Nach dem Angriff die Versöhnung

13. Juni 2003, 22:20
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Präsident Valéry Giscard d'Estaing eroberte den Konvent

Brüssel - Am Ende waren fast alle zufrieden, und Valéry Giscard d'Estaing, der umstrittene und von etlichen Mitgliedern des Konvents immer wieder angegriffene Präsident, wurde gerade von jenen mit ehrlichen Worten des Dankes gewürdigt, die ihn monatelang schwer kritisiert haben.

Seiner langjährigen politischen Erfahrung, Beharrlichkeit und seinem Gespür für das richtige Wort im richtigen Moment, das er bei seiner Rede am Ende der feierlichen Plenarsitzung des Konvents eindrucksvoll bewiesen hat, ist es zu verdanken, dass die EU-Verfassung gelungen ist. Damit hat er sich, obwohl man im Konvent mit dem Ausdruck "historisch" sparsam umgegangen ist, in die Geschichtsbücher eingetragen.

Verbal tief verneigt hat sich etwa Johannes Voggenhuber, der noch vor wenigen Tagen, als der Konvent zu scheitern drohte, meinte, "Giscard hat die Krise benutzt, um seine eigenen Positionen durchzusetzen". Wobei der einzige österreichische Grüne im Konvent gerade mit seiner Streitlust viel weitergebracht hat. Der einflussreiche EU-Abgeordnete Elmar Brok (CDU), der Giscard jüngst kaiserliches Verhalten unterstellt hat, streute dem 77-Jährigen zuletzt ebenfalls Rosen.

Wie überhaupt die Rollenverteilung im Konvent in den einzelnen Gruppen perfekt war. Im Lauf der Monate wurde transparent, warum wer und aus welchem Grund bestimmte Angriffe startete. Die viel zitierten Jakobiner, also die Integrationisten im Konvent, brachten stets neue Dynamik ins Geschehen. Wobei sich in dieser Gruppe die österreichischen Konventsmitglieder Maria Berger, Eva Lichtenberger, Caspar Einem und Reinhard Rack besonders engagiert haben.

Bewährt hat sich vor allem die so genannte "Konventsmethode". Also das tagelange, mühsame, oft qualvolle Zuhören, um gegensätzliche Standpunkte vereinen zu können. (ina/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.6.2003)

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    Die österreichischen Mitglieder des EU-Konvents Maria Berger, Reinhard Rack, Eva Lichtenberger, Gerhard Kurzmann, Caspar Einem und Johannes Voggenhuber bei Präsident Klestil

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