Beispiel das Deutsche Krebsforschungszentrum in einer aktuellen Erklärung. "Es ist ganz wichtig, Hyperthermie als Zusatz zu den besten verfügbaren Behandlungsmethoden möglichst frühzeitig einzusetzen. Dann werden in Zukunft auch die Erfolgsraten steigen", so Wessalowski.
Die genauen Wirkungsmechanismen von Hyperthermie seien noch nicht ausreichend erforscht, ließen sich aber bereits erkennen. Wenn Tumorzellen chemotherapeutisch oder mit radioaktiver Bestrahlung attackiert werden, erleiden sie unter anderem Schäden in ihrem Erbgut, erläutert Wessalowski. "Hyperthermie hemmt die Reparatur-Enzyme." Die DNA der Krebszellen lässt sich somit nicht mehr reparieren, was oft zu einem völligen Zusammenbruch von deren Stoffwechsel führt.
Bösartige Zellen setzen bei Hyperthermie auch sogenannte Hitzeschock-Proteine frei. Dadurch werden sie für das Immunsystem " demaskiert" und können angegriffen werden, sagt Wessalowski. Im gesunden Gewebe entstehen solche Stoffe nicht. Zusätzlich verursacht die Hitze Veränderungen in der Blutzufuhr, was bei Strahlentherapie ebenfalls zu einer Schädigung des Tumors führt und ihn leichter für chemotherapeutische Medikamente zugänglich macht. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 12.3.2012)
Wissen:
Was Fieber bewirkt?
Man friert, obwohl die Heizung voll aufgedreht ist, fühlt sich zerschlagen. Klettert das Fieberthermometer auf mehr als 37 Grad, hat man Gewissheit: Man muss im Bett bleibe. Dabei ist das Fieber selbst nicht die Krankheit, sondern eine Abwehrreaktion des Körpers, der sich durch die Temperaturerhöhung gegen Krankheitserreger wehrt.
Der Temperaturanstieg wird vom Hypothalamus im Gehirn gesteuert. Der Hintergrund: Egal, ob pathogene Bakterien, Viren oder auch Parasiten wie etwa die Malaria verursachenden Plasmodien: Sie alle gedeihen bei 37° C am besten. Wird der Körper des Wirts wärmer, bekommen auch viele dieser Keime Probleme mit ihrem Stoffwechsel und können sich auch nicht mehr so effizient vermehren.Die Wirksamkeit von Fieber als Verteidigungsmechanismus beruht auf dem Einfluss der Temperatur auf Enzyme und andere Eiweißstoffe. Bei Erhitzung wird die komplexe Struktur der Proteine verändert. Je wärmer, desto stärker. Dadurch wird ihre Funktionsfähigkeit gestört, oder sogar komplett zerstört. Das macht das Prinzip Fieber aber auch zu einem zweischneidigen Schwert. Wenn die Körpertemperatur zu stark steigt, nehmen auch die eigenen Zellen und Stoffwechselprozesse Schaden. Jenseits der 41° C kann Fieber deshalb tödliche Folgen haben.
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Die Hyperthermie - sei es als regionale oder vor allem als Ganzkörperhyperthermie - ist eine sehr brauchbare Ergänzungstherapie bei Krebserkrankungen. Sie boostet das Immunsystem, ist eine Energiequelle für den Organismus und gibt den Patienten ein Stück Initiative in ihrem Krakheitsgeschehen zurück, das die akademische Medizin ihnen raubt.
Es ist unfair und oberflächlich, von fehlenden Daten dort zu reden, wo selbst die besten evidenzbasierten Ergebnisse kaum realistische Chancen auf Heilung für Krebspatienten bieten.
Könnte es eventuell auch umgekehrt sein?
Aber es ist wohl eigenartig, dass das Deutsche Krebsforschungszentrum wissenschaftl. Fragen offen sieht - bei den "herkömml." Therapien scheinen keine Fragen offen zu sein. Ich weiss, dass Krebstherapie sehr schwierig und kompliziert ist, aber ich denke, dass das Prinzip nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen die richtige Reihenfolge sein sollte - und dass Fieber mehr als nur bekämpfbar sein sollte.......ist leider eine späte "Entdeckung"
was soll ich jetzt in meiner Situation dazu sagen.
Ich denke aber, dass Fieber einen sehr wichtigen Prozess darstellt. Ich möchte auch nicht gegen Chemotherapien auftreten, dies muss immer von Arzt+Patient abgeklärt und beurteilt werden. Ich bleibe aber trotzdem bei meiner Meinung, dass die Entwicklung von Behandlungsmethoden möglicherweise durch pharmalastige Denkweisen behindert werden kann - um es vorsichtig auszudrücken.
Ich habe beides gemacht. Alleine auf die Wärmetherapie hätte ich mich nicht verlassen - es ist leicht zu reden, wenn man nicht betroffen ist. Die Chemo ist ja auch das Heer mit dem man in den Krieg zieht (die Erklärungen von manchen, denen auch ich nicht entging, den Tumor mit Lichtkonzentrierung usw. zu bekämpfen halte ich für verantwortungslos) und das ist ein Krieg.
Man kann an der Pharmaindustrie vieles kritisieren, da gebe ich Ihnen Recht. Ein Patient muss auch für sich entscheiden und mit dem Arzt abklären und sollte mündig sein. Gerade bezüglich Chemo ist man bei manchen Krebsarten ziemlich gut unterwegs und man macht sie ja nicht aus Jux u. Tollerei, sondern - zumindet so habe ich es erfahren - individuell je "Zustand".
Chemotherapien sind international standardisiert, je nach Organ und Tumor Typ. Da gibt es verbindliche Therapieempfehlungen die laufend (ich glaube vierteljährlich) áuf den neuesten Stand gebracht werden.
Im ganzen Artikel wird die regionale Hyperthermie immer in Verbindung mit einer Chemo beschrieben.
Die ausschließliche Ganzkörper-Hyperthermie (an der ich Anfang der 70er an der 1. Wiener Chirurgie mitwirken durfte) hat sich eher als Irrweg herausgestellt.
"Die Wirksamkeit von Fieber als Verteidigungsmechanismus beruht auf dem Einfluss der Temperatur auf Enzyme und andere Eiweißstoffe. Bei Erhitzung wird die komplexe Struktur der Proteine verändert. Je wärmer, desto stärker. Dadurch wird ihre Funktionsfähigkeit gestört, oder sogar komplett zerstört."
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