Zwischenbilanz

Gregor Fauma, 13. März 2012, 17:40
  • Zur Gruppe der Zicken im Garten gehört die Clematis.
    foto: reuters/luke macgregor

    Zur Gruppe der Zicken im Garten gehört die Clematis.

Nach einem Jahr im neuen Garten gilt es die Quote der Pflanzen festzustellen, die den kalten Februar tatsächlich überlebt haben

Vor einem Jahr wurde der neue Garten besiedelt. Zur Verfügung standen viele Quadratmeter frisch aufgeschütteter Erde rund um das neue Heim ebenso 105 Pflanzen vom alten Garten. Rosenstöcke, Lavendelbüsche, Clematen, Bambus, Farne, Funkien, Engelstrompeten, Hortensien, Rudbeckien, Perückenstrauch, Pfeifenstrauch, Gelber Muskateller und der baumgroße Kalifornische Flieder Ceano-thus.

Nun, Politikerinnen und Funktionäre würden von einer durchwachsenen Bilanz sprechen, fragte man sie nach der Quote des Überlebens. Auf bohrenden Fragen seitens kritischer, investigativer Gartenjournalisten müssten die Angesprochenen zugeben, dass sie sich beim Timing vertan hätten. Die Pflanzen würden im alten Heim zu früh ausgegraben, und im neuen Heim zu spät eingesetzt worden sein. Die Zeit dazwischen hätte ihnen nicht gutgetan. Es würde aber auch ein Lamento vom Zaun brechen, dass die Erde rund um das neue Haus von höchst beklagenswerter Qualität gewesen sei. Ein seriöses Bestellen des Ackers wäre nicht möglich gewesen. 

An den Wurzelspitzen frierend

Und dass just im Februar die Grade gering und die Luft so kalt sein würde, damit hätte doch auch keiner rechnen können. An dieser Stelle würden die Befragten eingestehen, dass rund neunzig Prozent (in Zahlen 90!) des Bambus Fargesia murielae dahingeschieden scheinen. Ein Jahr durften die möglicherweise toten Halme im Erdreich bleiben, in der Hoffnung, dass doch noch neue Triebe aus den Wurzelstöcken schießen. Doch schön langsam beginne man, die toten, fast zwei Meter hohen Triebe bodennahe abzuschneiden und im Frühjahr durch neue Individuen zu ersetzen. Doch es kam noch schlimmer.

Mit Frosch im Hals und stierem Blick würden die Damen und Herren vom Umzugskomitee eingestehen müssen, dass auch das Liebkind aller Gartenteilnehmer, der fast vier Meter hohe Ceanothus, nachhaltig tot scheint. Zu lange stand er in einem Trog Wasser, sehnsüchtig auf das Go des Immobilienentwicklers wartend, an den Wurzelspitzen frierend und langsam hinüber gleitend, hinüber in das Reich ewigen Wachstums. Liebevoll wurde er an einem Ort mäßigen Lichts, leichten Luftzugs und mittelfetter Erde eingesetzt, stets umsorgt begutachtet und mit der Hoffnung bedacht, dass es doch noch das eine oder andere Auge geben könnte, aus dem er austreibt. Doch vergebens.

Bis Mai bekommt er noch Zeit, doch dann wird er weichen müssen. Mit dem Muskateller verhält es sich nicht anders. Mindestens genauso tot schien der mächtige Perückenstrauch, doch dieser hat seine Chance als eingesetzter Halbtoter genützt und überraschte eines Tages mit drei zwei Zentimeter langen Trieben, die sogar drei Blättchen trugen. Die Freude war endlos. Von den Trieben ist mittlerweile nichts mehr zu sehen, die letzte Frostperiode hat wieder brutal zugeschlagen. Auch er wird bis Mai Gelegenheit bekommen, sein Leben zu beweisen oder seinen Tod letztendlich am Kompost zu zelebrieren. 

