"Kulturelle Mehrsprachigkeit größtes Potenzial"

Jutta Kalian, 9. März 2012, 13:11
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    foto: drava verlag

Ein neues Buch beschäftigt sich mit dem Zusammenleben der deutsch- und slowenischsprachigen Kärntner

Klagenfurt - "Kärnten liegt im wirtschaftlichen Bereich weit hinten. Es muss jetzt vor allem daran gearbeitet werden, da aufzuholen. Das ist ja die Aufgabe der Politik - und nicht, irgendwelche Ortstafeln zu verrücken." Die Aussage von Diplomat Wolfgang Petritsch sorgte für einige Lacher im Publikum. Ansonsten war bei der Präsentation von "Kärnten liegt am Meer" am Dienstagabend in der Buchhandlung Heyn in Klagenfurt eine durchaus ernste Diskussion im Gange.

Petritsch, Mitherausgeber des Bandes, der sich mit dem konfliktträchtigen Zusammenleben der deutsch- und slowenischsprachigen Kärntner beschäftigt, zeigte sich mit dem 2011 errungenen Ortstafel-Kompromiss zufrieden: "Die Politik hat ihre Hausaufgaben damit im Großen und Ganzen gemacht. Was jetzt noch fehlt, ist, dass die Bürger aktiv werden und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen." 

Es müsse der Dialog gesucht werden - so wie es die einstigen erbitterten Kontrahenten Marjan Sturm und Josef Feldner vorzeigten. "Die Trennung in Deutsch und Slowenisch funktioniert in Kärnten nicht - wir haben eine multiple Identität. Unsere Perspektive liegt darin, aus beiden Kulturen das Beste mitzunehmen", sagte Sturm, Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen.

"Selbst viel zu lange geglaubt"

"Wir haben ja in unserer 1.400-jährigen Siedlungsgeschichte bereits eine gemeinsame Kultur entwickelt", warf Arno Manner, einer der im Buch zu Wort kommenden Zeitzeugen, ein, "aber der Nationalsozialismus hat sehr viel wieder zerstört."

Dass das Misstrauen zwischen Deutschkärntnern und Kärntner Slowenen heute noch tief sitzt, stellte auch der Obmann des Kärntner Heimatdienstes, Josef Feldner, fest: "Auf beiden Seiten wurde ein einseitiges Geschichtsbild gepflegt: Da gab es einerseits Traditionsverbände, die die NS-Schreckensherrschaft verharmlost haben, und andererseits auch eine völlig unkritische Heroisierung des Partisanentums durch slowenische Verbände." Mit den gegenseitigen Zuschreibungen "Du Nazi" bzw. "Du Tito" habe man sich nur gegeneinander abgeschottet, das müsse jetzt endlich überwunden werden.

"Es gibt noch immer gewisse Ängste, die Slowenen könnten zu einer Slowenisierung Kärntens führen - ich selbst habe das viel zu lange geglaubt", gab Feldner zu. Marjan Sturm gestand ein: "Auch wir in unserer slowenischen Sozialisation haben die andere Seite abgelehnt."

Zweisprachigkeit "wird unsere sprachliche Landschaft verändern"

Eine Verbesserung des Zusammenlebens könne nicht von heute auf morgen passieren, darin waren sich alle Anwesenden einig - aber die Zeichen dafür stünden heuer denkbar günstig: "Es wird wieder in mehr Familien Slowenisch gesprochen als vor 20 Jahren", warf Stefan Kramer, Zeitzeuge und Mitglied des Volksgruppenbeirats, ein. Bei den Eltern sei ein großes Interesse an zweisprachigen Kindergärten und Ausbildungen für ihre Kinder entflammt - vor allem bei jenen mit einsprachiger Herkunft. "Das wird unsere sprachliche Landschaft in Kärnten verändern", so Kramer.

Die zweisprachige Ausbildung werde von der Politik aber noch stiefmütterlich behandelt. "Der slowenischsprachige Unterricht steht zwar auf einer guten Grundlage, aber im Kindergarten- und AHS-Bereich gibt es noch Defizite", fasste Petritsch zusammen. Und weiter: "Wenn wir die kulturelle Mehrsprachigkeit endlich als unser größtes Potenzial erkennen, wird Kärnten aufleben - auch wirtschaftlich." (Jutta Kalian, derStandard.at, 9.3.2012)

Buchtipp

Wolfgang Petritsch, Wilfried Graf, Gudrun Kramer (Hg.): Kärnten liegt am Meer. Konfliktgeschichte/n über Trauma, Macht und Identität. Drava Verlag, Klagenfurt/Celovec 2012.

Info

Wer sich am Dialog beteiligen will, hat dazu die Möglichkeit auf www.kaerntenneu.at.

