Ja zur Kosmetik! - Von Günter Traxler

15. Juni 2003, 18:22
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Wenn das Volk einen Finanzminister will, der vor allem schön ist, dann muss ihm das schon ein paar Millionen Euro wert sein -

Der Falter hat nun ans Licht einer dahindämmernden Öffentlichkeit gebracht, was der Finanzminister getreu dem Motto "Jene, die sich pflegen, sind andern überlegen" für persönliche Kosmetik ausgibt. Wenig ist es nicht, aber auch ein Narziss vom Wörthersee muss gelegentlich etwas für seine Apotheose in Wien tun, und bisher hat es sich gelohnt. Noch immer soll es ja Staatsbürger(innen) geben, die einer Ohnmacht nahe sind, wenn sie ihn sehen, und gänzlich in eine solche versinken würden, wenn sie einmal nachrechneten, was sie der Anblick kostet. Von selber stellt sich eine solche Verwirrung der Gefühle und Gehirne nicht einmal bei einer Bevölkerung, begnadet für das Schöne, ein, das erfordert eben aufwändigste Beratung.

Im Kosmetiksalon Himmelpfortgasse sollte man indes bedenken, dass wahre Schönheit die ganze Person umfassen muss und von innen kommt. So müsste der Finanzminister bei der Beantwortung parlamentarischer Anfragen etwas mehr für seine Atemfrische tun, weil es sich dann viel besser macht, wenn man - verschanzt hinter dem leicht blöden Lächeln des sich ertappt wissenden Schlaumaiers - versucht, die Abgeordneten für so dumm zu verkaufen, wie man sie gerne hätte, um sich ungestört den Wonnen der Schönheitsberatung hingeben zu können.

"Seiner Einschätzung nach" hätten die nicht geleugneten 27 Millionen Euro an Beratungshonoraren den Steuerzahlern "Hunderte Millionen erspart", trug Grasser dick Schminke auf. Abgesehen davon, dass er keinen Versuch unternahm, einen Beweis für diese Behauptung vorzulegen (ein solcher wäre wohl auch kaum zu erbringen) - seit wann ersetzt in Sparzeiten die lässige "Einschätzung" eines verantwortlichen Ministers eine genaue Abrechnung, wenn es um solche Summen geht?

Um wie viel glücklicher könnten die Steuerzahler in dem Bewusstsein leben, keinen kosmetischen Flachwurzler als Finanzminister zu haben, würde er sie nur etwas genauer informieren: Wie viele "Hunderte Millionen" waren es denn und wo, die da erspart wurden? Hätte man sich nicht ebenso viel und das Beratungshonorar dazu erspart, wenn man von vornherein auf die Erfahrung der Beamten gebaut hätte? Wir werden es wohl nie erfahren - da fehlt eine Evaluierungsberatung! Und ohne Zweifel jede Hemmung, den Nationalrat mit billigen Pflanzereien abzuspeisen.

Denn die Abschlankung des Staates mithilfe hoch dotierter Experten von außen, die angeblich "wesentlich dazu beitragen, dass die diversesten Einsparungsprojekte optimal durchgeführt werden", sah in der Praxis dann häufig so aus, dass die Berater "zur Erreichung des Nulldefizits" Beamte des Finanzressorts interviewten und deren Ideen zur Erreichung des Nulldefizits in ihre Expertise einfließen ließen, was den Staat derart verschlankte, dass sich sogar der Rechnungshof über das vom Finanzminister erstrebte Schönheitsideal ärarischer Magersucht Sorgen zu machen begann.

Vielleicht gibt sich der Nationalrat ja mit dem zufrieden, was Grasser an Geheimnissen aus dem Schminkdöschen lüftete. Dann kann er weiterhin sein Ressort als persönliche Beauty Farm betreiben und muss sich nicht mit kleinen Schönheitstricks für zwischendurch begnügen, wie Regierungskollegen. Wenn das Volk einen Finanzminister will, der vor allem schön ist, dann muss ihm das schon ein paar Millionen Euro wert sein.

Anderen Ministern ist Schönheit nicht so wichtig, die drücken schwerere Sorgen. Wie unseren Wirtschaftsminister Martin Rabattenstein, der nach der Pensionsreform kaum noch weiß, wie er den Hyänen der Schuhindustrie ein Paar verbilligte Treter herausreißen kann, mit denen er sich im Büro oder beim Marathon zeigen kann. Wenn der nicht bald eine ressortferne Expertengruppe für Beratungstätigkeit zur Erreichung von Rabatten einsetzen darf, wird er demnächst den letzten Langlauf absolviert haben. Das sollte uns auch ein paar Millionen wert sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.6.2003)

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