Gestrichene Prämie fordert erstes Opfer unter Integrationsbetrieben

13. Juni 2003, 18:20
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Was Experten in Standard-Interviews bereits befürchteten, tritt nun ein: Aufträge gehen verloren, ein Unternehmen muss bereits zusperren

Wien - Unternehmen, die Aufträge an Betriebe mit behinderten Arbeitnehmern vergeben, haben seit Jahresbeginn kein Anrecht mehr auf eine steuerfreie Prämie in Höhe von 15 Prozent. Deren Streichung wird vom Sozialministerium damit begründet, dass die Abwicklung zu aufwändig sei.

Für die integrativen Firmen bedeutet dies jedoch, dass sie um Aufträge umfallen, was sogar das Ende des Unternehmens bedeuten kann. Ein erster Fall ist nun ein Standort der Team Styria GmbH in Kapfenberg, wo bisher Spezialpaletten gefertigt wurden. Mit Ende Juni stehen dort die Maschinen für immer still. Fünf Behinderte werden ihren Job verlieren.

Umsatzeinbruch

Der kaufmännische Leiter von Team Styria, Lukas Reitzer, sagt zum STANDARD dazu: "Seit dem Zeitpunkt, als unsere Abnehmer nicht mehr fünfzehn Prozent von der Nettorechensumme zurückerstattet bekamen, gingen plötzlich auch langjährige Kunden verloren, was zu einer gravierenden Unterauslastung, dem Wegbrechen von Margen sowie einem extremen Umsatzeinbruch führte."

Und er schiebt ein konkretes Beispiel für die Folgen des Prämienschwundes nach: Bei einem - noch 2002 öffentlich ausgeschriebenen Projekt - war man Bestbieter und hatten den Auftrag faktisch schon in der Tasche. Als sich das Projekt aber ins heurige Jahr hinzog, war Team Styria plötzlich weg vom Fenster und musste 80.000 Euro in den Wind schreiben.

Das 300-Mann-Unternehmen - 80 Prozent davon Behinderte - arbeitet an vier steirischen Standorten, fertigt unter anderem High-End-Produkte für renommierte Möbelproduzenten und agiert im Metallbereich als Zulieferer für die Automobilindustrie. Am zweiten Standort Kapfenberg und in Spielberg will die Geschäftsführung nun jedenfalls "durch noch stärkere Prozessoptimierung zusätzlich drohende Personalmaßnahmen abwenden."

"Grundlage entzogen"

Große Befürchtungen hat aber auch etwa die Caritas. Sie fürchtet vor allem um den Auftragsstand und die Jobs in Branchen mit besonders großem Preisdruck. Wie berichtet, könnten etwa im Textilbereich "in einzelnen Bundesländern bis zu einem Drittel der bisherigen Bestellungen wegbrechen", heißt es. Und auch der Chef der Baumax AG, Martin Essl, hält das Streichen der Prämie für widersinnig, weil "den Behinderten damit die Grundlage entzogen wird, selbst gewerblich aktiv zu sein."

In Österreich drücken sich viele davor, Behinderte einzustellen. Sie kaufen sich mit 200 Euro pro Monat frei. Weil die Betriebe den Kündigungsschutz fürchten, sind von rund 84.000 Pflichtstellen nur knapp 50.000 besetzt. Nur die Steiermark, Kärnten und Oberösterreich liegen über der Quote. (Monika Bachhofer, Der Standard, Printausgabe, 14.06.2003)

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