Die Frau als reines Ausbeutungsobjekt

Gastkommentar
12. März 2012, 09:53

"Germany's next Topmodel" & Co. manifestieren in der Jugend ein Frauenbild, das vor der zweiten Welle des Feminismus angesiedelt ist

Natürlich muss es die Freiheit für Frauen (wie auch für Männer) geben, eine Karriere auf ihrem Aussehen oder ihrer Sexualität aufzubauen. Das steht nicht zur Debatte. In Sendungen wie "GNTM" (Germany's Next Topmodel) werden aber seit Jahren im großen Stil junge Frauen und Mädchen durchgereicht. Und bei allem Gegenhalten der Macher, sind diese am Ende doch vor allem zweierlei: Projektionsflächen für die jungen Zuschauer und Sexsymbole. Letzteres macht dann auch den Unterschied zu anderen Fernsehsendungen wie der "Super Nanny" aus, in der Menschen genauso bloßgestellt werden.

Dass der Trend zum Unterschichtenfernsehen (im Sinne von Paul Nolte) in den Privaten auch diese Bereiche erreicht hat, ist logisch: Sex funktioniert in den Medien halt immer.

Junge Menschen glauben, was sie im Fernsehen sehen

Brisant wird das Ganze dann, wenn man auf jüngste Studien blickt. Lange vermutet, jetzt bewiesen: Junge Menschen, vor allem aus den bildungsfernen Schichten, glauben unhinterfragt das, was sie im Fernsehen sehen. Für Heidi Klums Sendung und ähnliche Programme heißt das vor allem: Viele Jugendliche wollen entweder so werden wie die Topmodels, oder übernehmen unhinterfragt das präsentierte Frauenbild - beides keine Perspektiven, die man ernsthaft einer Heranwachsenden wünschen möchte.

Und so ist mal wieder die Industrialisierung das, was das Problem erst zu einem echten macht. In den Neunzigerjahren, als es noch echte Topmodels gab, lagen Mailand, Paris und L.A. genauso weit weg, wie sie für die meisten deutschen Jugendlichen in Castrop-Rauxel & Co. tatsächlich auch sind. Heute vermitteln Model-Sendungen und Mode-Magazine den Eindruck, jeder könnte es schaffen (was das für das Selbstbild von Menschen, die nicht dem Schönheitsideal dieser Sendung entsprechen, bedeutet, mal außen vor).

Frauenbild wie in den Sechzigerjahren

Noch problematischer wird es beim präsentierten Frauenbild. In fast jeder Episode rekeln sich die jungen Teilnehmerinnen irgendwo halb nackt, genau wie in der ersten Folge der neuen Staffel. Damit präsentiert die Sendung die Frau als reines Anschauungsobjekt. Eigene Meinung oder gar Würde muss bei Pro7 an der Haustür abgegeben werden. Wer sich querstellt oder Bedenken hat, fliegt raus: Denn so sei "halt das Model-Business".

Still und heimlich - und vielleicht gar nicht mal beabsichtigt, sondern nur billigend in Kauf genommen - wird so ein Bild vermittelt, das frappierend an die Zeiten des Wirtschaftswunders erinnert. Eine Zeit, in der Frauen vor allem eines mussten, dem Mann nützlich sein.

Die Ausbeutung durch die damals komplett männlich dominierte Gesellschaft, gegen die Feministinnen wie Kate Millett kämpften, wird bei "GNTM" wieder stillschweigend eingeführt - auch wenn sich die Lebensumstände natürlich gravierend verändert haben.

Das Abendland geht nicht unter

Natürlich geht wegen "Germany's Next Topmodel" nicht das Abendland unter und auch der jahrzehntelange Kampf der Feministinnen wird nicht zunichte gemacht. Denn, nur um das klarzustellen: Ich habe nichts gegen schön anzusehende Frauen. Wenn aber Frauen und Mädchen von Staffel zu Staffel präsentiert werden (und danach im Nichts verschwinden) wie in den Schaufenstern des Amsterdamer Rotlichtviertels, dann kann man zum Wohl des Landes nur hoffen, das in der späteren Entwicklung der Jugendlichen möglichst viele diesen faulen Zauber durchschauen. Denn Pro7 wird seinen Fernsehpuff nicht einstellen, solange es genügend Menschen gibt, die einschalten. (Thore Barfuss, derStandard.at, 12.3.2012)

Autor

Thore Barfuss, The European, arbeitet als Journalist bei Cicero und The European.