Königinnen unter den Zicken

Von den echten Toten zu den Halbtoten, kommt die Bilanz nun zu einer anderen Gruppe, den Zicken. Die Königinnen unter den Zicken sind die Rosen. Sie durften größtenteils in ihrem Substrat übersiedeln, bekamen im Frühjahr frische Erde und die besten Positionen an der Sonne. Und um nur ja nicht am Kompost zu landen, schickten sie regelmäßig ein paar Blätter raus, die vom Überleben zeugen sollten. Doch mehr kam nicht. Die schmollen. Grün belaubt und mit nicht aufblühenden Miniknospen, stagnieren sie vor sich hin, verweigern Längenwachstum und wollen damit noch mehr Zuwendung erheischen.

Das Drohen mittels neuer, ausgesprochen prächtiger Duftrosen von exaltierten Züchtern quittierten sie mit einem schmallippigen "pfff" und ließen diesen Versuch zu einer pädagogischen Sackgasse verkommen. Seither ist Sendepause, und das kommende Frühjahr wird ja zeigen, ob sie neue Pracht dem modernden Kompost vorziehen werden. Dasselbe gilt natürlich auch für die Clematen, die sich ein Jahr lang mit den Rosen solidarisch zeigten. Wir werden ja sehen, wer am längeren Ast sitzt. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 09.03.2012)

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22 Postings
Traurig finde ich das,

wirklich.
Da haut man soviel Energie und Zeit rein, Hoffen und Bangen ob sich die Pflanzen erholen und dann sind's einfach hinüber.
Hatte diesen WInter anscheinend Glück, aber einige haben's bei mir auch nicht überlebt.

Sowas von Langeweiler

Lasst doch wieder die Ute Woltron schreiben. Oder doch jemanden, der wirklich Interesse am Schreiben und an Pflanzen hat.

Stimmt.

ich mag den artikel. vielleicht nix neues, aber beruhigend zu wissen, dass anderen ihre pflanzen auch absterben. auch ich habe fast jedes jahr so halbleichen (versteckt) herumstehen, in der hoffnung, dass doch noch irgend wo was grünes hervorkommt. man muss auch im garten an wunder glauben.

die gibt es auch :)

he, das ableben geliebter pflanzen gehört zum dramatischesten dass ein gärtner erleben kann/muss!

meinen bambus

hat's dieses jahr auch dahingerafft :-(

was habe ich mich gesorgt, als meine phanaelopsis sich einen sonnenbrand geholt hat. undenkbar, einen garten zu haben. das was fauma beschreibt ist ja ein furchtbares dahinsiechen, nicht auszudenken!

die immergrünen sind durch den wochen langen

kahlfrost teilweise gezeichnet.

kirschkorbeer in der nachbarschaft zum teil bis zu 2/3 braun (bei mir ist er ok). lavendel habe ich auch schon kaputte gesehen, aber es liegt auch am falschen substrat, dass sie bei der kälte dann nicht durchkommen.
ein paar mediterrane sind bei mir stark in mitleidenschaft gezogen oder mausetot, andere intakt.

abwarten, vielleicht treibt er ja noch aus - oder war er voriges jahr schon kaputt?

nein voriges jahr

war er frisch und gruen.
ich geb ihm eh noch eine chance. aber gut schaut er nicht aus :-(

muss ich auch gerade wieder feststellen,

aber die schäden werden erst nach und nach sichtbar :)

der winter hatte es in sich, der windchill war in wien wahrscheinlich stellenweise bei -20°C oder sogar darunter.
selbst hier bereits etablierte pflanzen in der nachbarschaft haben teilweise schwere schäden.

der eine rosmarin den ich nach ihrer anleitung statt in lehm etwas durchlässiges gegönnt hab ist aber auch heuer wieder eingegangen, der zweite an einem etwas sonnigeren standort scheint es überlebt zu haben - in wien am balkon hat er auch überlebt, ein teil ist braun, aber das ist schon öfter so gewesen.

sonne ist wichtig. der härtet ab umso mehr hitze und sonne er kriegt, die triebe müssen einfach gut verholzen.

verholzte triebe sind frosthärter.
karges substrat alleine ist natürlich keine garantie, aber bei gleichen klimatischen und standortbedingungen ist die frosttoleranz höher. ich habe das schon selber festgestellt und sehe das auch an den lavendeln in der nachbarschaft die im lehm sind und wieder zt schäden haben. ist zwar auch sortenabhängig, aber bei mir alles bestens.

