Steak? Mit der Lok drüber!

Severin Corti
10. März 2012, 11:00
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
  • Ganz hinten steht das Ungetüm, auf dem Anton Rusnak seine Riesensteaks grillt. Eigenwillig: das Ambiente mit Kronleuchtern und Wien-Plakat.
    foto: gerhard wasserbauer

    Ganz hinten steht das Ungetüm, auf dem Anton Rusnak seine Riesensteaks grillt. Eigenwillig: das Ambiente mit Kronleuchtern und Wien-Plakat.

In einem skurrilen Lokal mit Blick auf die Staatsoper wird das mit Abstand beste Steak der Stadt gegrillt - Auf einer Lok

Anton Rusnak ist gebürtiger Ukrainer, hat an einigen der exklusivsten Adressen Wiens gearbeitet (Sous-Chef im Fabios, Palais Coburg) und vor ein paar Wochen sein eigenes Restaurant eröffnet. Was er mit den einstigen Arbeitgebern teilt, ist die Innenstadtlage: Durch die hohen Fenster des Restaurants lugt einem die Staatsoper auf den Teller. Auch die Qualität der Grundprodukte ist beeindruckend.

Der Name des neuen Restaurants spricht hingegen für einen in derlei konservativen Kreisen eher unüblichen Hang zur Exzentrik: City Lok. Wie es dazu kommt, erschließt sich angesichts dieses mit Ziegelwänden, Kronleuchtern und einem gigantischen Leuchtplakat mit touristischen Wien-Motiven durchaus eigenwillig gestalteten Lokals nicht sofort.

Grill Train

Das Rätsel löst sich, wenn man in den hinteren Bereich vordringt, wo tatsächlich eine Lok steht, die für eine Spielzeuglokomotive deutlich zu groß, für das Eisenbahnmuseum aber nicht original genug ist. Bei genauerer Inspektion entpuppt sich das eiserne Monstrum als Kochstelle mit dem passenden Namen "Grill Train". Das Ding kostet so viel wie ein Oberklassewagen, man kann also nachvollziehen, dass Rusnak sein Lokal nach dem Hitzetransporter benannt hat.

Es bestimmt auch den größten Teil der Speisekarte. Vorweg gibt es allerhand Salate, ein zitroniges Avocadotartare mit souverän gegrillter Jakobsmuschel oder wechselnde, zum Glück ohne Obers abgeschmeckte Cremesuppen (gut: weiße Bohnen mit frittierten Kapern). Herzstück des Angebots aber ist die für zwei oder mehr Personen gegrillte Bistecca, bei der Rusnak zeigt, dass er den Griller nicht zum Spaß aufgestellt hat.

Weinkarte überarbeiten

Das Fleisch stammt von Bauern in der Südsteiermark, die es nach Rusnaks Vorgaben reifen. Was soll man sagen: Die Selbstverständlichkeit, mit der die mehr als massiven Fleischtrümmer auf den gewünschten Garpunkt gebracht werden, gibt es in Wien sonst kaum. Dazu ist die Qualität exemplarisch, geschmackvoll, insgesamt unüblich für eine Stadt, in der Rindfleisch immer noch am liebsten verkocht wird. Und um 46 Euro für zwei inklusive geschmorter Paprika und Rosmarinerdäpfeln auch preislich ungleich ziviler als manch Mitbewerber.

Perlhuhnbrust, ebenfalls vom Grill, erinnert weniger an Feuchtkarton als anderswo. Branzinofilet wird, wie aus dem Fabios gewohnt, samt einem wunderbar knusprigen, innen saftigen Oktopusarm auf N'duja-Risotto (N'duja ist eine kalabrische Fettwurst, Anm.) serviert. Was angesichts der fantastischen Steaks dringend überarbeitet gehört, ist allerdings die Weinkarte - einstweilen erinnert sie eher an eine Vorstadtpizzeria. (Severin Corti, Rondo, DER STANDARD, 09.03.2012)

City Lok
Operngasse 14
1010 Wien
Tel.: 01/581 20 64
Di-Sa 11.30-23 Uhr
VS € 4,20-12,60, HS € 16-23

Fotos: Gerhard Wasserbauer

Share if you care
21 Postings

gegen den artikel im link klingt corti noch wie ein hochbegabter...

Die Öffnungszeit müsste dann in "Abfahrt" und "Ankunft" umbenannt werden. :-)

Das Fleisch stammt von Bauern in der Südsteiermark

also ich hätte nun doch lieber ein steak von einem richtigen rind. es stellt sich auch die moralische frage ob denn der bauer auch artgerecht gehalten wurde... ;-)

Und das wurde alles ohne die russische Mafia finanziert. Jaja.

Und um 46 Euro für zwei inklusive geschmorter Paprika und Rosmarinerdäpfeln auch preislich ungleich ziviler als manch Mitbewerber.

HS € 16-23,bekommt man da 2 portionen? weil sonst stimmt da was nicht in dem artikel.

Bistecca für 2 Personen
€ 46

vom Steirischen Rind, mit Rosmarinerdäpfeln und geschmortem Paprika

lt Homepage

Sind wahrscheinlich die Preise für "VolksSchüler" und "HauptSchüler".

Im ernst, ein Blick auf die Homepage des Schuppens bringt Aufklärung:
"Bistecca für 2 Personen
€ 46 vom Steirischen Rind, mit Rosmarinerdäpfeln und geschmortem Paprika"

na dann habe ich eh richtig vermutet.

Endlich mal Rosmarinerdäpfel!

Die Einheitsbeilage des neuen Jahrtausends.

wo sind denn die ganzen postings hinverschwunden? hat da vielleicht jmd. interveniert?

ah, nehme alles zurück, den artikel gibt's halt einfach zweimal, in verschiedenen rubriken. wobei das auch komisch ist;-)

Lieber DerStandard.at Tester:

Checkt einmal das Jolly Ox (irgendwo zwischen Donaukanal und Prater); die Steaks dort sind auch nicht ohne, eigentlich sensationell.

die wartezeit...

... wie schon erwähnt, ist tw. eine frechheit zu dem preis! wenn ich 2-3 std. zeit hab und weniger zahle, sag ich nix. aber so... nie wieder!

Ja, wenn man Zeit hat.

Wartet man da immer noch >2 Stunden aufs Steak?

Wenn der Laden voll ist, ja.

beim ersten mal dachte ich noch, ok - laden voll. beim zweiten mal war die bude halb leer/voll. wieder 1,5 std. gewartet. danke, das wars.

wird ja auch auf der lok gegrillt und die eisenbahn hat meistens verspätung

im jolly ox ist keine lok

die beschreibung klingt wie ein Centimeter (fresstempel) fur Betuchte.

passenden Namen "Grill Train"

passend inwiefern?
weil's mischmasch ist?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.