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So einen Zickenkrieg

schaut man sich doch immer wieder gern an.

Ausgebeutet? Vielleicht. Aber auch net mehr als sonstwer (ob Mann oder Frau) im Berufsleben.

Mag ja ein Traum von Frauen sein, der sich selten erfüllt.
Männer, die Rennfahrer oder Fußballprofi werden wollen scheitern ebenso oft.

Die Art, wie Heidi Klum und der Rest der Jury mit den Mädels

umgehen, ist demütigend und herabwürdigend. Spätestens nach Klums Werbespot mit Coca Cola zur Prävention von Herzerkrankungen (!!!) könnte man davon ausgehen, dass ihr IQ und ihr Geschäftssinn indirekt proportional zueinander stehen. Schade für die Mädchen, die sich so einem Menschen aussetzen.

Gender/Produktion Totalanalyse

Wie wir alle wissen, bestimmen die Produktionsverhältnisse a) das Bewußtsein des Einzelnen und b) die Gesellschaft als Ganzes.

Kriterium:

Männl. Dominanz (=Ausbeut der F) ist dann gegeben, wenn signifikant mehr "männliche" als "weibliche" Konsumgüter produziert werden, bewertet zu Marktpreisen/Produktionskosten.

Methode:

Empirische sozio-psychologische Gender Studies (viel Arbeit !) haben zum Ziel, spezifisch weibliche/ männliche/neutrale (vielleicht Skala?) Konsumgüter zu identifizieren (Mini, Burka, Handy, TV-Show) und zwar aufgr. der intentionalen GenderStruktur.

Ist das einmal global über alle K-Güter gelungen, hat man einen Richtwert als Diskussionsgrundlage.

AusbeutungsQuotient = SummeMasc./SumFem.

ein sache wäre noch ganz intressant, wie teilen sich die zuseherzahlen auf?

also ich (aber das ist natürlich subjektiv) kenne keinen mann der sich das ansieht, bei mir im bekanntenkreis sind es durchwegs frauen die das sehen wollen.

klar die männern schaun dann halt auch hin weils ein paar fesche haserl gibt...ok...aber die schalten trotzdem beim nächsten mal nciht ein, das sind die frauen...

ich behaupte ja das 80% der zuseher von dem dreck frauen sind...also kommts mir nicht mit ausbeute...

zumindest nicht mit sexueller...das wäre so als würde ich fußball so darstellen als würde es das nur geben damit sich notgeile frauen über die knackärsche freuen können...

das gibts zwar auch mehr als genug...aber fußball ziehlt trotzdem sicher auf männer ab...

Lebensentwurf

die Sendung wird
- von Frauen
- für Frauen
- mit Frauen

gemacht.

Und dennoch werden DIE FRAUEN ausgebeutet, von der GESELLSCHAFT (= Männer sic!)

Warum ?

Das Klischee der ausgebeuteten Frau bedient ganz einfach viele Bedürfnisse.

Auch Burkas werden von Frauen für Frauen, mit Frauen gemacht, von Frauen verkauft und von Frauen erworben - trotzdem würde ich diesen Kleidungsstil nicht als feministisches Projekt bezeichnen.

Erkenntnis

OK

was und für wen Frauen auch immer etwas tun, man kann sie mit Burkaproduzentinnen vergleichen.

daher meine Frage:

WORAN und WIE kann man ausgebeutet Frauen von NICHT ausgebeuteten unterscheiden ??

Gibt es eine gesicherte empirische Methode ?
Gibt es eine logische Methode ?

Ist es überhaupt denkmöglich, dass Frauen NICHT ausgebeutet werden ?

Daran, dass es Frauen schadet,vor allem die Erwartungen an sie in unrealistische Hoehen treibt etc.

Geht auch mit anderen Menschengruppen.

