Stanisic plädiert vor UNO-Tribunal auf "nicht schuldig"

13. Juni 2003, 17:29
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Serbischer Ex-Geheimpolizeichef wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen Menschlichkeit angeklagt

Belgrad/Den Haag - Der ehemalige Chef des serbischen Staatssicherheitsdienstes, Jovica Stanisic (51), hat heute, Freitag, vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag auf "nicht schuldig" in allen fünf Anklagepunkten plädiert. Stanisic und dessen einstiger Stellvertreter Franko Simatovic waren Anfang Mai dieses Jahres der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kroatien und Bosnien angeklagt worden. Der an Darmkrebs erkrankte Stanisic war am Mittwoch an das Haager Tribunal ausgeliefert worden. Simatovic befindet sich schon seit Ende Mai im Tribunalsgefängnis.

Stanisic und Simatovic haben sich wegen Verbrechen zu verantworten, die zwischen 1991 und 1995 seitens der von ihnen gebildeten kroatisch-serbischen Polizeikräfte (Republik Serbische Krajina) sowie serbischer Milizen unter Kontrolle des Belgrader Staatssicherheitsdienstes in Kroatien und Bosnien verübt wurden. Unter anderem wird ihnen die Verantwortung für den Tod von etwa 700 Personen angelastet.

Mitglieder der "Rote Barette"

Beide waren in Belgrad einen Tag nach der Ermordung von Regierungschef Zoran Djindjic (12. März) festgenommen worden. Die Festnahme erfolgte angesichts der Tatsache, dass in die Ermordung Angehörige der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" verwickelt waren. Stanisic und Simatovic gelten als Gründer der berüchtigten Einheit, die allerdings erst ab 1996 unter dem Namen "Rote Barette" wirkte. Zuvor hatten ihre Angehörigen verschiedene Namen, oft einfach nach ihren Anführern genannt. Unter der Kontrolle der beiden Geheimpolizisten sollten laut Anklage des UNO-Tribunals auch die Freischärler von dem im Jänner 2000 ermordeten Belgrader Mafia-Boss Zeljko Raznatovic "Arkan" gewirkt haben.

Stanisic, der in den frühen neunziger Jahren als einflussreichster Mitarbeiter von Ex-Präsident Slobodan Milosevic galt, wurde der breiten Öffentlichkeit erstmals 1995 anlässlich der Geiselkrise in Bosnien bekannt. Als Vermittler Belgrads sollte er die bosnisch-serbischen Führer zur Freilassung der festgenommenen UNO-Soldaten (UNPROFOR) überreden. Unter Druck der neokommunistischen JUL-Partei von Milosevic-Frau Mira Markovic hatte Stanisic im Herbst 1998 seinen Chefposten bei der Geheimpolizei verloren. Er soll mit dem übermäßigen Gewalteinsatz im Kosovo nicht einverstanden gewesen sein. Stanisic wirkte allerdings auch danach als Sicherheitsberater von Milosevic.(APA)

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