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Ganz hinten steht das Ungetüm, auf dem Anton Rusnak seine Riesensteaks grillt. Eigenwillig: das Ambiente mit Kronleuchtern und Wien-Plakat.
Anton Rusnak ist gebürtiger Ukrainer, hat an einigen der exklusivsten Adressen Wiens gearbeitet (Sous-Chef im Fabios, Palais Coburg) und vor ein paar Wochen sein eigenes Restaurant eröffnet. Was er mit den einstigen Arbeitgebern teilt, ist die Innenstadtlage: Durch die hohen Fenster des Restaurants lugt einem die Staatsoper auf den Teller. Auch die Qualität der Grundprodukte ist beeindruckend.
Der Name des neuen Restaurants spricht hingegen für einen in derlei konservativen Kreisen eher unüblichen Hang zur Exzentrik: City Lok. Wie es dazu kommt, erschließt sich angesichts dieses mit Ziegelwänden, Kronleuchtern und einem gigantischen Leuchtplakat mit touristischen Wien-Motiven durchaus eigenwillig gestalteten Lokals nicht sofort.
Grill Train
Das Rätsel löst sich, wenn man in den hinteren Bereich vordringt, wo tatsächlich eine Lok steht, die für eine Spielzeuglokomotive deutlich zu groß, für das Eisenbahnmuseum aber nicht original genug ist. Bei genauerer Inspektion entpuppt sich das eiserne Monstrum als Kochstelle mit dem passenden Namen "Grill Train". Das Ding kostet so viel wie ein Oberklassewagen, man kann also nachvollziehen, dass Rusnak sein Lokal nach dem Hitzetransporter benannt hat.
Es bestimmt auch den größten Teil der Speisekarte. Vorweg gibt es allerhand Salate, ein zitroniges Avocadotartare mit souverän gegrillter Jakobsmuschel oder wechselnde, zum Glück ohne Obers abgeschmeckte Cremesuppen (gut: weiße Bohnen mit frittierten Kapern). Herzstück des Angebots aber ist die für zwei oder mehr Personen gegrillte Bistecca, bei der Rusnak zeigt, dass er den Griller nicht zum Spaß aufgestellt hat.
Weinkarte überarbeiten
Das Fleisch stammt von Bauern in der Südsteiermark, die es nach Rusnaks Vorgaben reifen. Was soll man sagen: Die Selbstverständlichkeit, mit der die mehr als massiven Fleischtrümmer auf den gewünschten Garpunkt gebracht werden, gibt es in Wien sonst kaum. Dazu ist die Qualität exemplarisch, geschmackvoll, insgesamt unüblich für eine Stadt, in der Rindfleisch immer noch am liebsten verkocht wird. Und um 46 Euro für zwei inklusive geschmorter Paprika und Rosmarinerdäpfeln auch preislich ungleich ziviler als manch Mitbewerber.
Perlhuhnbrust, ebenfalls vom Grill, erinnert weniger an Feuchtkarton als anderswo. Branzinofilet wird, wie aus dem Fabios gewohnt, samt einem wunderbar knusprigen, innen saftigen Oktopusarm auf N'duja-Risotto (N'duja ist eine kalabrische Fettwurst, Anm.) serviert. Was angesichts der fantastischen Steaks dringend überarbeitet gehört, ist allerdings die Weinkarte - einstweilen erinnert sie eher an eine Vorstadtpizzeria. (Severin Corti, Rondo, DER STANDARD, 09.03.2012)
City Lok
Operngasse 14
1010 Wien
Tel.: 01/581 20 64
Di-Sa 11.30-23 Uhr
VS € 4,20-12,60, HS € 16-23
Fotos: Gerhard Wasserbauer
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