Ich behaupte nicht, dass "Ausbeutung" ein brauchbares Konzept ist, ich halte die "Unterwerfung unter den männliche Blick" für sinnvoller.

Die Burka ist ein Beispiel dafür, dass Ihre Argumentation "von Frauen für Frauen mit Frauen" nicht sinnvoll ist.

Zwangsarbeitsverhältnisse

..zugegeben, Ihr Argument ist logisch.

Allerdings setzt es Macht/Zwangsverhältnisse voraus. Im Falle der Burka werde ich nicht widersprechen (obwohl ich nicht einmal da ganz sicher bin).

Im Falle des Minirocks ist es insofern kompliziert, als der Begriff "Unterwerfung" auch nicht funktioniert.

Unterwerfen sich Burschen mit Mukis und Mopets dem Blick der Mädchen ? Unterwerfen sich Karrieremänner dem Blick der Frauen ?

Unterwerfung unterstellt Passivität. Das halte ich für einen Irrtum.

Ohne die Annahme komplexen Wechselwirkungen, entwicklungsgeschichtlicher Zusatzannahmen ist das Thema nicht adäquat zu behandeln (imho).

schön, dass Sie die "komplexen Wechselwirkungen" ansprechen:

es wird gern vergessen, dass frauen ja sehr oft noch immer darauf gedrillt werden, hauptsächlich gefallen zu wollen. nicht unbedingt in der familie, viele eltern sind da ja schon viel emanzipierter.

in der pubertät ist dann aber nur noch die peer-group wichtig, und da gehts halt vorrangig um die wirkung aufs andere geschlecht. da kommt der minirock ins spiel, weil dann jede die sexieste sein will. würd ich nicht "unterwerfung" nennen, aber anpassung an gängige gesellschaftliche erwartungen sehr wohl.

"Unterwerfen sich Karrieremänner dem Blick der Frauen?"

das meinen Sie nicht ernst, oder? bei männern wirkt erfolg automatisch sexy, bei erfolgreichen frauen wird immer skeptisch nachgefragt, was denn wohl mit ihr nicht stimmen kann ...

...aber sie haben sie nicht verstanden

a) Werden die Frauen von Ihren Müttern dazu gedrillt (die ja die Erziehungsarbeit übernehmen)?

b) "Karriere" = sublimierter Kampf ums Weibchen, mehr sage ich gar nicht.

c) die Universallösung "Gesellschaft" ist eine Scheinlösung.

Passiv sind weder Frauen noch Männer. Und auf die Frage, wer wessen Verhalten mehr determiniert, wage ich nicht mit Sicherheit zu antworten.

a) wie gesagt, nicht zwangsläufig. viele emanzipierte mütter verzweifeln an der tussi-haftigkeit ihrer töchter. stichwort "peer-group".

b) sag ich doch: bei männern gilt (materieller) erfolg automatisch als sexy, bei frauen eher im gegenteil.

c) das alles sind gesellschaftliche erwartungshaltungen, die von vielen menschen deswegen erfüllt werden, um nicht in ihrem umfeld anzuecken. nicht jede/r hat das zeug zur/m revolutionär/in.

ich verstehe Sie nicht !

ich weiß nicht, ob ein Gegensatz existiert.

daher will ich anders argumentierten.

1) Unterstellt wird doch, die jungen Frauen seien dazu verurteilt, passiv den Erwartungen (wessen auch immer) zu entsprechen.

2) es gibt meines Wissens wenige Spezies, bei welcher die Weibchen passiv sind, eher im Gegenteil: Männchen bauen ein Nest, Weibchen suchen aus, Männchen produzieren (sich), Weibchen selektieren.

3) Die Meinung, dass der Mann der (allein) Aktive ist, ist eine patriarchalische Täuschung. Umso skurriler ist es, dass Frauen diese Meinung übernehmen.

WAS ABER HAT DAS GANZE MIT DER SHOW ZU TUN ?

Nun, ich meine, die jungen Frauen arbeiten an Erfolg (weit definiert), und das vielleicht zielstrebig.

Via Sex- wie Männer

Gender/Produktion Totalanalyse

Ja, es ist denkmöglich. Wie wir alle wissen, bestimmen die Produktionsverhältnisse a) das Bewußtsein des Einzelnen und b) die Gesellschaft als Ganzes.

