Kontra Junkfood-Steuern: Doppelt bezahlt

Kommentar |

Konsumenten zahlen dann mehr Geld für Produkte, die erst eine verfehlte Agrarpolitik profitabel macht

Höhere Steuern auf bestimmte ungesunde Lebensmittel sind für die allgemeine Gesundheit ungefähr so sinnvoll, wie es das Zuschütten eines zuvor gegrabenen Lochs für den Arbeitsmarkt wäre. Dabei benennt der dazugehörige Uno-Bericht die Probleme einer globalisierten Nahrungskette sehr deutlich: staatliche Subventionen für bestimmte Agrarprodukte und ein weltweiter Lebensmittelhandel zwischen ungleichen Partnern.

Weil etwa Anbau und Zucht von Soja und Mais massiv gefördert wurde, sind pflanzliche Öle seit den 1960er-Jahren deutlich billiger geworden - und deren gestiegener Konsum ist ein wesentlicher Grund für die Zunahme zahlreicher Zivilisationskrankheiten. Weil mit Soja Mastkühe gefüttert werden, ist die Fleischproduktion gestiegen und der Fleischpreis gesunken. Und aus Mais wird billiger Sirup gewonnen, der picksüße Softdrinks um 99 Cent pro Liter erst möglich macht. Dank Schutzzöllen und Subventionen exportieren EU und USA ihre Krankmacher in ärmere Länder.

Solange dieses System aufrechterhalten wird, ist es blanker Hohn, sein Ergebnis mit höheren Steuern zu belegen. Konsumenten zahlen dann im Einkauf mehr Geld für Produkte, die erst eine verfehlte Agrarpolitik mithilfe von Steuergeldern profitabel macht. Wer die anderen Parameter verändert, braucht keine Junkfoodsteuer - das Zeug würde sich auch so nicht mehr billig verkaufen lassen. (DER STANDARD, 9.3.2012)

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