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Nukleare Reaktorkatastrophen haben offenbar gravierendere und weit schwieriger absehbare Auswirkungen auf die Ökosysteme, als bisher angenommen. Zum Jahrestag des verheerenden Unglücks im japanischen Fukushima haben deutsche Forscher eine neue Debatte über mögliche Langzeitschäden von Störfällen und Unfällen in atomaren Anlagen angeregt. Das Forscherteam um Henrik von Wehrden von der Leuphana Universität Lüneburg stützt sich bei seinen Erkenntnissen auf die Auswertung von mehr als 500 Studien über die Auswirkungen des Super GAUs von Tschernobyl.
Dort war vor 25 Jahren bei der Simulation eines Stromausfalls die Explosion eines Reaktors ausgelöst worden. Zunächst stellen die Wissenschafter fest, dass man trotz der Datenfülle noch immer nur recht wenig darüber weiß, was die Strahlung langfristig in den Ökosystemen anrichtet. Die Autoren, deren Studie im Fachjournal "Conservation Letters" erschienen ist, fordern daher, nach dem Fukushima-Unglück die Forschungsanstrengungen besser zu koordinieren.
Ein Viertel Jahrhundert ist seit dem bislang gravierendsten Atomunglück von Tschernobyl vergangen. Und noch immer sind in Südengland einige Wiesen für die Viehhaltung gesperrt, noch immer dürfen in Finnland mancherorts keine Fische gezüchtet werden. Ein Grund dafür ist die Langlebigkeit der Radionuklide, die bei dem Super-GAU 1986 freigesetzt wurden. Dazu zählen vor allem Caesium-137 (Halbwertszeit: 31 Jahre) und Strontium-90 (29 Jahre). Diese beiden radioaktiven Isotope sind also noch nicht einmal zur Hälfte zerfallen. Sie sorgen in manchen Regionen bis heute für eine erhebliche Strahlenbelastung.
So wurden im Jahr 2009 in südschwedischen Pilzen Werte von 180.000 Bequerel pro Kilogramm gemessen - der zulässige Grenzwert in Deutschland liegt für Nahrungsmittel bei 600 Bequerel pro Kilogramm. Selbst in 2.000 Kilometern Entfernung vom Unglücksort gibt es bis heute zum Teil erhebliche Strahlenbelastungen; in Deutschland beispielsweise haben Forscher 2009 stark erhöhte Werte in Wildfleisch festgestellt.
Schwerwiegende Folgen
Welche Konsequenzen die Strahlenbelastung für die Ökosysteme hat, sei bis heute nur unzureichend bekannt, kritisiert der von Wehrden. "Es hat sich aber gezeigt, dass selbst geringe Strahlendosen Pflanzen und Tiere schädigen können", sagt der Ökologe. "Wir wissen heute etwa, dass Ratten ihr Schlafverhalten ändern, wenn sie radioaktives Wasser trinken - und das schon bei einer Belastung von 400 Bequerel pro Liter. Und in Zwiebeln hat man bei ähnlichen Strahlendosen Chromosomen-Schädigungen festgestellt." Direkt um Tschernobyl sei die Radioaktivität übrigens so stark gewesen, dass dort ein ganzes Waldgebiet abgestorben sei. Zudem seien dort die Mutationsraten in Fischen und Vögeln zum Teil drastisch angestiegen. Bei manchen Vögeln habe man auch ein verkleinertes Gehirnvolumen festgestellt. "Welche Folgen das haben wird, bleibt abzuwarten." (red)
Abstract
Conservation Letters: Consequences of nuclear accidents for biodiversity and ecosystem services
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Ich befürchte halt nur, dass wir auf kurz oder lang ohne Atomkraft nicht auskommen werden. Kohlekraftwerke sind pfui und die ganzen Erneuerbaren sind zum Vergessen. Der Beitrag der Photovoltaik zur Gesamtstromversorgung ist buchstäblich ein Witz und Biosprit eine soziale, ökonomische und okologische Katastrophe. Am besten sieht es noch bei der Windkraft aus, die aber selbst von meilenweit von einer sicheren Grundversorgung entfernt ist.
Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Erneuerbaren trotz massiver Betriebssubventionen (gab es früher bei der Voest) und vergoldeter Einspeisetarife noch immer unrentabel sind, dann fragt man sich wofür das Ganze.
ist mir völlig unklar, wie man mit stochastischer Stromerzeugung eine Industriegesellschaft versorgen soll. Mit solchen Argumenten - irgendwo weht immer der Wind - oder - irgendwo scheint immer die Sonne - lässt sich eine ernsthafte Versorgung nicht sicherstellen.
Einmal Strom, dann wieder nicht Strom - je nach Wetter und Sonnenschein - das sind eher Zustände wie in einem Entwicklungsland, nicht wie in einer modernen Industriegesellschaft.
Wohin mit den zig to strahlendem Abfall? Ist uns klar, dass mindesten 20000 Generationen auf unser strahlendes Erbe aufpassen werden müssen, zumindest so lange, bis es eine Alternative zur beinahe ewigen Lagerung gibt? Und was ist mit dem Restrisiko, dass angeblich beherrscht werden kann? Sind zwei verstrahlte Landstriche nicht genug, wieviele Super-GAU's brauchen wir noch?
„harmloser“ ist im Kontext einer nuklearen Katastrophe definitiv fehl am Platz… die Zukunft wird weisen, wie viel „harmloser“ die Auswirkungen wirklich sind….
coole idee, aber nichts besonderes ... im gebiet um Tschernobyl sind einige forscher wohnhaft und untersuchen die auswirkungen auf die natur. fazit: der natur ist die radioaktivität "wurscht", sie wird damit fertig. das einzelne individuum jedoch leidet unter der strahlenbelastung (keine nennenswerte veränderung in der fauna, die flora reagiert stärker).
lg
dein trollkind
"Nukleare Reaktorkatastrophen haben offenbar gravierendere und weit schwieriger absehbare Auswirkungen auf die Ökosysteme, als bisher angenommen."
Wer - außer der in Diensten der Atomlobby stehenden "Wissenschafter" - hätte denn die Fairy-Tales von den "geringeren Auswirkungen" angenommen?
Niemand Seriöser, befürchte ich.
Sie haben vollkommen recht, wer bitteschön hat bislang angenommen, dass dem nicht so sei??? …. wenn es um den Profit geht, dann ist selbst eine nukleare Katastrophe offiziell nicht so tragisch in ihrer Tragweite, solange bis die ersten für die Menschen spürbaren und für Wissenschaftler messbaren Auswirkungen festgestellt werden, dann könnte möglicherweise wohl was dran sein….
Überdies scheint mir die Qualität dieses Artikels nicht die Beste zu sein…
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