Stimmung der US-Verbraucher überraschend eingetrübt

13. Juni 2003, 17:45
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Märkte enttäuscht

New York - Massive Arbeitsplatzsorgen der US-Verbraucher haben deren Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes im Juni wieder getrübt und damit Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturbelebung vorerst gedämpft. Die überraschend schwachen Daten der Universität Michigan sorgten an den Märkten für Enttäuschung: Die Börsen in den USA und Deutschland drehten klar ins Minus, auch der Dollar gab zum Euro nach.

Nach vorläufigen Berechnungen der Universität sank der Verbrauchervertrauensindex auf 87,2 von 92,1 Punkten im Mai, wie am Freitag aus New Yorker Finanzkreisen verlautete. Von Reuters befragte Volkswirte hatten dagegen im Schnitt mit einem Anstieg auf 93,4 Zähler gerechnet. Besonders deutlich trübten sich die Erwartungen der Konsumenten ein: Der entsprechende Index fiel auf 84,2 von 91,4 Punkten im Vormonat. Analysten gehen angesichts dieser Daten von einer Fed-Zinssenkung noch in diesem Monat aus.

Wichtiges Konjunkturbarometer

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Verbrauchervertrauens-Index der Universität Michigan gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Im Mai war der Index nach dem raschen Ende des Irak-Kriegs noch kräftig gestiegen und hatte Hoffnungen auf eine rasche Belebung der weltgrößten Volkswirtschaft genährt. Analysten zufolge war dieser Konjunkturoptimismus jedoch verfrüht. "Die Verbraucher haben nun realisiert, dass die Welt nach dem Krieg noch immer dieselbe ist, und auch die beträchtlichen Probleme noch da sind", sagte Richard Dekaser, Chefvolkswirt von National City Corp. Nach dem ersten Golfkrieg Anfang der neunziger Jahre habe sich das Verbrauchervertrauen ähnlich entwickelt.

Persönliche Sorgen

Nach Einschätzung von Elisabeth Denison von Dresdnder Kleinwort Wasserstein konzentrieren sich die Verbraucher nun wieder mehr auf ihre persönlichen Sorgen, wie die Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes oder vor Gehaltseinbußen. "Dies wird die Konsumausgaben künftig weiter bremsen", fügte sie hinzu. Die US-Arbeitslosenquote war im Mai auf 6,1 Prozent und damit den höchsten Stand seit knapp neun Jahren geklettert. Denison prognostiziert, die US-Wirtschaft werde im zweiten Quartal wohl weiter nur schleppend wachsen. Im Sommer könnte jedoch von den geplanten milliardenschweren Steuersenkungen ein positiver Schub ausgehen.

Angesichts der wieder getrübten Verbraucherstimmung rechnen immer mehr Volkswirte damit, dass die US-Notenbank (Fed) bei ihrem nächsten Treffen Ende Juni die Leitzinsen ein weiteres Mal reduzieren wird. "Die Daten bestätigen nicht nur die Zinssenkungserwartungen, sondern deuten auch darauf hin, dass die Zinsen eine ziemlich lange Zeit niedrig bleiben dürften", sagte Marcel Kasumovich, Devisenstratege bei Merrill Lynch. Die meisten Analysten erwarten eine Zinsrücknahme um 25 Basispunkte auf dann 1,00 Prozent.(APA/Reuters)

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