Kriterium:
Männl. Dominanz (=Ausbeut der F) ist dann gegeben, wenn signifikant mehr "männliche" als "weibliche" Konsumgüter produziert werden, bewertet zu Marktpreisen/Produktionskosten
Methode:
Empirische sozio-psychologische Gender Studies (viel Arbeit !) haben zum Ziel, spezifisch weibliche/ männliche/neutrale (vielleicht Skala?) Konsumgüter zu identifizieren (Mini, Burka, Handy, TV-Show) und zwar aufgr. der intentionalen GenderStruktur.

Ist das einmal global über alle K-Güter gelungen, hat man einen Richtwert als Diskussionsgrundlage.

AusbeutungsQuotient = SummeMasc./ SummeFem

Da Gender-Wissenschaft von den Prämissen ausgeht, dass für alles wie es ist, die Männer verantwortlich sind, also automatisch auch für alles Schlechte und dass die Frauen nur passive Opfer sind, kann diese Wissenschaft immer nur bestimmte Ergebnisse liefern und niemals, dass Frauen für etwas verantwortlich sind.
Wenn von Gesellschaft geschrieben wird, ist immer gemeint "männliche Gesellschaft", der sich die Frauen unterwerfen. Also sind für alle Fehler und jeden Blödsinn von Frauen, immer die Männer verantwortlich.
Ich hingegen behaupte, dass unsere Gesellschaft nicht männlich oder weiblich ist, sondern kapitalistisch und dass sich Männer wie Frauen daran anpassen und in diesem Rahmen bewegen.

Wenn Sie die Burka in Saudi Arabien mit einer Modell-Fernsehshow in Östereich vergleichen wollen, dann sollten Sie uns bitte über die Gemeinsamkeiten auf denen Ihr Vergleich fußt aufklären.
Warum Ihr Vergleich Unsinn ist: die Modellshow, schauen zwar hauptsächlich Frauen, aber sicher nicht alle und zum Schauen dieser Show gibt es keinerlei Zwang. Im Gegensatz zur Burka und ihren Befürwortern in isalmischen Ländern ist es auch so, dass unsere Konservativen diese Shows eher verurteilen.
Sie tun so, als würden die Frauen zu jeden Blödsinn den sie tun von Männern gezwungen werden.

mein Vorposter hat sinngemäß gemeint:

"wenn etwas von Frauen mit Frauen durch Frauen gemacht wird kann es sich doch nicht um Ausbeutung oder Unterdrückung handeln"

Da auch die Burka oder FGM "von Frauen mit Frauen für Frauen" gemacht hat halte ich dieses Argument für unsinnig - alles klar?

Zwangsarbeitsverhältnisse

..wenn von Häftlingen für Häftlinge mit Häftlingen etwas produziert wird und das der Situation der TV-Show entspricht, dann und nur dann haben Sie Recht.

es gibt nichts schlimmeres, als ein erzwungener Schutz, welcher von den Geschützten nicht gewollt ist...

Und was hat das mit dem Artikel zu tun?

hier wird wieder mal alles auf frauen bezogen

diese sendungen sind generell menschenverachtend.

wieso also wird versucht dies zu einem frauenthema zu machen??
Habt ihr keinen anstand?
Euer ego könnt ihr alleine verteidigen, dafür kriegt ihr keine hilfe.
Verdammte spalter, überall, es werden immer mehr und ihr springt jedesmal an, mit viel gejaule.
alle, die pläne zur unterdrückung des volkes sind oft gar nicht so ausgeklügelt, aber wir bieten denen plattformen in so großer zahl, die lachen sich schief weil si nie geglaubt haben daß es so einfach wird, sie kassieren uns alle ein, und wir zerfleischen uns gegenseitig.

Vor allem Mädchen sehen sich das an

Das ist kein Argument. Nicht nur Maenner pflegen ein rueckstaendiges Frauenbild. Auch Frauen. Und besonders tragisch ist es, wenn Frauen damit aufwachsen und keine medialen Alternativen praesentiert bekommen.

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