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15 Postings
Slowener

mit slowenen mach ich keine geschäfte.
ausnahme: ein paar urlaustage im jahr weil es sehr nahe ist. jedoch auch dann zu 98% eher nach kroatien.

Die Slowenen werde sich hüten,...

...mit einem komplett verschuldeten Land zusammen zu tun - zumal dieses Land von Rechtsextremen geführt wird. Dass diese Rechtsextremen auch noch blitzdumm sind erleichtert das Ganze nicht wirklich für Kärnten.

Schade für Österreich!

die slowenen? sie meinen wohl die slowenischsprachigen kärntner, die ohnedies bereits teil und bürger dieses landes sind.

kärnten und slowenien als NSK-staat zusammenlegen und alle sind happy!

Apropos gemeinsame Kultur:

Wenn man das Klagenfurter Stadtwappen (http://www.klagenfurt.at/klagenfur... Wappen.jpg ) mit dem von Ljubljana (http://images.vector-images.com/219/ljubl... _n7627.gif ) vergleicht, kann man ja nur zum Schluss kommen, dass die Differenzen unüberbrückbar sind. ;-)

Also ich sehe, daß der Drache auf der Burg in Laibach wohnt und für Plünderungen nach Klagenfurt fliegt. :D

die Minderheit assimiliert die Mehrheit ??

dass diese dumpfe Theorie im Standard einfach stehen gelassen wird?

mah, du armer tropf du!

Das Meer ist der Woertersee

Der Lindwurm ist die Trennung in Deutsch und Slowenisch in Kaernten, der das Meer immer unruhig mit Wellen verursacht. Die Mehrsprachigkeit ist wohl der Held Siegfried, der den Lindwurm erschlagen kann, um die Wellen des Meers zu beruhigen , so wird das Meer wie ein Kaernter Brunnen sein.

"Slowenisierung" Kärntens oder höfliche Abwicklung einer Minderheit?

Welch unsinnige Befürchtung. Dem Slowenentum wurde doch längst das Genick gebrochen. Der Anteil der Slowenen im Land ist seit 1900 von 20% auf 2% gesunken. Die wenigen verbliebenen slowenischen Muttersprachler sind durchgehend zweisprachig - ein sicheres Kennzeichen einer Minderheit, die stetig durch Assimilation an Boden verliert. Die deutschsprachigen Kinder, die zweisprachige Schulen besuchen, führen - so lobenswert man diesen Vorgang einstufen mag - dazu, dass es kein unabhängiges slowenisches Kulturleben im Schulbereich geben kann.

Ich bin Pessimist: Der Germanisierungsprozess wird weitergehen. Wie die meisten europäischen Minderheiten werden die Kärntner Slowenen im Verlauf des 21. Jh.'s im Mehrheitsstaatsvolk vollständig aufgehen.

hm, ich habe auch schon gehört, dass manche slowenen es nicht so gern sehen, wenn deutschsprachige kinder sich zum slowenischunterricht anmelden.

im günstigsten fall ist das lernniveau ein argument, im ungünstigsten fall trauert man der abschottung nach ...

Ich hoffe, dass es niemals so weit kommt.
Dass wir beide Sprache sprechen, finde ich völlig in Ordnung, weil wir in Österreich leben.
Was ich mir manchmal im Umgang mit den Scharfmachern oder Slowenenhassern gewünscht habe: Wir hätten eine andere Hautfarbe. Auf die Erklärungen dieser Giftzwerge bin ich gespannt.
Die Anzahl jener, die slow. Vorfahren haben, diese aber leugnen bzw. wurden sie durch das unten herrschende Klima dazu gedrängt, ist Legion.

Das ist der Lauf der Zeit der sich auch mit tausenden Förderungen usw. nicht aufzuhalten. Nicht nur in Kärnten sondern auch im z.b. Burgenland. Die Umgangssprache ist nunmal Deutsch und rein Slowenisch oder Kroatisch leben kann man dann im Endeffekt nur in wenigen Dörfern und darf dann dort auch nie weg. In einer modernen Gesellschaft ist das utopisch. Und meiner Meinung auch unsinnig.

Fördern muss man nur etwas, das man zuvor klein, sehr sehr klein gemacht hat. Hätte man sie von vornherein als ebenbürtig und nicht minderwertig- ganz typisch für Kärnten- akzeptiert, müssten die Kärntner Slowenen nicht um ihr Überleben kämpfen.

Guter Artikel.

Da kommt auch deutlich heraus, daß Berrieren schnell geschaffen sind, aber sie wieder loszuwerden ein langer Prozess ist/ sein kann.
Das sieht man ja auch in z.b. Berlin. Die Mauer wurde in wenigen Wochen hochgezogen. Seit '89 hat sich zwar einiges getan, aber es ist noch immer im Stadtbild / in den Leuten / etc. zu sehen und verankert.

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