garantie ist es natürlich keine, denn irgendwann ist die luft für den oberirdischen teil einfach zu kalt.

rosmarinus albiflorus bei mir nur mit leichten schäden (paar braune stellen im unteren bereich), obwohl erst 11 ausgepflanzt. wird bis zum sommer sicher eine stattliche pflanze.

schön zu hören dass es dem albiflorus gutgeht - in der tat, die pflanzen die im vordergarten den winter nicht überlebten waren alle jung - der rosmarin im hintergarten ist schon zehn jahre alt und dementsprechend holzig, detto der am balkon (wobei die auch ganz klein eingestzt wurden - vielleicht brauchts ein paar winter glück mit dem wetter.
frage: ich sollte meinen kleinen olivenbaum umtopfen - was würden sie da nehmen/wo kaufen - ich bin zwar ein begnadeter substratmischer :-), aber da trau ich mich nicht drüber.

oliven haben keine hohen ansprüche, nur drainage ist wichtig.

normale gartenerde mit ein paar steinen / sand reicht. wenn diese sehr kompakt und schwer ist, mit einem guten drittel sand / steinen vermischen. mehr geht auch, aber dann müssen sie öfter gießen und auserdem 'derheben' sie es nimmer :) man kann auch blumenerde dazumischen (aber nicht nur blumenerde nehmen).
am topfboden empfiehlt sich eine schicht steine, kies, sand oder ähnliches gegen staunässe. eher trocken halten.

danke - derzeit ist dem topf anscheinend eine originalerde aus spanien/griechenland (rötlich) und sowas hab ich hier noch nirgends gesehen.

apropos drainage - was halten sie von lecakugeln - unten am topboden - gut oder halten die zuviel wasser, da sie sich ja vollsaugen?

sie meinen diese hydrokügelchen

ich sehe kein problem damit (ginge auch mit seramis oder ganz einfach ziegelscherben). wenn wasser gespeichert wrid, ist das sogar ein vorteil und könnte dazu führen, dass man die pflanze weniger oft wässern muss. es geht nur darum, dass es zu keiner staunässe kommt bzw. überschüssiges wasser schnell abfließen kann. bei oliven (wie bei vielen mediterranen pflanzen) faulen dann die wurzeln leicht.

a propos rosmarin: noch nicht auf den kompost, es gibt chancen dass er wieder austreibt. auch nicht radikal zurückschneiden, einfach so lassen und bis mai warten. eine harte selektion ist aber schon die halbe miete.

ja, ich warte eh - ich hab beim einen standort entdeckt dass die kleinen unter der schutzfolie eh grün sind.
im vordergarten (da gibt es nur am vormittag sonne, im winter vielleicht wegen der mauer beim nachbarn zu wenig?) schaut er aber schlecht aus - mal sehen.
der im hinteren garten (sonne ab mittag) ist er schon viele jahre alt - ich binde immer ein paar zweige runter in die erde zum anwurzeln (um die ausfälle an der anderen hausseite auszubessern). mit richtig abgeschnittenen stecklingen hab ich bei rosmarin noch nie glück gehabt.

wegen rosmarin, ...

... hab ich vom billa mal miteingekauft.
wuerde den gerne winterhart einbetten.
gibt's da tips ?
oder besser im tonschüsserl und im winter auf die veranda ?

und überaschung, unser lavendel hat unter 2-3m schnee offensichtlich ueberlebt (auf sand/schotter) !

wie gesagt - ich hab einen im garten in einer mauer/zaunecke und einen auf einer terasse in einem pflanzentrog gemeinsam mit anderen pflanzen (troggrösse bxhxt 100x50x40) - beide wickle ich im winter bis ca. zur hälfte vom beden weg mit verpackungsfolie ein - und die sind schon ein jahrzehnt alt. mit überwintern im zimmer haben wir kein glück gehabt - immer vertrockneten sie am ende des winters....

dass sie interesse an pflanzen haben,

lässt sich aus ihrer stellungnahme leider nicht ableiten.

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